Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verständige Technik - multimodal und nutzerorientiert

01.03.2001


EMBASSI-Konsortium zeigt innovative Bediensysteme auf der Fachtagung Mensch & Computer 2001.

Der Markt für technische Geräte boomt. Im Jahr 2000 haben die Deutschen mehr Videorekorder, DVD-Player oder digitale Camcorder gekauft als je zuvor. Aber auf Einkaufslust folgt oft Bedienerfrust. »Ich möchte heute den Spätkrimi aufnehmen, aber wie bringe ich das meinem Videorekorder bei?« »Ich möchte Popmusik hören, nur wie erkläre ich das meinem Autoradio?« »Ich möchte Geld von meinem Konto abheben, doch wie bedient ein Sehbehinderter einen unbekannten Geldautomaten?« Unsere Alltagstechnik ist leistungsfähig wie nie zuvor, und doch wird es für den Anwender immer schwieriger, eine riesige Menge an Funktionen für seine individuellen Wünsche und Bedürfnisse nutzbar zu machen. Zwischen dem einfachen Schallplatten- und einem modernen DVD-Spieler liegen Welten. Die Vernetzung von Audio/Video-Elektronik schreitet unaufhaltsam voran. Das Potenzial dieses Geräteverbundes wird die dem einzelnen Benutzer zur Verfügung stehende Funktionalität noch um ein Vielfaches vergrößern.

Das Ziel des Leitprojektes »Elektronische Multimediale Bedien- und Service-Assistenz« (EMBASSI) - geleitet von der Grundig AG und dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung - ist die Entwicklung hochperformanter Softwarekomponenten als Basis für ein ganzheitliches Assistenzkonzept, das den Nutzer bei der Bedienung von Alltagstechnologie unterstützt. EMBASSI zielt dabei nicht auf eine rein punktuelle Lösung von Bedienproblemen ab. Vielmehr steht von Anfang an die Feststellung im Vordergrund, dass der Nutzer mit einem dynamisch vernetzten System von Einzelkomponenten interagieren muss. Grundlage ist dabei ein nutzerzentrierter Ansatz: Statt, dass der Nutzer fragen muss, welche Funktionen ein vernetztes System bietet, fragt die EMBASSI-Software zuerst nach den Wünschen und Zielen des Nutzers. Auf dieser Basis stellt EMBASSI Verfahren bereit, mit deren Hilfe der Benutzer seine Wünsche ausdrücken kann und die es dem System erlauben, diese Wünsche zu erfüllen. Der Nutzer braucht also nicht mehr zu sagen: »Um Viertel nach Acht den Fernseher einschalten und Kanal 7 wählen«, wenn er eigentlich meint: »Ich möchte die Nachrichten sehen.«

Das EMBASSI Projekt wird von einem Konsortium aus neunzehn Partnern getragen, von Unternehmen wie Grundig, Sony und Siemens sowie von Universitäten und Forschungseinrichtungen. Dieses interdisziplinäre Team entwickelt unter anderem neuartige Benutzungsschnittstellen. Sie reagieren auf natürliche Interaktionsformen. »Alltagstechnik, vom Fernsehgerät bis zur Raumbeleuchtung, wird von jedem Ort innerhalb und außerhalb des Haushaltes intuitiv zu bedienen sein und die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten des Nutzers einbeziehen«, betont Dr. Thorsten Herfet, von der Grundig AG, Konsortialleiter des Projektes EMBASSI.

Dr. Thomas Kirste vom Fraunhofer IGD in Rostock erklärt, wie alle Verbraucher moderne Alltagstechnik bei voller Funktionalität einfach benutzen können: »Die Bedienung technischer Systeme muss sich den menschlichen Bedürfnissen anpassen - das System muss den Wunsch des Nutzers verstehen, nicht der Nutzer die Bedienung des Systems.« Kirste ist wissenschaftlicher Koordinator des Projektes.

Repräsentative Anwendungsszenarien aus den Bereichen Haushalt, Kraftfahrzeug und Terminal-Systeme (z. B. Geld- oder Fahrscheinautomaten) zeigen auf der Fachtagung »Mensch & Computer 2001« vom 5. bis 8. März 2001 in Bad Honnef, wie EMBASSI-Komponenten in Zukunft zum Einsatz kommen:
Bereits nach dem Aufwachen blickt der Nutzer in seinen interaktiven Video-Wecker. Aus den aktuellen Fernsehnachrichten heraus öffnet sich ihm auf dem Bildschirm ein freundliches Gesicht, der persönliche Assistent. Er erinnert den Nutzer an einen dringenden Termin und fährt auf den Zuruf »Mach mal hell« die Jalousie hoch - denn EMBASSI weiß, dass es hell wird, wenn man die Jalousie öffnet. Vorausgesetzt es ist Tag: Am Abend hätte das System die Zimmerbeleuchtung angeschaltet.

Auf dem Weg zur Arbeit macht sich das System EMBASSI auch im Auto nützlich. Ein weiteres Szenario zeigt dem Besucher des Symposiums, wie EMBASSI im Bereich Kraftfahrzeug die Verkehrssicherheit verbessert: Per Blickverfolgung kann der Assistent feststellen, wann der Fahrer vom Verkehr abgelenkt ist und ihn so rechtzeitig warnen. Über Gefahren auf der Fahrbahn oder Staus in unübersichtlichen Kurven wird der Fahrer, je nach Wetter, rechtzeitig informiert. Und die Spracheingabe erlaubt es, das Autoradio zu steuern, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen - wobei der persönliche Assistent weiß, welchen Sender der Nutzer meint, wenn er sagt »ich möchte Pop-Musik hören«.

»Multimodale, anthropomorphe Interaktion - die Kombination von Gestik, Mimik und auch Sprache ist Menschen vertrauter als Digitalmenüs«, konstatiert Herfet. Er verweist darauf, dass die interaktiven Möglichkeiten des Systems auch Behinderten den Alltag erleichtern. Diese bewältigen via speziell für sie zugeschnittener mobiler Bediengeräte mit Spezialtastaturen, Braille-Ausgabe für Text und Grafik sowie Sprachsteuerung selbst komplexe Transaktionen problemlos, etwa an Bankautomaten. Die EMBASSI-eigene, selbstorganisierende Softwareinfrastruktur macht’s möglich: Vor Ort ist nur noch eine einzige Taste zu drücken.

Eine weitere Innovation stellt die individuell zugeschnittene EMBASSI-Benutzerführung dar. Der Assistent merkt sich dank spezialisierter Systemkomponenten die Eigenheiten des Nutzers. Ist dieser beispielsweise Krimi-Fan, dann durchforsten virtuelle Helfer das Internet nach den aktuellen Fernsehprogrammen, schlagen interessante Filme vor und nehmen sie, falls gewünscht, automatisch auf.

Ein einheitliches Steuerungsprinzip, das in Geräten wie Fernseher, Videorekorder, Autoradio oder Computer integriert ist, ermöglicht den problemlosen Zugriff auf verschiedene Dienste. Dazu haben die Forscher ein modulares, multimodales Assistenzsystem entwickelt, eine innovative, selbstorganisierende Softwareinfrastruktur, die einen intuitiven Zugang zu allen denkbaren Geräten ermöglicht - zu Hause, im Auto und auch im öffentlichen Bereich. Diese Softwareinfrastruktur ist die Basis für die Kommunikation mit Apparaten, sie interpretiert die Nutzerwünsche, steuert die Geräte und übermittelt Rückmeldungen - auch mobil: Per Funknetz steuert der Nutzer die Maschinen von jedem beliebigen Ort aus.

EMBASSI ist ein Leitprojekt zur Mensch-Technik-Interaktion des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). 1999 gestartet, hat es eine Laufzeit von vier Jahren. Die weitläufige Zielgruppe spiegelt sich im breiten Spektrum der EMBASSI-Konsortialpartner wider. Im interdisziplinären Projektteam arbeiten Ingenieure, Designer und Psychologen unter anderem daran, komplexe Geräte der Unterhaltungselektronik in Heim und Automobil, aber auch öffentliche Systeme künftig einfach und intuitiv bedienbar zu machen. Unverständliche Bedienungsanleitungen sollen dann endlich der Vergangenheit angehören.

Zum EMBASSI-Konsortium gehören folgende Projektpartner:
Grundig AG, DaimlerChrysler AG, Loewe Opta GmbH, Robert Bosch GmbH, Siemens AG, Sony International (Europe) GmbH, Dialog Communication Systems AG, European Media Lab, Handy Tech Elektronik GmbH, IB Dr. Seveke, Sikom GmbH, technik für menschen GmbH, FORWISS, Humboldt-Universität zu Berlin, Kunsthochschule für Medien Köln / Universität zu Köln, Forschungsinstitut Technologie Behindertenhilfe, Ev. Stiftung Volmarstein, Fraunhofer IGD und IIS, Zentrum für Graphische Datenverarbeitung e.V.

Journalisten, die an der EMBASSI-Ausstellung anlässlich der »Mensch & Computer 2001« in Bad Honnef (5. bis 8. März 2001) interessiert sind, bitten wir, sich direkt über die PR-Agentur Konziel anzumelden.

Weitere Informationen zu EMBASSI finden Sie unter: http://www.embassi.de
Weitere Informationen zur M&C 2001 finden Sie unter: http://mc2001.informatik.uni-hamburg.de/


Ansprechpartner für die Presse

PR-Agentur Konziel
Bernad Lukacin
Rundeturmstraße 12
64283 Darmstadt
Tel.: 06151 / 155 146
Fax: 06151 / 155 446
E-Mail: Bernad.Lukacin@igd.fhg.de


Konsortialleitung

Grundig AG
Dr.-Ing. Thorsten Herfet
Beuthener Straße 41
90471 Nürnberg
Tel.: 0911 / 703 7413
Fax: 0911 / 703 8806
E-Mail: thorsten.herfet@grundig.com


Wissenschaftliche Koordination

Fraunhofer-Institut
für Graphische Datenverarbeitung IGD
Institutsteil Rostock
Dr. Thomas Kirste
Joachim-Jungius-Straße 11
18059 Rostock
Tel.: 0381 / 4024 110
Fax: 0381 / 4024 199
E-Mail: thomas.kirste@rostock.igd.fhg.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

  Bernad Lukacin | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Cybersicherheit für die Bahn von morgen
24.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Schutz vor Angriffen dank flexibler Programmierung
22.03.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise