Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

High-Tech lässt gefälschte Stempel auffliegen

28.03.2001


... mehr zu:
»Abdruck »Betrüger »SIC »Stempel
Mehrwertsteuerbetrug mit gefälschten Stempeln ist ein einträgliches Geschäft in der Wirtschaftskriminalität. Eine Prüfsoftware
aus dem Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK dreht den Betrügern nun den Geldhahn zu.

So mancher möchte glauben, dass amtliche Stempel in unserem digitalen Zeitalter ein Auslaufmodell sind. Weit gefehlt: Jeder Ausweis, jedes Zoll- oder Begleitpapier, Verträge oder Lieferscheine erhalten einen amtlichen Vermerk. Und gerade im internationalen Warenverkehr, der dank des Internets weiter zunimmt, ist eine verstärkte Kontrolle zwingend notwendig: Allein der Mehrwertsteuerbetrug liegt laut Global Refund, dem weltweit größten Rückerstatter für Mehrwertsteuer, bei einem mehr als dreistelligen Millionenbetrag. Um Betrügern diese lukrative Einnahmequelle zu schließen, erarbeitete das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK in Berlin gemeinsam mit dem Zollkriminalamt Köln für Global Refund eine Software, die zuverlässig erkennt, ob die Stempelabdrucke auf den Papieren gefälscht sind.

Mit besonderem Papier, spezieller Stempelfarbe, neuen Dienststempeln und periodisch wechselnden Kontrollzahlen wollen sich die Zollbehörden und Global Refund vor Betrug schützen. Einen amtlichen Zollstempel zu fälschen, ist nicht einfach, doch die technischen Möglichkeiten werden immer besser. Die neue Software mit Namen SIC Stampulus soll den Betrügern das Handwerk legen. Grundlage für die Stempelerkennung sind signifikante Merkmale des Abdrucks. »Dabei handelt es sich nicht um Bilder oder Bildausschnitte des Abdrucks, sondern um kodierte numerische Parameter«, mehr darf Katrin Franke vom IPK nicht verraten. Auf alle Fälle ist sichergestellt, dass verdrehte Stempelabdrücke oder solche mit geringerer Qualität analysiert werden können.

Die Prüfung des Stempelabdrucks erfolgt in mehreren Phasen. Dabei dauert der komplexe Prüfvorgang nicht länger aus fünf Sekunden und läuft auf einem handelsüblichen PC. Das Dokument – es kann ein »Global Refund Cheque« oder ein Zollpapier sein – wird eingescannt. Mit Hilfe von Verfahren der digitalen Bildverarbeitung wird der Abdruck vom Hintergrund getrennt und ausgeschnitten. Danach ermittelt das System verschiedene Grundeigenschaften, die für die spätere Prüfung notwendig sind, beispielsweise Mittelpunkt und Rotationslage des Stempelabdrucks. In einem nächsten Schritt zerlegt es den Abdruck in seine Hauptbestandteile, z.B. Adler, Datumszeile und Randinschrift. »Das Datum ändert sich ja laufend«, berichtet Katrin Franke weiter. »Deshalb analysieren wir nicht nur die Form, sondern auch die Inhalte«. In der nun folgenden Phase werden die Bestandteile des Stempels detailliert untersucht. Auf dieser Basis lässt sich ermitteln, ob Fälschungsmerkmale vorhanden sind. Anschließend wird die Qualität untersucht: Denn schlecht leserliche Abdrücke sind oft ein Anzeichen für Fälschungen. Die Teilergebnisse der einzelnen Kontrollschritte werden in der letzten Phase zu einem Ganzen zusammengefügt. Abschließend hat SIC Stampulus drei Meldungen parat: »Es konnten alle Prüfmerkmale erkannt werden, und es ergeben sich keine Abweichungen«, »Es sind Fälschungsmerkmale vorhanden« oder »Der Stempelabdruck ist wegen schlechter Bildqualität nicht prüfbar und muß daher gesondert untersucht werden«.

Die Software wird derzeit auf einem deutschen Flughafen getestet. Gobal Refund plant, sie noch in diesem Jahr an allen deutschen nationalen und internationalen Zahlstellen auf Flughäfen und Grenzen einzuführen. Auch die Hauptzollämter und Zollämter werden das Verfahren übernehmen. Im weiteren Verlauf sollen auch andere EU-Länder das Kontrollverfahren einsetzen. Stempelfälschern und Mehrwertsteuerbetrügern stehen magere Zeiten bevor.
Beate Koch

 Beate Koch |

Weitere Berichte zu: Abdruck Betrüger SIC Stempel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Cybersicherheit für die Bahn von morgen
24.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Schutz vor Angriffen dank flexibler Programmierung
22.03.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Cybersicherheit für die Bahn von morgen

24.03.2017 | Informationstechnologie

Schnell und einfach: Edge Datacenter fürs Internet of Things

24.03.2017 | CeBIT 2017

Designer-Proteine falten DNA

24.03.2017 | Biowissenschaften Chemie