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Mit Datenbanken hochdeutsch sprechen

29.10.2002


Informatiker der Universität Jena arbeiten an einem Sprachstandard für Datenbanken mit



Sie speichern unseren Kontostand und unsere Krankengeschichte, man braucht sie in jedem Betrieb und in jeder Behörde. Sie bewahren diese Informationen sicher auf und geben sie nur an Berechtigte heraus. Sie heißen nicht umsonst Banken - Datenbanken. Will man Daten abfragen, geschieht dies mit Befehlen in der Sprache SQL (Structured Query Language). Die Informatiker Jens Lufter und Thomas Fanghänel von der Friedrich-Schiller-Universität Jena sind maßgeblich an der Vereinheitlichung dieser Sprachnorm beteiligt. "Wir durchforsten das 2000-seitige Regelwerk nach Fehlern, schreiben Verbesserungsvorschläge und Kommentare", beschreiben die beiden ihre Arbeit. In diesem Monat sind ihre letzten Änderungsvorschläge für die nächste Version der SQL-Norm bei einem dreiwöchigen Tagungsmarathon diskutiert und in das Regelwerk eingearbeitet worden.



Seit einigen Jahren bemühen sich Informatiker um die international verbindliche Normierung von SQL-Befehlen. Die meisten Hersteller von Datenbanksystemen, wie IBM, Oracle oder Microsoft, liefern den Kunden ihre eigene SQL-Sprachschnittstelle mit. Die unterschiedlichen Hersteller sprechen die Datenbanken allerdings mit ihren hausgemachten SQL-Dialekten an. Das ist zum einen für den Endkunden lästig, denn er ist damit von einem Anbieter abhängig. Zum anderen müssen Softwarehersteller ihre Programme mit viel Aufwand an die verschiedenen SQL-Dialekte anpassen.

Um solche Probleme zu beseitigen, müssten sich die SQL-Programmierer in aller Welt auf eine verbindliche Sprache, quasi SQL-Hochdeutsch, einigen. Und an diesen Rechtschreib- und Grammatikregeln, denen normierte SQL-Befehle genügen müssen, haben die Jenaer Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Datenbanken und Informationssysteme maßgeblich mitgearbeitet. Damit ist die Uni Jena eine der zwei deutschen Universitäten, die bei der deutschen Zuarbeit zur internationalen Norm ein, zwei SQL-Wörtchen mitreden. "Mit Peter Pistor haben wir einen Uni-Angestellten im Team, der gleichzeitig Vorsitzender des deutschen DIN-Ausschusses für die Normierung von SQL ist, und so unsere Vorschläge direkt einbringen konnte", erzählt Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Klaus Küspert. Er setzt bewusst auf die Mitarbeit der Uni an der scheinbar trockenen Normierungsaufgabe. "Denn die Norm ist essenziell für die Anwender und wird auch von den großen Firmen mitentwickelt und mitgetragen", führt der Datenbank-Experte aus. Mit solchen Projekten bietet er auch Studierenden an seinem Lehrstuhl einen direkten Bezug zur Arbeitspraxis der Hersteller von Datenbanksystemen und macht sie fit für den Arbeitsmarkt. So wird zum Beispiel Thomas Fanghänel mit seinem jüngst verliehenen Diplom in die Entwicklungsabteilung von IBM in Kalifornien wechseln, in dem mit DB2 an einem der weltweit führenden Datenbankprodukte gearbeitet wird. "Dies wird auch die weitere Zusammenarbeit zwischen dem IT-Hersteller und der Praxis allgemein sowie der Jenaer Informatik ausbauen und fördern", ergänzt Küspert.

Kontakt:
Jens Lufter
Institut für Informatik der Uni Jena
Ernst-Abbe-Platz 2, 07743 Jena
Tel: 03641 / 946363
Fax: 03641 / 946302
E-Mail: lufter@informatik.uni-jena.de

Axel Burchardt | idw

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