Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bioinformatik als Hoffnungsträger gegen Virus-Resistenzen

03.04.2006


Hepatitis, HIV, Influenza und Co. – Viruserkrankungen sind auf dem Vormarsch. Ihre Bekämpfung wird immer schwieriger, denn Viren verändern sich im Laufe der Zeit und entwickeln wegen ihrer Wandelbarkeit häufig Resistenzen gegen Medikamente und lassen Impfungen unwirksam werden. Ziel der Medizin ist es, diesen Prozess zu verlangsamen und die Resistenz mit einer optimalen Therapieabfolge so lange wie möglich hinaus zu zögern.


Unterstützung beim Kampf gegen die Viren findet die Medizin in der noch jungen Disziplin der Bioinformatik, die in großen Mengen biologischer Daten medizinisch nutzbare Zusammenhänge aufdeckt, beispielsweise zwischen Virus-Varianten und Wirkstoff-Resistenzen. Diese Erkenntnisse können gezielt für die Therapie und die Entwicklung neuer Medikamente eingesetzt werden.

Besonders relevant ist dies zum Beispiel für HIV-Patienten, bei denen die Wirksamkeit von Medikamenten nach längerer Behandlungsdauer nachlässt, da die Viren unempfindlich gegen die darin enthaltenen Wirkstoffe geworden sind. In diesen Fällen muss ein neuer Mix aus Medikamenten gefunden werden, um die Behandlung fortzusetzen. Da die Kombinationsmöglichkeiten begrenzt sind, ist die patientenspezifische Optimierung der Therapie gegen virale Resistenzen von besonderer Bedeutung. Die Suche nach einer effektiven Behandlung beruht dabei auf einem möglichst genauen Verständnis von Mutationen und komplexen Interdependenzen, die nur mit Hilfe des Computers analysiert werden können.


In Kooperation mit der Universität Köln, dem Forschungszentrum caesar und der Fachhochschule Bingen entwickelten Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken statistische Modelle, die die Bedeutung von Mutationen im Virusgenom für die Medikamentenresistenz erfassen. Das System schätzt die Resistenz des Virus gegenüber jedem der verfügbaren Medikamente und schlägt eine wirksame Therapiekombination vor. Statistische Analysen und klinische Fallbeispiele haben gezeigt, dass Patienten, deren Therapieumstellung auf der Basis dieses Resistenztests erfolgte, signifikant bessere Therapieerfolge haben als Patienten, bei denen die Umstellung allein auf der Grundlage der Therapievorgeschichte durchgeführt wurde.

Mit der effektiven Nutzung der im System vorhandenen Informationen wird die Auswahl einer neuen Medikamentenkombination mit möglichst genauen Vorhersagen über den zu erwartenden Therapieerfolg unterstützt und die Behandlung von Patienten mit Resistenzen gegen antivirale Arzneimittel erheblich verbessert.

Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Lengauer
Max-Planck-Institut für Informatik
Stuhlsatzenhausweg 85
66123 Saarbrücken
Tel.: (06 81) 93 25-3 03
Fax: (06 81) 93 25-9 99
E-Mail: lengauer@mpi-sb.mpg.de

Prof. Dr. Thomas Lengauer | Innovationseinblicke Saarland
Weitere Informationen:
http://www.mpi-sb.mpg.de
http://www.innovation.saarland.de

Weitere Berichte zu: Bioinformatik Medikament Resistenz Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder
19.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

nachricht Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab
18.01.2018 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie