Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internet-Infosystem lässt Landwirte nicht länger allein auf weiter Flur stehen

27.06.2001


Ökonomische und ökologische Pflanzenproduktion in Deutschland soll mit ISIP verbessert werden - DBU hilft mit 5,2 Millionen Mark

Bad Kreuznach (ots) - Die Landwirte in Deutschland sollen zukünftig nicht mehr allein auf weiter Flur stehen, wenn es darum geht, ökonomisch sinnvoll, aber ökologisch verantwortlich ihre Äcker zu bestellen. Ein neues interaktives, internetbasiertes Informationsnetz soll ihnen gebündelt, qualitätsgeprüft und benutzerfreundlich helfen, die vielen wissenschaftlichen Erkenntnisse besser als bisher für die Praxis zu nutzen. Die "Zauberformel" heißt ISIP: Informationssystem Integrierte Pflanzenproduktion. Die in diesem Verein zusammen geschlossenen Landwirtschaftskammern in Deutschland sowie die rheinland-pfälzische Landesanstalt für Pflanzenbau und Pflanzenschutz wollen zu einer verbesserten, spezifischen und schnelleren Entscheidungshilfe für den Landwirt beitragen und damit die Umwelt zu schützen helfen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, stellt dafür 5,2 Millionen Mark zur Verfügung. Heute wurde in Bad Kreuznach die ISIP-Geschäftsstelle in Betrieb genommen.

Die Motivation der DBU, dieses Verbundprojekt von 66 Kooperationspartnern zu unterstützen, erläuterte heute vor Journalisten Dr. Werner Wahmhoff, Leiter der Abteilung Umweltforschung und Naturschutz. Unbestritten sei der Informationsfluss zu den Landwirten noch nie so gut wie heute. Es werde eine unübersehbare Fülle von Detailinformationen in verschiedenen Formen angeboten. Gleichwohl bleibe aber dem einzelnen Landwirt weitgehend überlassen, aus dieser großen Flut die für seinen Betrieb passenden Teilinformationen herauszufiltern. Hier Abhilfe zu schaffen und die Informationen in komplexer Form qualitätsgeprüft zu bündeln und gleichzeitig benutzerfreundlich zugänglich zu machen, sei "eine drängende Herausforderung".

Zwar habe die Forschung in den letzten Jahren umfangreich erarbeitet, wie Pflanzen umweltgerecht produziert werden könnten. Unabhängig davon, dass diesbezüglich weiterer Forschungsbedarf bestehe, gelinge es bisher aber nur unzureichend, die wissenschaftlichen Erkenntnisse schnell in praktisches Handeln bei den Landwirten umzusetzen, so Wahmhoff weiter.

Maßgeblich liege das daran, dass der Informationsfluss von den Forschungseinrichtungen zum einzelnen Landwirt nicht optimal sei. Es fehle aber auch eine Bündelung der vielfältigen Detailinformationen. So bleibe es weitgehend dem einzelnen Landwirt überlassen, daraus ein für seinen Betrieb optimales Produktionsverfahren zu gestalten. Wahmhoff: "Gelänge es, diese Defizite zu beseitigen, d. h. die Informationen in komplexer Form zu bündeln und gleichzeitig benutzerfreundlich zugänglich zu machen, wären die Landwirte sehr viel besser in der Lage, die mit der pflanzlichen Produktion verbundenen unerwünschten Umweltwirkungen ohne Beeinträchtigung ihrer ökonomischen Ziele deutlich zu verringern."

Alle bisherigen Angebote hätten eines gemeinsam: Der Informationsfluss sei einseitig, Informationen könnten nur abgerufen werden. Eine echte Interaktivität, bei der der Nutzer etwa seine schlagspezifischen Daten eingebe und eine darauf abgestimmte Antwort bekomme, existierten nicht. Genau diese Chance des wechselseitigen Informationsaustausches biete aber das Internet. Interaktive Informationsnetze könnten Entscheidungsmodelle einbinden, bisher nicht umgesetzte Verknüpfung mit aktuellen regionalspezifischen Empfehlungen und betriebsflächenspezifischen Daten herstellen und so verbesserte Entscheidungsinformationen für den landwirtschaftlichen Betrieb liefern. Wahmhoff: "Die intensive Nutzung moderner Informationstechnologien wird kurzfristig zu einem bedeutenden Wettbewerbskriterium auch für landwirtschaftliche Betriebe werden."

Ein solches Informationsnetz biete neben einer Verringerung von Umweltbelastungen zahlreiche Vorteile, erläuterten der Direktor der Landwirtschaftskammer Hannover und Vorstandsvorsitzende von ISIP, Bernd-Udo Hahn, und Dr. Benno Kleinhenz von der Zentralstelle der Pflanzenschutzdienste für computergestützte Entscheidungshilfen im Pflanzenschutz (ZEPP). Es helfe, Ertragsreserven auszuschöpfen, indem Produktionsverfahren verbessert würden. Gleichzeitig würden Kosten gespart, weil unnötige Aufwendungen bei Dünger oder Pflanzenschutzmitteln und Mehrfachentwicklungen in der Informationstechnologie bei verschiedenen regionalen Beratungsträgern vermieden würden.

Als ein Element in ISIP integriert werden sollen, so Dr. Wahmhoff weiter, Entscheidungshilfen für die Bekämpfung von Blattkrankheiten bei der Zuckerrübe, die vom Institut für Zuckerrübenforschung (Göttingen) gemeinsam mit verschiedenen Rübenanbauerverbänden und den Pflanzenschutzdiensten der Länder entwickelt werden sollen. Ziel sei die Weiterentwicklung von Strategien zur Bekämpfung pilzlicher Blattkrankheiten und ihre schnelle Einführung in die landwirtschaftliche Praxis.

Als einen weiteren ISIP-Baustein entwickele die ZEPP in Mainz (Rheinland-Pfalz) mit Partnern aus verschiedenen Bundesländern eine Entscheidungshilfe zur Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel, die die Feldfrucht mit dem höchsten Pflanzenschutzmittelaufwand pro Fläche sei. Ziel sei es, durch Weiterentwicklung computergestützter Entscheidungshilfen den Einsatz von Pilzbekämpfungsmitteln im Kartoffelanbau zu verringern, Prognosen des Erstbefalls auszubauen und neu entwickelte Modelle zur Prognose des Befallsverlaufes bundesweit zu überprüfen und zu etablieren. Durch diesen "Warndienst" solle der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf den drei Milliarden Quadratmetern Kartoffelanbaufläche in Deutschland - das entspricht etwa der Größe von 400.000 Fußballfeldern - um zehn bis 35 Prozent verringert werden.

Hinweis an die Redaktionen: Eine Übersicht über alle von der DBU geförderten ISIP-Teilvorhaben, eine grafische Darstellung des Informationssystems, einen ausführlicheren Text (Fachmedien) zu ISIP und Angaben zum neuen ISIP-EDV-Koordinator Dr. Manfred Röhrig sowie dem neuen kaufmännische ISIP-Koordinator Reinhard Sander erhalten Sie auf Nachfrage.

Franz-Georg Elpers | ots

Weitere Berichte zu: Entscheidungshilfe ISIP Informationsfluss Informationsnetz Landwirt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Layouterfassung im Flug: Drohne unterstützt bei der Fabrikplanung
19.05.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht Intelligente Industrialisierung von Rechenzentren
15.05.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften