Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grünes Licht für Galileo - Europas Satellitennavigationssystem

09.04.2001


8 Galileo Satelliten integriert auf der Ariane 5 Oberstufe. Galileo ist die europäische Antwort auf das amerikanische GPS Satellitensystem


In Zukunft, mit Galileo und GPS, wird Navigation selbst in engen Häuserschluchten möglich sein.

 

  • 100 Millionen Euro als Startschuss durch die EU

  • Schlüssel zu einem riesigen Wachstumsmarkt

  • Raumfahrtunternehmen Astrium will dafür Satelliten bauen 

Nach langem Tauziehen der Verkehrsminister der Mitgliedstaaten der Europäischen Union sind gestern die Würfel gefallen: Das europäische Satellitennavigationssystem ’Galileo’ wird gebaut. Damit werden die Europäer ab dem Jahr 2008 über ein hochmodernes und voll funktionsfähiges eigenes orbitales Navigationssystem aus 30 Satelliten verfügen, das als zuverlässige Infrastruktur zivilen und privatwirtschaftlichen Zwecken dient.

Dr. Klaus Enßlin, Vorstandsmitglied bei Europas Raumfahrtkonzern Astrium,begrüßte diese Entscheidung: "Als eine Investition in die europäische Infrastruktur wird Galileo neue Lösungen für die Verkehrslenkung und den Umweltschutz ermöglichen und damit einen riesigen neuen Markt beflügeln, der mehr als 100.000 Arbeitsplätze schaffen wird."

Die Entscheidung der Europäischen Union für das 3,2 Milliarden- Euro-Projekt Galileo ist auch eine Entscheidung für die zunehmende wirtschaftliche Unabhängigkeit Europas.

Navigation und Bestimmung von Standorten mit Hilfe von Satelliten gilt als der große Wachstumsmarkt der kommenden Jahrzehnte. Zuverlässige Navigation wird nicht nur den Verkehr zu Luft, Wasser und auf der Straße besser und sicherer machen, sondern auch der Schonung der Umwelt neue Impulse geben und außerdem eine Fülle innovativer Dienstleistungen mit sichbringen. 

Volkswirtschaftlicher Nutzen allein für Europa beläuft sich auf rund 74 Mrd. Euro bis 2020

"Die Perspektiven für den neuen Wachstumsmarkt sind enorm", erklärt Dr. Klaus Enßlin. Allein in Europa sollen nach einer Studie der Europäischen Union bis zum Jahr 2005 rund 100 Millionen Geräte mit Satellitennavigation ausgestattet sein, zehn Jahre später - 2015 - bereits 260 Millionen. Den gesamtwirtschaftlichen Vorteil allein für die Staaten der EU beziffert die Studie bis zum Jahr 2020 auf kumulativ rund 74 Milliarden Euro. Größten Anteil bei den Geräten werden Massen- und Konsumprodukte wie Mobiltelefone, Kleincomputer wie Personal Digital Assistants (PDA) oder Systeme zur Fahrzeug-Navigation haben, aber auch Systeme für die übergeordnete Verkehrslenkung. Die Nutzung teurer Infrastrukturen wie das Straßen-, Schienen- oder Flugstraßennetz wird hierdurch besser ausgelastet.

Bedingt durch die Situation, dass es derzeit nur ein funktionierendes globales Navigationssystem gibt, sind heute Anwendungen weitgehend ausgeschlossen, die aus Gründen der Personen- und Betriebssicherheit weitere Navigationssysteme als Redundanz zwingend erfordern. Eine solche Anwendung ist beispielsweise die Überwachung und Steuerung von Eisenbahnen und Zügen mit Hilfe von Satellitennavigation.

"Zivile Nutzer haben heute keine Garantie für Qualität oder Zuverlässigkeit des Systems", erläutert Evert Dudok, Direktor für den Bereich Navigation bei Astrium, die Abhängigkeit gegenwärtiger ziviler und privatwirtschaftlicher Nutzer und Diensteanbieter.

Dass Europa als riesige Wirtschaftszone eine zuverlässige Navigation aus dem Weltraum braucht, ist unbestritten. Zu groß sind die Chancen und Möglichkeiten, die sich hierdurch für jeden Einzelnen, die Gesellschaft und die Wirtschaft ergeben. Navigation als Positionsbestimmung, Standortinformation und Richtungsempfehlung werden von den Verkehrsministern der EU daher als Garanten gesehen für Mobilität, Innovation und Umweltqualität. Allein der durch Verkehrsstaus auf deutschen Straßen entstehende volkswirtschaftliche Verlust summiert sich für die Bundesrepublik auf jährlich rund 95 Milliarden Euro. 

Höhere Mobilität und Umweltqualität durch Satellitennavigation

Das enorme Innovationspotenzial, das ein ’Global Navigation Satellite System’ (GNSS) ermöglicht, ist heute nur erst in seinen Umrissen überschaubar. Neben Anwendungen für Verkehrsflussregelung in Ballungsräumen und auf Autobahnen, dynamischer Routenführung und Stauumfahrung sind es Notruf- und Sicherheitsdienste, Frachtmanagement, Zugbeobachtung und Streckenüberwachung für Eisenbahnen oder auch die Koordination und Beobachtung von Schiffsbewegungen im Küstenbereich und auf See. Profitieren werden davon der Flugverkehr ebenso wie Landwirtschaft und Fischerei.

Wenn Galileo planmäßig im Jahr 2008 seinen vollen Betrieb aufnimmt, werden 30 hochmoderne Navigationssatelliten in 23.300 Kilometer Höhe um die Erde kreisen. Von den Gesamtkosten des Systems in Höhe von 3,2 Milliarden Euro werden rund 1,1 Milliarden Euro auf die Entwicklung des Systems entfallen. Mit dem jetzigen Startschuss für das Projekt verbunden sind auch die ersten 100 Millionen Euro Finanzierungsmittel der EU für dieses Jahr. Die späteren Betriebskosten von Galileo sollen sich auf rund 220 Millionen Euro pro Jahr belaufen. 

"Dies ist eine ausgezeichnete Nachricht für die europäische Industrie," freut sich ArmandCarlier, Vorsitzender und Hauptgeschäftsführer von Astrium, "besonders aber für die Raumfahrt. Galileo ist ein wichtiges Programm, das auch für den europäischen Arbeitsmarkt großen Nutzen bietet. Astrium, ein Hauptpartner von Galileo Industries, letztes Jahr in Brüssel ins Leben gerufen, unterstützt die Initiative der Europäischen Kommission und wird auch weiterhin die Entwicklung der unterschiedlichen Phasen des Projektes unterstützen."

Europas führende Raumfahrtfirma Astrium ist ein Gemeinschaftsunternehmen, das zu 75 Prozent der EADS und zu 25 Prozent BAE Systems gehört. Es hat 7500 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von zwei Milliarden Euro, der auf den Gebieten Wissenschaft und Erdbeobachtung, Telekommunikation, Navigation, Bodenstationen, Militärische Programme, Trägerraketen und Raumfahrt-Infrastruktur erzielt wurde.

IIhre Ansprechpartner:
Astrium GmbH
Kommunikation & Navigation
Thomas Steffes
Telefon: 089/607-22759
Telefax: 089/607- 26233

E-Mail: thomas.steffes@astrium-space.com
Internet: www.astrium-space.com

Astrium GmbH
Satelliten
Mathias Pikelj
Telefon: 07545/8-9123
Telefax: 07545/8-5589
E-Mail: presse-eo@astrium-space.com
Internet: www.astrium-space.com

 ots |

Weitere Berichte zu: Astrium Galileo Mobilität Navigation Navigationssystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Verbesserung des mobilen Internetzugangs der Zukunft
21.07.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

nachricht Affen aus dem Weltraum zählen? Neue Methoden helfen die Artenvielfalt zu erfassen
21.07.2017 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten