Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Spam-Mails geteert und gefedert werden

13.04.2005


Seit fast einem Jahr gelangen nur noch vereinzelt unerwünschte Werbemails (Spam) in die elektronischen Postfächer der Uni Würzburg. Für die Mitarbeiter ist dies mit einer spürbaren Arbeitserleichterung verbunden. Nach sehr konservativen Schätzungen des Rechenzentrums liegt die zeitliche Entlastung für die Universität bei einem Gegenwert von 30 bis 50 Personalstellen. Für das reibungslose Funktionieren der Spam-Abwehr ist im Rechenzentrum Dr. Roland Völker zuständig.
Auf die stetige Zunahme der Belästigung durch unaufgeforderte Werbemails hat das Würzburger Rechenzentrum sehr frühzeitig reagiert und immer wieder neue Abwehrmethoden eingesetzt. Denn: Jede Aktion provoziert Gegenmaßnahmen der Spammer. In diesem permanenten Hase-und-Igel-Spiel hat die Universität zwar immer wieder die Nase vorn, aber ein beständiges "Tuning" bleibt erforderlich.



Jüngste Aktion des Rechenzentrums: Im Dezember 2004 wurde eine so genannte Teergrube in Betrieb genommen. Wie Völker erklärt, gaukelt der "Teergrubenrechner" einen schlecht gewarteten E-Mail-Backupserver vor. Ein solcher wird von Spammern gerne verwendet, weil sie glauben, hier ihren Werbemüll leichter loswerden zu können. Legitime E-Mail-Server verwenden dagegen die offiziellen Eingangsrechner.

Versucht nun ein Spammer, der als solcher erkannt wird, eine E-Mail an die Teergrube zu senden, dann wird die Verbindung so lange wie möglich offen gehalten, ohne dabei die E-Mail anzunehmen - das bindet die Ressourcen des Spammers. Während er in der Teergrube festgehalten wird, kann er keine weiteren Werbemails verschicken. "Häufig unternimmt ein Spammer nach einer erfolglosen Verbindung zur Teergrube keine weiteren Versuche an den offiziellen Eingangsservern", sagt Völker. Dadurch werden diese Rechner zusätzlich entlastet.

Außerdem liefert die Teergrube dem Rechenzentrum wertvolle Informationen über die Internet-Rechner, die von den Spammern verwendet werden. Die ungeliebten Werbungsversender werden also gewissermaßen geteert und gefedert. Das trägt dazu bei, die Effizienz der Spam-Abwehr zu steigern.

Ursprünglich war die Teergrube als kleine "Bosheit" geplant, um die Spammer zu ärgern. Doch heute leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssteigerung des E-Mail-Dienstes: Durch ihren Einsatz wurde der Spam-Anteil weiter gesenkt; er beträgt inzwischen nur noch 10 bis 20 Prozent des Gesamt-E-Mail-Aufkommens - vor dem Beginn der Abwehr bestanden dagegen bis zu 90 Prozent der elektronischen Post aus Spam.

Die Anti-Spam-Maßnahmen des Rechenzentrums begannen Anfang 2003. Damals wurde ein zentraler Spam-Checker in Betrieb genommen, der alle eingehenden E-Mails auf ihre "Spammigkeit" hin überprüft. Die verdächtige Post bekommt Markierungen hinzugefügt, die dem Empfänger ein selbstständiges, automatisches Ausfiltern der Spam-Mails einfach machen. Jedoch zeigt die Erfahrung, dass von dieser Möglichkeit nur relativ selten Gebrauch gemacht wird.

Im weiteren Verlauf des Jahres 2003 kam es zu einem explosionsartigen Anstieg des Spam-Aufkommens. Unter der gewaltigen Arbeitslast der Spam-Bewertung und des Virenchecks drohte das zentrale E-Mail-System zusammenzubrechen. Ende 2003 waren Serverausfälle und Verzögerungen bei der Mailauslieferung fast an der Tagesordnung. Diese Situation machte weitere Maßnahmen nötig. Zunächst wurden Anfang 2004 die E-Mail-Eingangsserver so umkonfiguriert, dass sie nur noch E-Mails an gültige Empfängeradressen innerhalb der Universität entgegennehmen. Da einige Fachbereiche trotz Zentralisierung immer noch eigene E-Mail-Server betreiben, war ihre Mithilfe hierbei erforderlich.

Eine weitere Entlastung der E-Mail-Server und der E-Mail-Empfänger brachte die Einführung des so genannten Greylistings im Mai 2004. Dabei wird jeder erste Verbindungsversuch zu den E-Mail-Servern der Universität mit einem vorgegaukelten temporärer Fehler abgebrochen. In einem solchen Fall unternimmt jeder regelkonform arbeitende E-Mail-Server nach einer kurzen Wartezeit einen weiteren Zustellungsversuch. Dieser wird als Folgeversuch erkannt, die E-Mail wird entgegengenommen. Anders sieht das bei den Spammern aus, die erst gar keinen zweiten Anlauf nehmen. Da sie innerhalb kurzer Zeit mehrere Millionen E-Mails verschicken müssen, bei denen die Gültigkeit der Empfängeradresse häufig nicht bekannt ist, sind mehrere Zustellungsversuche für sie zu aufwändig.

Völker: "Ein grundsätzlicher Nachteil des Verfahrens ist, dass es bei der Auslieferung legitimer E-Mails zu Verzögerungen kommen kann." Um die Beeinträchtigung für den Benutzer möglichst gering zu halten, wird das Greylisting darum nicht auf bestehende, regelmäßige E-Mail-Kontakte angewendet. Das gleiche gilt für E-Mails, die von Servern kommen, welche als vertrauenswürdig eingestuft werden. Durch die Einführung des Greylistings wurde der Mailverkehr an der Universität im Vergleich zu Spitzenzeiten um mehr als 85 Prozent reduziert.

Der Erfolg der Anti-Spam-Maßnahmen hat über Würzburg hinaus großes Interesse erregt. So berichtete der Bayerische Rundfunk in verschiedenen Radiobeiträgen und in der Nachrichtensendung "Rundschau" über das Greylisting. In der Zeitschrift "iX" erschien ein dreiseitiger Artikel. Inzwischen profitieren auch andere von der guten Spam-Abwehr: Die Fachhochschulen Würzburg-Schweinfurt und Aschaffenburg sowie die Uni Bamberg beziehen ihre E-Mails inzwischen über das Würzburger Rechenzentrum.

Weitere Informationen:

Dr. Roland Völker
T (0931) 888-5068
E-Mail: voelker@rz.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: E-Mail-Server Greylisting Rechenzentrum Spammer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Living: VDE-Institut entwickelt Cloud-basierte interoperable Testplattform
15.02.2017 | VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

nachricht Saarbrücker Informatiker machen „Augmented Reality“ fotorealistisch
15.02.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie