Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäischer Streit um Softwarepatente: Gesellschaft für Informatik bejaht Technizität von Software

25.07.2001


Bereits seit einiger Zeit tobt in Europa ein erbitterter Streit um die Patentierung von Software. Die Gesellschaft für Informatik hat nun eine offizielle Stellungnahme zum Sondierungspapier der EU-Kommission vorgelegt.

Als "umfassend und tiefgehend" hat der Präsident der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI), Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich C. Mayr, die in Europa laufende Diskussion zur Patentierbarkeit von Software bezeichnet.

Die durch das Sondierungspapier der EU-Kommission entstandene Denkpause gehe jetzt aber zu Ende und eine sachgerechte Lösung für den europäischen Rechtsraum sei nun dringend geboten. "Die von der GI vorgelegte offizielle Stellungnahme zeichnet eine solche Lösung vor. Nun liegt es an der Kommission, die Argumente zu prüfen und abzuwägen." sagte Mayr anlässlich der Beschlussfassung über die Stellungnahme im GI-Präsidium. "Insbesondere vor dem Hintergrund von Fehlentwicklungen im amerikanischen Rechtsraum und der Erteilung einer Vielzahl zweifelhafter Patente in Europa sind klare und wirksame Regelungen zur Patentfähigkeit von Software - und damit letztlich von Technik überhaupt - unabdingbar", erläuterte Mayr die Notwendigkeit einer dezidierten Stellungnahme von Seiten der Informatik.

Das Problem eines angemessenen Schutzes von Software liege in deren Doppelcharakter begründet, heißt es in der Stellungnahme. Einerseits sei ein Softwareprodukt ein Sprachwerk, andererseits aufgrund der hierdurch definierten "abstrakten Maschine" ein technischer Gegenstand. Diesem den Patentschutz zu versagen bedeute, die Patentfähigkeit von Technik überhaupt in Frage zu stellen.

"Das kann niemand wirklich wollen", betonte Mayr. Die GI fordere daher schon seit Jahren, Leistungen auf dem Gebiet der Informatik nach vergleichbaren Spielregeln wie Leistungen in anderen ingenieurmäßig betriebenen Disziplinen zu behandeln. "Dies gilt auch für den Bereich der Softwaretechnik, die sich in den letzten 25 Jahren aus einer eher handwerklichen `Programmierkunst´ zu einer Ingenieurdisziplin entwickelt hat", machte Mayr deutlich.

Natürlich müssten für Softwarepatente die gleichen Kriterien gelten wie für Patente auf andere technische Gegenstände und sie müssten ebenso sorgfältig geprüft werden: Neuheit, Erfindungshöhe, gewerbliche Anwendbarkeit und Offenbarung der Erfindung seien auch hier unverzichtbare Voraussetzungen. Allerdings scheine eine branchenspezifische Verkürzung der Patentdauer auf etwa 5 Jahre der Dynamik der Softwarebranche angemessen. Außerdem müsse der oft geäußerten Befürchtung, insbesondere kleine Unternehmen könnten unwissentlich Schutzrechte verletzen und dafür in Anspruch genommen werden, durch geeignete, öffentlich zugängliche Informationssysteme Rechnung getragen werden.

Bei einem Versagen des Patentschutzes für Software sei zu befürchten, dass die Investoren in Software wieder vermehrt auf Geheimhaltung statt auf Offenheit setzen, sagte Mayr: "Dies ist jedoch insbesondere in Bereichen wie Kryptografie , E-Government etc. unerwünscht". Deshalb plädiere die GI dafür, den technischen Charakter von Software anzuerkennen und ihr den gleichen Schutz wie anderen technischen Erfindungen zu gewähren, so der Präsident.

Cornelia Winter | idw
Weitere Informationen:
http://www.gi-ev.de/

Weitere Berichte zu: Erfindung Patentschutz Rechtsraum Softwarepatent

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Layouterfassung im Flug: Drohne unterstützt bei der Fabrikplanung
19.05.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht Intelligente Industrialisierung von Rechenzentren
15.05.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

WHZ erhält hochmodernen Prüfkomplex für Schraubenverbindungen

23.05.2017 | Maschinenbau

«Schwangere» Stubenfliegenmännchen zeigen Evolution der Geschlechtsbestimmung

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Tumult im trägen Elektronen-Dasein

23.05.2017 | Physik Astronomie