Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ministerin weiht "edacentrum" an der Uni Hannover ein

03.09.2001


Bulmahn: "Für den Standort Deutschland müssen Forschungsministerium, Forschungsinstitute und Industrie alle Kräfte zur Automatisierung des Chip-Entwurfs bündeln"

Am heutigen Montag weihte die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, das Deutsche Zentrum für Electronic Design Automation (edacentrum) an der Universität Hannover ein. Das edacentrum ist eine gemein-same Aktion von Industrie, Hochschulforschung und dem BMBF zum Aufbau eines EDA-Netzwerkes, mit dem die Automatisierung des Chip-Entwurfs beschleunigt werden soll. Mikrochips finden sich heute in fast allen Geräten des Alltags, egal ob Handy oder Waschmaschine.

"Mikroelektronik ist heute die Schlüsseltechnologie für die Informations- und Kommunikationsgesellschaft. Mit dem hannoverschen edacentrum wird im High-tech-Land Deutschland ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Fähigkeit, hochkomplexe Chips entwerfen zu können, erreicht", unterstrich Bulmahn. "Kein industrieller Anbieter war und ist für sich alleine in der Lage, die für den Chip-entwurf erforderlichen Methoden und Werkzeuge selbst zu entwickeln. Mit der heutigen Einweihung wird dem Thema EDA in Gesellschaft, Politik und Industrie ein wichtiger Platz eingeräumt." Vom BMBF für die nächsten drei Jahre mit jeweils einer Millionen Mark ausgestattet werde das edacentrum bundesweit Forschungsprojekte für 80 Millionen Mark koordinieren.

Der Fortschritt in der Mikroelektronik mit ihren zunehmend komplexeren Schalt-kreisen werde zukünftig sehr stark durch die Entwurfsgeschwindigkeit bestimmt. Der Aufwand für das Design zukünftiger Superchips werde aber enorm. Bulmahn: "Wer Superchips entwerfen und herstellen kann, wird die Marktführerschaft in einem Bereich übernehmen, der das Fundament der zukünftigen Informations- und Kommunikationsgesellschaft darstellt."

Auch in Deutschland setze sich mehr und mehr bei der Halbleiterindustrie die Erkenntnis durch, zur Sicherstellung der Designfähigkeit größere eigene Anstrengungen unternehmen zu müssen. Mit dem edacentrum habe die deutsche Industrie - unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung - einen entscheidenden Schritt getan. Das edacentrum werde die Schwerpunkte für die Zukunft herausarbeiten, Kompetenzen bündeln sowie Forschungsprojekte anregen und koordinieren.

Für die Universität Hannover bedeutet das neue Chipdesign-Zentrum einen Kompetenz- und Imagegewinn. "Die mikroelektronische Branche schaut nach Hannover: Mit der Gründung des edacentrums wird Hannover zum EDA-Standort", erläuterte Universitätspräsident Professor Ludwig Schätzl die Bedeutung des Zentrums für die Universität und die Region. "Diese Ansiedlung an der Universität Hannover kommt nicht von ungefähr: Sie zeigt, dass das Institut für Mikro-elektronische Schaltungen und Systeme der Universität Hannover in der Vergangenheit einen wesentlichen Anteil an der EDA-Forschung in Deutschland hatte."

EDA und edacentrum

EDA, "Electronic Design Automation", zu deutsch "Entwurfsautomatisierung" ist heute die Basis für die Schlüsseltechnologie Mikroelektronik, die den Alltag in der Informations- und Kommunikationsgesellschaft bestimmt. Nur wer hier ganz vorne ist, kann im internationalen Wettbewerb mithalten.

Mikroelektronische Chips werden immer kleiner, die Prozessoren immer schneller, die Computer immer billiger. Sie werden immer komplexer, zugleich verkürzen sich die Produktlebenszyklen, das heißt, der Zeitraum für die Entwicklung eines neuen Chips wird immer kürzer. Die Komplexität der neuen Chips ist ohne massive Rechnerunterstützung nicht mehr beherrschbar.

Die Herausforderung liegt aber nicht nur in der Fertigung dieser hochkomplexen Chips, sondern ebenso im Entwurf. Das Innenleben von Halbleiterchips wird mit Hilfe von Simulationsprogrammen am Computer entworfen. So kann auch vor der eigentlichen Fertigung bereits am Computer überprüft werden, ob der Chip funktioniert. Das Problem: Die Fertigungstechnik entwickelt sich deutlich schneller als die Entwurfstechnik. Wenn jetzt nicht gegengesteuert wird, dann kann die Halbleiterindustrie in Zukunft gar nicht so komplexe Chips entwerfen, wie sie sie bauen könnte - der Entwurf könnte zum entscheidenden Engpass werden.

Für den Entwurf solcher komplexer Chips werden schon heute Teams von mehr als hundert Ingenieuren eingesetzt. Diese Gruppen zu vergrößern wäre wegen des hohen Aufwands für Koordination und Projektmanagement nicht nur weniger effizient, sondern auch zu teuer: Bei der jetzt vorhandenen Steigerung der Entwurfsproduktivität würde die Entwicklung eines Chips im Jahre 2010 etwa fünf bis sieben Milliarden Mark kosten - so viel wie die Entwicklung des Airbus A380.

Die Automatisierung des Entwurfs ist deshalb der Schlüssel zur Beherrschung der Komplexität und damit zu den Systemen der Zukunft. Doch weder Industrie noch Forschung werden allein in der Lage sein, die erforderlichen Methoden und Werk-zeuge zu entwickeln. Nur in konzertierter Aktion - wie es das edacentrum bietet - kann die Entwurfskompetenz weiterentwickelt werden.

edacentrum

Das edacentrum versteht sich als zentrale Anlaufstelle für Fragen der Entwurfs-automatisierung. Hier sind alle, d. h. Forschungseinrichtungen, Chipentwickler und Halbleiterindustrie, aufgerufen, zusammenzuarbeiten, um gemeinsame Lösungs-wege aufzuzeigen. Mit der Gründung des edacentrums wird man der zukünftigen Bedeutung der Entwurfsautomatisierung als Schlüssel zur Mikroelektronik und zu den Systemen der Zukunft gerecht. Die Lösung des Problems ist wichtiger denn je, um das enorme Wertschöpfungspotenzial der Mikroelektronik ausnutzen zu können.

Im deutschen edacentrum sind alle Kompetenzträger vertreten. Mit der Gründung des edacentrums haben EDA-Anbieter, Halbleiterindustrie und Forschung eine gemeinsame Plattform geschaffen, um Forschungsergebnisse und deren wirtschaftlichen Nutzen zu fördern und zu vermitteln. Die Liste der Aufsichts-ratsmitglieder liest sich wie das Who`s who der internationalen Mikroelektronik-Industrie: Infineon, Philips, Bosch, Nokia und Atmel. Weiterhin wirken IBM, AMD, Cadence, Melexis, die Universitäten Hannover und Tübingen sowie das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Dresden mit.

Schröder, Eva-Maria | Pressemitteilung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten
22.08.2017 | Fraunhofer IPM

nachricht Kieler Wissenschaft entwickelt exzellentes Forschungsdatenmanagement
21.08.2017 | ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie