Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rechtsgültige und sichere Wahlen über das Internet

22.11.2002


e-Voting.at - Österreich wählt übers Internet!


Die Abteilung Produktionsmanagement hat einen neuartigen e-Voting-Prototyp entwickelt, der es erstmals ermöglicht, rechtsgültige und sichere Wahlen über das Internet abzuwickeln. Der Prototyp und ein Arbeitsbericht stehen frei zum Download auf der Projekt Homepage www.e-Voting.at

Die öffentliche Verwaltung und das Internet


Das Internet wird bereits massiv für Geschäftstransaktionen genutzt, wobei verstärkt auch der öffentliche Sektor als Anwender auftritt. Für die Legislative und den dazugehörigen demokratischen Willensbildungsprozess ("E-Democracy") existieren kaum Applikationen. E-Voting stellt eine Kernanwendung von E-Democracy dar, nämlich die Abwicklung von Wahlen über das Internet.

Während die Briefwahl bereits für Auslandsösterreicher bei der Nationalratswahl möglich ist, gibt es für e-Voting noch keine gesetzlichen Bestimmungen bei Wahlen zu öffentlichen Vertretungskörpern (mit Ausnahme von ÖH- und WK-Wahlen).

Das Grundproblem

Das geht vor allem darauf zurück, dass alle bisher bekannten Versuche an der Lösung des Grundproblems gescheitert sind. Dieses ergibt sich aus der österreichischen Bundesverfassung mit den Wahlrechtsgrundsätzen (BVG Art. 26). Das zu lösende Problem lautet wie folgt:

Wie kann sichergestellt werden, dass die Wahladministration jederzeit feststellen kann, >WER< (bereits) gewählt hat, aber zugleich verhindert werden, dass sie Kenntnis davon bekommt, >WAS< der Wähler gewählt hat?

Während dieses Problem bei der herkömmlichen Präsenzwahl durch organisatorische Vorkehrungen vor Ort gelöst werden kann, muss eine elektronische Variante der Distanzwahl verhindern können, dass diese zwei Informationen (Wahlberechtigung und ausgefüllter Stimmzettel) verknüpft werden.

Das neuartige Verfahren der Abteilung für Produktionsmanagement implementiert dieses Phasenmodell in der Weise, dass sich der Wähler wie bei der Briefwahl vor der Wahl über das Internet registriert und im Gegenzug von der Wahlbehörde eine elektronische Wahlkarte bekommt. Für die Registrierung wird eine digitale Signaturkarte verwendet, wie sie seit diesem Wintersemester auch an Studenten der Wirtschaftsuniversität ausgegeben wird. Diese Signaturkarte ist erstens aufgrund des Signaturgesetzes eine gesetzlich anerkannte Identifikationsmöglichkeit (im Unterschied zu PINs und Transaktionsnummern) und zweitens kann mit dem Verfahren der blinden Signatur die elektronische Briefwahlkarte von der Wahlbehörde unterschrieben werden. Das ermöglicht die Ausstellung einer anonymen Wahlkarte, da die Administration keine Kenntnis vom Inhalt der Wahlkarte bekommen kann. Diese elektronische Briefwahlkarte wird dann am Wahltag vom Wähler eingesetzt, um einen Stimmzettel über das Internet zu beziehen und dann ausgefüllt in die elektronische Urne einzuwerfen.

Dieser Algorithmus, der die in anderen Protokollvorschlägen vorhandenen Mängel löst, ist bereits international publiziert worden und steht damit der Prüfung durch die Fachwelt offen.

Die Umsetzung für die Stadt Wien

Im Rahmen des Jubiläumsfonds der Stadt Wien für die Wirtschaftsuniversität wurde mit der Umsetzung des Moduls I (Registrierung und Wählerevidenz) in Form eines eigenständigen und voll funktionsfähigen Prototypen begonnen. Diesen kann man z.B. für ein elektronisches Volksbegehren unmittelbar verwenden.

Für die Entwicklung kommt dabei erstmals die für die Bürgerkarte geschaffene Infrastruktur (das Datakom Trustcenter, das Zentrale Melderegister und der Security Layer des Chief Information Office des BMÖLS) zur Verwendung. Der Prototyp ist dadurch bereits in eine reale Systemumgebung eingebunden und das mit einem im Vergleich zu anderen e-Voting-Projekten geringsten Kosten (so wendet die Schweiz für ihr e-Voting Projekt mehrere Millionen Schweizer Franken auf).

Der Prototyp

Der Prototyp ist frei verfügbar unter http://www.e-Voting.at
Ein schriftlicher Arbeitsbericht kann per E-Mail an e-voting@wu-wien.ac.at angefordert oder auf der Homepage http://www.e-Voting.at heruntergeladen werden.


Rückfragen an:

Robert Krimmer
Projektassistent e-Voting.at
am Institut für Informationsverarbeitung und -wirtschaft,
Tel: 01/31336 5622
Fax: 01/31336 90 5622
E-Mail: robert.krimmer@wu-wien.ac.at

DI Markus W. Lauboeck | idw
Weitere Informationen:
http://www.e-Voting.at
http://www.wu-wien.ac.at/presse

Weitere Berichte zu: Arbeitsbericht Briefwahl Stimmzettel Wahlkarte

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Datenbrille erleichtert Gehörlosen die Arbeit in der Lagerlogistik
23.02.2018 | Technische Universität München

nachricht Verlässliche Quantencomputer entwickeln
22.02.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics