Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rasterfahndung: Gesellschaft für Informatik warnt vor unkontrollierter Speicherung von Daten

11.10.2001


Die Rasterfahndung im Kampf gegen den Terror: Daten unbeteiligter Personen müssen schnellstmöglich wieder gelöscht werden. Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) warnt vor Vorverurteilung ausländischer Studierender und unkontrollierter Speicherung von Bevölkerungsprofilen


Bonn, 11. Oktober 2001 Als "gefährlich für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Deutschland" hat der Präsident der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI), Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich C. Mayr, die aufgeheizte Diskussion um die Rasterfahndung nach den Terroranschlägen in New York und Washington bezeichnet.

"Es ist selbstverständlich, dass jedes Land dieser Erde daran mitwirkt, Terroranschläge wie die vom 11. September aufzuklären und international vernetzte Terrororganisationen auszuschalten", sagte Mayr. Auch Deutschland müsse die USA tatkräftig dabei unterstützen, die Drahtzieher der Anschläge und deren Verbindungen nach Deutschland ausfindig zu machen.


Dennoch beobachte die GI mit großer Sorge, dass nunmehr ausländische Studierende insbesondere technischer Fachrichtungen unter den Generalverdacht einer möglichen Sympathie oder gar Beteiligung an terroristischen Aktionen geraten.

"Die terroristischen Anschläge dürfen nicht als Vorwand dienen, jemand wegen seines Glaubens oder seiner Herkunft pauschal zu verdächtigen. Ein solches Vorgehen wird auch für die deutsche Wirtschaft gravierende Folgen haben", so Dr. Nazir Peroz, Sprecher der GI-Fachgruppe "Informatik und Dritte Welt". Es würde nämlich dazu führen, dass noch weniger ausländische Studierende und Fachleute bereit wären, nach Deutschland zu kommen, was den Fachkräftemangel verstärken und damit die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft nachhaltig beeinträchtigen würde, so Peroz.

Der Einsatz einer groß angelegte Rasterfahndung unter anderem bei Studierenden islamischen Glaubens sowie arabischer Kultur und Sprache werde momentan als wirksames Mittel zur Verhütung terroristischer Anschläge propagiert. "Es ist sicher richtig und hilfreich, dass damit Personenkreise mit bestimmten Merkmalen herausgefiltert werden können. Aber darüber darf nicht vergessen werde, dass über grobe Raster auch unbescholtene Bürgerinnen und Bürger im Netz der Ermittlungsbehörden landen", so Mayr.

"Die Gesellschaft muss sich deshalb fragen, was mit den erhobenen Daten geschieht und wie sicher gestellt werden kann, dass diese nicht missbräuchlich genutzt werden", erläuterte Prof. Dr. Klaus Brunnstein, Datenschutzexperte aus Hamburg. "Es muss garantiert werden, dass die Rasterfahndung nicht zum Sammeln großer Datenmengen benutzt wird, die anschließend auf unbestimmte Zeit gespeichert werden. "Nach dem Ausschluss einer Beteiligung an terroristischen Aktivitäten müssen die erhobenen Daten unverzüglich gelöscht werden", forderte Mayr. Die Rasterfahndung dürfe nicht dazu dienen, detaillierte Profile ganzer Bevölkerungsgruppen zu erstellen und zu speichern. "Die tragischen Ereignisse in den USA dürfen nicht dazu benutzt werde, in Deutschland den Überwachungsstaat durch die Hintertür einzuführen", warnten Mayr, Brunnstein und Peroz.

Bei Abdruck Belegexemplar erbeten. Vielen Dank!

Für Rückfragen: Cornelia Winter, 0228-302147, winter@gi-ev.de

Cornelia Winter | idw
Weitere Informationen:
http://www.gi-ev.de

Weitere Berichte zu: Rasterfahndung Speicherung Terroranschlag

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Analog-Digital-Umwandlung mit sehr hohen Datenraten
30.09.2016 | Technische Universität Braunschweig

nachricht Human Brain Project: Pilotsysteme für interaktiven Superrechner gestartet
28.09.2016 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: First-Ever 3D Printed Excavator Project Advances Large-Scale Additive Manufacturing R&D

Heavy construction machinery is the focus of Oak Ridge National Laboratory’s latest advance in additive manufacturing research. With industry partners and university students, ORNL researchers are designing and producing the world’s first 3D printed excavator, a prototype that will leverage large-scale AM technologies and explore the feasibility of printing with metal alloys.

Increasing the size and speed of metal-based 3D printing techniques, using low-cost alloys like steel and aluminum, could create new industrial applications...

Im Focus: Zielsichere Roboter im Mikromaßstab

Dank einer halbseitigen Beschichtung mit Kohlenstoff lassen sich Mikroschwimmer durch Licht antreiben und steuern

Manche Bakterien zieht es zum Licht, andere in die Dunkelheit. Den einen ermöglicht dieses phototaktische Verhalten, die Sonnenenergie möglichst effizient für...

Im Focus: Experimentalphysik - Protonenstrahlung nach explosiver Vorarbeit

LMU-Physiker haben mit Nanopartikeln und Laserlicht Protonenstrahlung produziert. Sie könnte künftig neue Wege in der Strahlungsmedizin eröffnen und bei der Tumorbekämpfung helfen.

Stark gebündeltes Licht entwickelt eine enorme Kraft. Ein Team um Professor Jörg Schreiber vom Lehrstuhl für Experimentalphysik - Medizinische Physik der LMU...

Im Focus: Der perfekte Sonnensturm

Ein geomagnetischer Sturm hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Jahrzehnte rätselte die Forschung, wie hoch energetische Partikel, die auf die Magnetosphäre der Erde treffen, wieder verschwinden. Jetzt hat Yuri Shprits vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ und der Universität Potsdam mit einem internationalen Team eine Erklärung gefunden: Entscheidend für den Verlust an Teilchen ist, wie schnell die Partikel sind. Shprits: „Das hilft uns auch, Prozesse auf der Sonne, auf anderen Planeten und sogar in fernen Galaxien zu verstehen.“ Er fügt hinzu: „Die Studie wird uns überdies helfen, das ‚Weltraumwetter‘ besser vorherzusagen und damit wertvolle Satelliten zu schützen.“

Ein geomagnetischer Sturm am 17. Januar 2013 hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Der Sonnensturm ermöglichte einzigartige Beobachtungen, die...

Im Focus: New welding process joins dissimilar sheets better

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of light metals.
Scientists at the University of Stuttgart have now developed two new process variants that will considerably expand the areas of application for friction stir welding.
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH supports the University of Stuttgart in patenting and marketing its innovations.

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart Glasses Experience Day

30.09.2016 | Veranstaltungen

Einzug von Industrie 4.0 und Digitalisierung im Südwesten - Innovationstag der SmartFactoryKL

30.09.2016 | Veranstaltungen

"Physics of Cancer" - Forscher diskutieren über biomechanische Eigenschaften von Krebszellen

30.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Smart Glasses Experience Day

30.09.2016 | Veranstaltungsnachrichten

Materialkompetenz für den Leichtbau: Fraunhofer IMWS präsentiert neue Lösungen auf der K-Messe

30.09.2016 | Messenachrichten

Vom Rollstuhl auf das Liegerad – Mit Funktioneller Elektrostimulation zum Cybathlon

30.09.2016 | Energie und Elektrotechnik