Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Software zum echten Anonymisieren der Internet-Nutzer

01.03.2001


... mehr zu:
»JAP
CeBIT in Hannover (22. bis 28. März 2001)
Keine Chance den www-Daten-Piraten!

Wer mit Bargeld in einem Laden einkauft, tut dies anonym und die eigenen Vorlieben und Verhaltensweisen bleiben unbekannt. Die Nutzung des Internet jedoch ändert das.

Wer Web-Sites aufruft oder gar per Internet einkauft, muss damit rechnen, dass die Spuren, die seine Aktivitäten im World Wide Web hinterlassen, aufgenommen und missbraucht werden können. Gerade beim Internet-Shopping muss schließlich jeder wenigstens die bestellten Waren, die Postadresse für die Anlieferung und die Kreditkartendaten übermitteln - für Werbe- und Marketingfirmen, für Banken und Versicherungen ein gefundenes Fressen, aber auch für Geheimdienste! Wer besucht wie oft zu welcher Tageszeit welche Seiten, wer kauft für welche Geldsummen was? Die massenhafte Beantwortung solcher Fragen ist unglaublich viel Geld wert. Aber sie kann auch den einzelnen gefährden.

Schon jetzt gibt es deswegen Anbieter, die versprechen, dass der Internet-Surfer durch die Nutzung ihrer Software anonym bleibt.
Doch alle bisher bekannten "Anonymizer" helfen nur gegen schwache Angreifer, da sie die Daten nicht verschlüsseln. Ihr Hauptproblem ist jedoch viel schwerwiegender: Diese Anbieter bündeln alles Wissen über ihre Kunden - und wer weiß schon sicher, wie viel Geld ihnen dieses Wissen wert ist?

Ein Forscherteam an der TU Dresden um Dr. Hannes Federrath und Professor Andreas Pfitzmann entwickelt nun eine Anonymisierungssoftware, die auf ein dezentralisiertes Mehrfachverschlüsselungsverfahren von David Chaum zurückgeht. Die Daten des Online-Nutzers werden mehrstufig verschlüsselt und mit denen anderer in sogenannten Mixen wieder decodiert. Als Mixe fungieren Rechner von als vertrauenswürdig eingestuften und voneinander unabhängigen Unternehmen. Die durch die Mehrfachcodierung entstandenen Datenpakete durchlaufen diese Rechnerkaskaden, deren Reihenfolge willkürlich vom User festgelegt werden kann, und werden stufenweise rückcodiert. Damit ist es bei genügend großen Nutzerzahlen nahezu unmöglich, aus dem Datenstrom Rückschlüsse auf einen Ausgangspunkt zu ziehen.
Die mit dem Verfahren zusammenhängenden wissenschaftlichen Fragestellungen werden im Projekt "Anonymität und Unbeobachtbarkeit im Internet" im Rahmen eines DFG-Schwerpunktes bearbeitet; drei wissenschaftliche Mitarbeiter - darunter einer von der DFG bezahlt - sowie Dr. Federrath und Prof. Pfitzmann kümmern sich um die theoretischen Grundlagen.
Praktisch ist eine Software "Java Anon Proxy" (JAP) entstanden, die bereits jetzt getestet werden kann (herunterladbar unter: http://anon.inf.tu-dresden.de). Die beim Test gesammelten Erfahrungen sollen in das künftige Produkt einfließen. Für die Ausarbeitung, Implementierung, Praxisüberführung und die Entwicklung von Geschäftsmodellen stellt das Bundeswirtschaftsministerium für drei Jahre 1 Millionen Mark zur Verfügung.
Die Java-basierte Software funktioniert unter nahezu jedem Betriebssystem, sie benötigt etwa 600 Kbyte Platz. Während der Probephase geht es vor allem um die Tests auf Fehlerfreiheit, um Erkenntnisse zur Anonymität im Falle von Kurzzeitnutzern, um Informationen über die Praktikabilität der Software (die natürlich das Surfen etwas verlangsamt), aber auch um das Einarbeiten der Bedienerfahrungen der Probenutzer. Zudem soll noch ein weiteres Problem gelöst werden: Noch funktioniert nämlich JAP nicht, wenn der User sowieso schon von Haus aus gezwungen ist, spezielle Proxies zu nutzen oder eine Firewall ihm das Surfen über JAP verwehrt.
"Doch auch hier sind wir dran", sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter Stefan Köpsell. Im Durchschnitt surfen über JAP schon jetzt einige hundert Benutzer gleichzeitig. "Ziel ist es, auch einen Massenansturm von tausenden Benutzern bedienen zu können, denn je mehr Menschen JAP benutzen, umso größer ist die Anonymität des Einzelnen.", meint Federrath.

Kontakt: Dr. Hannes Federrath, Stefan Köpsell, TU Dresden, Fakultät Informatik, Institut für Systemarchitektur,
D- 01062 Dresden, Tel.: +49 351 4 63-82 47, Fax: +49 351 4 63-82 55, E-Mail:  jap@inf.tu-dresden.de, http://anon.inf.tu-dresden.de
oder vom 22. März bis 28. März 2001 auf der CeBIT in Hannover, Gemeinschaftsstand "Forschungsland Sachsen", Halle 16 / Stand B 23, Telefon (05 11) 89-5 94 12, Fax (05 11) 89-5 07 37.

 

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

 Birgit Berg | idw

Weitere Berichte zu: JAP

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht »Lernlabor Cybersicherheit« startet in Weiden i. d. Oberpfalz
12.01.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht Klick-Tagebuch: App-Projekt der HdM erlaubt neuen Ansatz in Entwicklungsforschung
11.01.2017 | Hochschule der Medien Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie