Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sprachcomputer als Stimmungskanone

23.05.2006


Möglichkeiten und Grenzen der Maschine-Mensch-Kommunikation



Monotone Computerstimmen beherrschen Navigationssysteme und Call Center. Forscher arbeiten nach einem Bericht der Financial Times Deutschland daran, den redenden Rechnern ein paar Emotionen beizubringen.



"Alle sind froh, dass die Fahrt vorbei ist. Nur das Navigationssystem bleibt nüchtern: ’Sie haben das Ziel erreicht’, leiert die Stimme aus dem Computer, als würde sie einen Standardbefehl zum Abbiegen erteilen. Sie erfüllt ihren Zweck, so wie die anderen ewig gleichen Stimmen von automatisierten Call Centern, Durchsagen oder Anrufbeantwortern: unaufgeregt, klar verständlich und meist weiblich", so die FTD.

Wissenschaftlern sei das nicht mehr genug. "Während es in den Anfangsjahren der Sprachsynthese vor allem darum ging, dass Menschen die Worte aus dem Rechner überhaupt verstehen, erforschen die Spezialisten heute, wie die künstliche Sprache menschenähnlicher gemacht werden könnte - durch Rhythmik, Satzmelodie und emotionale Färbung, aber auch durch so genannte paralinguistische Elemente wie Räuspern, und Atem holen", berichtet die FTD.

Der Mensch soll sich im Gespräch mit den Maschinen wohler fühlen und zum Beispiel Hinweise aus dem Automaten ernster nehmen oder weniger Hemmung spüren, wenn ihm eine Computerstimme etwas verkauft. "Um die entsprechenden Regeln und Modelle zu entwickeln, arbeiten Sprachwissenschaftler interdisziplinär mit Technikern und Neurobiologen zusammen. Ihr Spezialgebiet heißt ’Prosodie’, ein Teilgebiet der Linguistik, das sich mit sprachlichen Eigenschaften wie Intonation, Akzent, Lautdauer und Sprechpausen befasst", schreibt die FTD. Stand der Technik sei derzeit die so genannte konkatenative Sprachsynthese: "Ein Profisprecher liefert die Ausgangsstimme, Wörter und Satzteile werden aufgezeichnet. Die Synthese-Software wählt dann die Bausteine nach Bedarf aus und spielt sie nacheinander ab", führt die FTD weiter aus.

Die Entwicklung von synthetischen Stimmen, die frei in menschenähnlicher Anmutung Sprachausgaben liefern, wird nach Ansicht von Bernhard Steimel, Sprecher der Brancheninitiative Voice Business, den Markt für Sprachautomatisierung weiter vorantreiben. "Derzeit sind noch aufwendige Aufnahmen in Tonstudios notwendig um in ansprechender Qualität einen Dialog zu führen. Soll der Sprachautomat zukünftiger noch flexiblerer auf das Anliegen der Anrufer reagieren können, dann nützen auch die schablonenhaft aufgenommen Texte nichts mehr. Insofern liegen in diesem Bereich Innovations- und Kostensenkungspotenziale gleichermaßen", sagt der Düsseldorfer Unternehmensberater Steimel im Gespräch mit pressetext.

Unbeholfenheit in künstlich erzeugten Sätzen nehmen Menschen inzwischen in Kauf - und sei es notgedrungen, weil man die Information über eine Zugverbindung eben nur vom Computer erhält. "Dass Sprachcomputer zukünftig die Emotionen des Anrufers anhand der Stimme erkennen können, ist aber eine interessante Perspektive, sofern dann auch adäquate Gesprächsstrategien eingeschlagen werden, die die Stimmung erfolgreich beeinflussen", weiß Steimel. Ein Ergebnis aus psychologischen Tests zur Akzeptanz von Sprachcomputern bleibe sicherlich auch in Zukunft eine Konstante: "Die Maschine hat nur eine Chance, wenn Sie sich als solche auch dem Anrufer klar zu erkennen gibt. Pseudo-realistische Sprachanwendungen dürfen mit keinem Mit-Gefühl rechnen", so das Fazit von Steimel.

Gunnar Sohn | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.ftd.de
http://www.voiceday.de

Weitere Berichte zu: Anrufer Call Navigationssystem Sprachcomputer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Living: VDE-Institut entwickelt Cloud-basierte interoperable Testplattform
15.02.2017 | VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

nachricht Saarbrücker Informatiker machen „Augmented Reality“ fotorealistisch
15.02.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie