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E-Commerce: Die Jobmaschine hat Sand im Getriebe

25.07.2001


In der IuK-Branche ändern sich die Zeiten noch schneller als anderswo: Noch vor einem Jahr wurde die eher verhaltene Prognose der TA-Akademie zu den Beschäftigungseffekten durch E-Commerce als Schwarzmalerei kritisiert. Man erwartete damals einen ungeheuren Arbeitsplätzeboom von den virtuellen Märkten. Heute, so das Ergebnis eines Expertenworkshops zum Thema ,,E-Commerce und Beschäftigung’’, gilt das negativste Szenario, das im Auftrag der TA-Akademie erstellt wurde, als noch zu optimistisch. Damals hatte Brigitte Preissl im Szenario ,,Verzögerungsfall’’ prognostiziert, dass sich die Entwicklung von E-Commerce-Märkten nur wenig/kaum beschleunigt und ,,Verzögerungen’’ bei der umfassenden Einführung von E-Commerce auftreten. ,,Dieses Szenario tritt dann ein, wenn die Diffusion von E-Commerce in Unternehmen und privaten Haushalten nur schleppend vorangeht, wenn das Internet zwar zur Unternehmensdarstellung und Informationsgewinnung, nicht aber zur Durchführung von Transaktionen genutzt wird. Dann werden auch die durch Aufbau der notwendigen Infrastruktur ausgelösten Beschäftigungsimpulse nicht zum Tragen kommen,’’ so Preissl in einer Analyse aus dem letzten Jahr.
Die heutige Situation gibt dieser Einschätzung recht. Neueste Untersuchungen zeigen nämlich, dass unterm Strich durch den elektronischen Warenverkehr keine neuen Stellen geschaffen werden. Diejenigen Jobs, die neu entstanden sind, wurden an anderer Stelle eingespart. So wurden im Business-to-Business-Bereich zwar Stellen für Produktentwickler geschaffen, dafür entfallen jedoch Vertreterstellen. Der Effekt der Rationalisierung durch Ausschaltung von immer mehr Zwischenhändlern bei sich stetig erweiterndem E-Commerce führt also in der Regel zum Ab- oder Umbau von Arbeitsplätzen, keineswegs aber zu einer Zunahme. Weniger qualifizierte Mitarbeiter werden durch höher qualifizierte ersetzt. ,,Das Anforderungsprofil in der so genannten New Economy wird immer höher. Es wird die Herausforderung der nächsten Jahre sein, auch Stellen für weniger Qualifizierte, etwa im Service-Bereich, zu schaffen’’, so Gerhard Fuchs, Experte der TA-Akademie im Bereich E-Commerce.
Nach einer Umfrage aus dem letzten Jahr haben 65 Prozent der Bundesbürger keinen Bedarf an elektronischen Diensten. Der Einkaufsbummel in der Stadt macht nämlich viel mehr Spaß als im Netz, und die vielgepriesenen Möglichkeiten des bundes- oder gar weltweiten Preisvergleichs für eine Ware ist in der Regel aufwändig und kompliziert. Dazu kommt: Je größer die Sicherheit im virtuellen Warenverkehr, desto weniger komfortabel ist das Prozedere des Einkaufens, auch das ist eine Hürde auf dem virtuellen Parcours.
,,Immerhin 42 Prozent der Internetnutzer haben in den letzten 12 Monaten elektronisch Waren eingekauft’’, das hat Prof. Michael Schenk von der Universität Hohenheim jüngst ermittelt. Peter Zoche vom Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung in Karlsruhe glaubt, dass ,,neue Dienste und Zugangstechnologien (etwa über Handys) die Zahlen in absehbarer Zeit noch steigern könnten.’’
Als eine Voraussetzung für die weitere Verbreitung von E-Commerce nennt Ralf Mytzek vom ,,Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung’’ die Standardisierung und damit die einfachere Handhabung von Zahlungssystemen im Internet. Das würde zu einer deutlich höheren Akzeptanz führen, weil die Sicherheit von den Kunden als grundlegende Bedingung für die Teilnahme am virtuellen Warenverkehr gesehen wird.
Um doch noch positive Beschäftigungseffekte zu erzielen, sollte der Staat, so die Expertenmeinung, eine aktivere Rolle übernehmen. Er müsste Pilotprojekte fördern und deutliche Anreize geben, auf E-Commerce umzustellen. So sollten, wie in Amerika in vielen Bereichen bereits üblich, ,,Ausschreibungen und Auftragsvergabe in Zukunft ausschließlich auf elektronischem Wege erfolgen’’, empfahl Prof. Arnold Picot von der Universität München.
,,Unter den genannten Voraussetzungen stehen die Chancen gar nicht schlecht, die Jobmaschine E-Commerce doch noch zum Laufen zu bringen’’, so das Fazit von TA-Akademie-Wissenschaftler Dr. Gerhard Fuchs.
Ansprechpartner: Dr. Gerhard Fuchs Tel. 0711/9063-199
E-Mail: gerhard.fuchs@ta-akademie.de

Folgende Publikationen zum Thema sind per Fax unter 0711/9063-286 bestellbar:

Brigitte Preissl (et al.) Arbeitsmarkteffekte und Electronic Commerce. Arbeitsbericht Nr. 170 der TA-Akademie

Gerhard Fuchs, Barbara Teutsch (Hrsg.): Regulationsdefizite bei Electronic Commerce? Workshopdokumentation Juni 2001

Dr. Birgit Spaeth | idw
Weitere Informationen:
http://www.ta-akademie.de

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