Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unbemerkt durchs Internet surfen

12.04.2001


... mehr zu:
»Java »Proxy
FU-Informatiker entwickelt eine "virtuelle Tarnkappe"

Wer im Internet surft, hinterlässt Spuren. Anhand der

Internet-Protokoll-Nummer (IP-Nummer), die jeden in Verbindung zum Internet stehenden Computer eindeutig identifiziert, lässt sich nachvollziehen, welcher Internet-Benutzer wann welche Seiten aufgerufen hat. Bisher jedenfalls: Denn ein Forscherteam um den FU-Gastprofessor Dr. Hannes Federrath hat ein Programm entwickelt, das jedem Surfer ermöglicht, seine Datenspuren im Internet zu verwischen.

Wählt man sich über Java Anon Proxy (JAP), so der Name der Software, ins Internet ein, wird jede Anfrage mehrfach verschlüsselt an den Webserver geschickt. Die Verschlüsselung erfolgt durch mehrere hintereinander geschaltete "Anonymisier-Stationen". Diese sammeln zunächst Nachrichtenpakete von mehreren Nutzern, bevor sie sie umkodiert und umsortiert weiterleiten. Da der Anonymitätsdienst von vielen Kunden gleichzeitig genutzt wird, werden die Internetverbindungen jedes Einzelnen in der Masse versteckt: So kann nicht einmal der Betreiber des Anonymitätsdienstes sagen, welcher Nutzer welche Internetseite aufgerufen hat.

Welchen Nutzen das Ganze hat? Zunächst einmal schützt es vor unliebsamer Werbung. Immer mehr Firmen lassen von professionellen Datensammlern Persönlichkeitsprofile von Internet-Usern erstellen, mit deren Hilfe sie dann gezielt werben können. Ein Beispiel: Wenn jemand online eine Eintrittskarte für die CeBIT ordert, eine Pizza Calzone anfordert und ein als Geschenk verpacktes Buch bestellt, so könnte es sich um einen stressgeplagten IT-Fachmann handeln, der auch an einem Last-Minute-Flug auf die Bahamas interessiert ist.

Dr. Hannes Federrath geht jedoch noch weiter: Er hält es für denkbar, dass in Zukunft Lebensversicherungen vor einem Vertragsabschluss Erkundigungen über ihre Kunden einholen: "Stellen Sie sich vor, Sie haben zuvor zufällig im Internet Informationen über eine schwere Krankheit gesucht, an der ein Freund von Ihnen leidet. Vielleicht wird Ihnen dann nur noch ein ungünstiger Tarif angeboten." Solch einen Datenmissbrauch zu verhindern, ist das Ziel von Java Anon Proxy, das im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekts "Anonymität im Internet" entstanden ist und zusammen mit dem Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein durchgeführt wird.

Dass der von JAP benutzte Verschlüsselungscode von Computer-Spezialisten "geknackt" werden könnte, hält Dr. Federrath für unwahrscheinlich: "Der von uns verwendete AES-Algorithmus ist nach menschlichem Ermessen derzeit nicht zu dechiffrieren", so der Internet-Experte. Da bereite ihm schon eher Sorgen, dass die "Tarnkappe für das Internet" missbraucht werden könnte. So sei, um nur ein harmloses Beispiel zu nennen, durchaus vorstellbar, dass Internet-Surfer unerkannt Chatrooms beträten und die dort Anwesenden beleidigten. Für etwaige kriminelle Handlungen fühlt sich Dr. Federrath jedoch nicht verantwortlich: "Uns ist klar, dass der Schutz der Identität auch missbraucht werden kann. Über unseren Dienst werden Daten transportiert, für deren Inhalt wir nicht verantwortlich sind", so der Informatiker. Wenn die Post eine Briefbombe befördere, mache sie sich ja auch nicht schuldig. Trotzdem halte er eine öffentliche Diskussion darüber, wie viel Anonymität im Internet sinnvoll ist, und mit welchen Mitteln bei der Strafverfolgung vorgegangen werden kann, für wichtig.

Mit dem Thema Datenschutz beschäftigt sich Dr. Federrath bereits seit einigen Jahren. So promovierte er 1998 an der Technischen Universität Dresden über die Sicherheit mobiler Kommunikation. "Die Privatsphäre eines Menschen ist ungeheuer wichtig", meint der Informatiker. "Jeder sollte die Kontrolle darüber behalten können, wer was von ihm weiß." Nach einem einjährigen Forschungsaufenthalt am International Computer Science Institute Berkeley, Kalifornien, kam der Internet-Fachmann im WS 2000/2001 als Gastprofessor an die Freie Universität Berlin.

Zurzeit ist eine Testversion von Java Anon Proxy als kostenloses Download-Programm im Internet unter http://www.anon.inf.tu-dresden.de erhältlich. Seit ihrer Einrichtung im Dezember letzten Jahres ist die Seite von rund 160.000 Internet-Surfern besucht worden, ca. 2.000 Personen nutzen das Programm nach Schätzungen regelmäßig. Erste Gespräche über eine Vermarktung der Software haben bereits stattgefunden.

Thorsten Lichtblau

Nähere Informationen gibt Ihnen gern:
Dr. Hannes Federrath, Institut für Informatik der Freien Universität Berlin, Takustr. 9, 14195 Berlin, Tel.: 030 / 838-75169, Fax: 030/838-75109, E-mail: feder@inf.fu-berlin.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

 Ilka Seer | idw

Weitere Berichte zu: Java Proxy

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft
27.04.2017 | Kompetenzzentrum - Das virtuelle Fahrzeug Forschungsgesellschaft mbH

nachricht Ergonomie am Arbeitsplatz: Kamera erkennt ungesunde Bewegungen
24.04.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie