Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Meilenstein auf dem Weg zur Langzeit-Archivierung: ein neues verteiltes Bandroboter-System

28.01.2003


Sicherung (Backup) und (Langzeit-)Archivierung sind unerlässliche Bestandteile eines effektiven und zuverlässigen Datenmanagements in der heutigen Zeit der Informationsgesellschaft. Sowohl im wirtschaftlichen Bereich als auch insbesondere im Bereich der Wissenschaft gewinnt dieses Thema zunehmend an Bedeutung, was u. a. auch in den strengen gesetzlichen Vorschriften sowie den von wissenschaftlichen Institutionen selbst erlassenen Richtlinien zur Datenaufbewahrung zum Ausdruck kommt.


Das neue Bandroboter-System der GWDG, aufgestellt im Medizinischen Rechenzentrum


Blick in das neue Bandroboter-System



Die GWDG unterstützt schon seit vielen Jahren die von ihr betreuten Institute der Max-Planck-Gesellschaft und der Universität Göttingen sowie weitere wissenschaftliche Einrichtungen mit einem umfangreichen Leistungsangebot zum Backup und zur Archivierung. Der Archiv-Server der GWDG dient der längerfristigen Speicherung umfangreicher Datenbestände, auf die relativ selten und i. d. R. nur noch lesend zugegriffen wird. Aus Sicherheitsgründen liegen die Dateien in zweifacher Ausfertigung auf Magnetbandkassetten einer angeschlossenen automatischen Bandbibliothek vor, deren Datenvolumen z. Z. ca. 30 TeraByte (d. h. ca. 30.000 GigaByte) beträgt. Der zentrale Backup-Service dient der regelmäßigen (täglichen) automatischen Sicherung aller Nutzerdatenbestände und wichtiger Systemverzeichnisse nicht nur des Workstation-Clusters der GWDG, sondern vorwiegend "externer", d. h. in den Benutzerinstituten vor Ort betriebener Rechner und wird momentan von über 900 externen Rechnern in Anspruch genommen - Tendenz steigend. Dieser Service greift ebenfalls auf die auch vom Archiv-Server genutzte automatische Bandbibliothek zu.



Um den gestiegenen und zukünftigen Anforderungen der Benutzerinstitute an einen verlässlichen, zentralen Archiv- und Backup-Service zu entsprechen, werden in den nächsten Tagen eine weitere automatische Bandbibliothek sowie zwei leistungsstärkere Backup-Server in Betrieb genommen, die die Speicherkapazität des bestehenden Backup- und Archivierungssystems mehr als verdoppeln. Die neue Bandbibliothek kann in ihrer derzeitigen Ausbaustufe ein Datenvolumen von maximal ca. 270 TeraByte aufnehmen. Damit lässt sich zusammen mit der alten, bei der GWDG befindlichen Bandbibliothek, die z. Z. eine Speicherkapazität von ca. 200 TeraByte besitzt, ein Datenvolumen von ca. 470 TeraByte für Backup und Archivierung nutzen. Dies entspricht, unter der Annahme einer mit 5 KByte beschriebenen DIN-A4-Seite, umgerechnet einem Papierstapel von ca. 9.400 km Höhe. Mit der Beschaffung weiterer Module für die beiden Bandbibliotheken lässt sich bei zukünftigem Bedarf die Kapazität ohne größere Probleme nochmals verdoppeln.

Aus Sicherheitsgründen stehen die neue Bandbibliothek sowie einer der beiden Backup-Server nicht, wie bisher üblich, im Maschinenraum der GWDG, sondern an einem zweiten, entfernten Standort, dem Medizinischen Rechenzentrum (MRZ) der Universität Göttingen. Beide Bandroboter sind über eine schnelle Glasfaser-Strecke des GÖNET miteinander verbunden. Mit diesem zukunftsweisenden Konzept der verteilten redundanten Datensicherung betritt die GWDG Neuland und kann sicherstellen, dass auch im Katastrophenfall, also bei Wegfall eines der beiden Standorte, ein zentraler Backup-Service sowie Kopien aller archivierten Daten weiterhin zur Verfügung stehen - eine Anforderung, die von immer mehr Benutzerinstituten gestellt und nun endlich erfüllt werden kann.

Diese Kooperation zwischen GWDG und MRZ ist ein erster bedeutender Schritt, wichtige Dienste und Datenarchivierungen durch das Betreiben von redundanten Geräten am jeweils anderen Standort zu sichern. Langfristiges Ziel ist der Aufbau eines räumlich abgesetzten gemeinsam betriebenen Redundanz-Rechenzentrums, das gewährleisten soll, dass bei Ausfall von Geräten in einem der z. Z. noch bestehenden dezentralen Rechenzentren wichtige Dienste, wie z. B. Mailing und Internetzugang, weiterhin verfügbar und archivierte Daten durch Spiegelung gesichert sind. Für Betriebsunterbrechungen können u. a. der Ausfall der Stromversorgung, ein Brand oder ein Wasserschaden verantwortlich sein. In Zukunft soll in Zusammenarbeit der beiden großen Rechenzentren am Standort Göttingen, GWDG und MRZ, unter Einbeziehung der Universitätsbibliothek und verschiedener weiterer Rechen- und Medienzentren ein örtlicher IT-Verbund realisiert werden, der Forschung, Lehre sowie Dienstleistungen für die beteiligten Nutzergruppierungen mit höchster Effizienz unterstützt. Hierfür wurde vor kurzem ein gemeinsamer Antrag auf Förderung im Rahmen der Förderinitiative der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zur Stärkung der Informationsstrukturen an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen gestellt.

Über die GWDG:
Die Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbH Göttingen (GWDG) ist eine gemeinsame Einrichtung des Landes Niedersachsen und der Max-Planck-Gesellschaft. Sie ist für die Universität Göttingen das Hochschulrechenzentrum und für die gesamte Max-Planck-Gesellschaft ein Rechen- und Kompetenzzentrum. Darüber hinaus betreibt sie Forschung im Bereich der Informatik und fördert die Ausbildung von Fachkräften für Rechenanlagen.

Dr. Thomas Otto | idw

Weitere Berichte zu: Archivierung Backup Backup-Service Bandbibliothek Datenvolumen GWDG MRZ TeraByte

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Ein stabiles magnetisches Bit aus drei Atomen
21.09.2017 | Sonderforschungsbereich 668

nachricht Drohnen sehen auch im Dunkeln
20.09.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie