Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Informatiker entwickeln die Bibliothek der Zukunft

22.07.2002


Oldenburg. Bequem am eigenen PC Fachliteratur recherchieren und lesen, anstatt zeitaufwendig in der Bibliothek zu suchen - diese Zukunftsvision ist vielleicht schon bald Realität. Vier Institute und Forschungseinrichtungen haben dafür in einem gemeinsamen Projekt die Grundlagen geschaffen und ein System für die Produktion und den Vertrieb elektronischer Bücher entwickelt.

Am Projekt beteiligt sind:

  • das Oldenburger Informatikinstitut OFFIS,
  • die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig (HTWK Leipzig),
  • die Gesellschaft für angewandte Software-technik mbH in München (FAST München),
  • sowie das Fachinformationszentrum Karlsruhe (FIZ).

Das Oldenburger Informatik-Institut OFFIS hat die Grundlagensoftware für den Internet-Shop und die dokumentenliefernde und verwaltende Software entwickelt. Daneben sorgen die Oldenburger Informatiker für den Systembetrieb. Finanziert wurde das Forschungsprojekt "eVerlage" vom Bundesministerium für Forschung und Bildung.

"Information hat heutzutage eine extrem kurze Halbwertszeit. Dies gilt für die Wissenschaft ebenso wie für andere Bereiche, sei es nun Wirtschaft, Rechtsprechung oder Medizin. Deshalb sind digitale Bibliotheken das ideale Medium für Profis in allen Bereichen, die schnell fachspezifische Informationen recherchieren müssen", erläutert dazu Prof. Dr. Hans-Jürgen Appelrath, der wissenschaftliche Leiter des Projektes bei OFFIS. "Information on demand" nennen dies die am Projekt beteiligten Informatiker. Darunter ist zu verstehen, sich direkt und sofort am Arbeitsplatz zu informieren, genau dann, wenn die Information gebraucht wird.

Auf diese Weise können Arbeits- und Lernprozesse erheblich effizienter organisiert werden. Wenn ein Student beispielsweise bei der Lektüre für eine Seminararbeit auf interessante neue Literaturhinweise stößt, könnte er bei einer elektronischen Bibliothek dem sofort nachgehen und innerhalb von wenigen Minuten im gesuchten Werk lesen. Außerdem ermöglichen elektronische Bücher über die Volltextsuche eine wesentlich präzisere Recherche. Darüber hinaus können mit diesem System auch multimediale Lernmittel über das Internet zugänglich gemacht werden.

Dies wird auch den Sektor Weiterbildung erheblich verändern. Berufstätige Menschen müssen heutzutage lebenslang lernen. Gleichzeitig wird der Zeit- und Termindruck immer höher. "Deshalb wird eine leicht zugängliche ’Information on demand’ auch für die Weiterbildung immer wichtiger werden.", meint Frank Oldenettel, Leiter des Projektteams bei OFFIS.

Das eigentliche Problem mit einem elektronischen Verlag ist weniger, ganze Bücher ins Internet zu stellen, sondern ein praktikables Verfahren der Bezahlung zu finden. Die Abrechnung muss einfach zu handhaben und sicher sein. Nur so kann sich das neue System durchsetzen. Das Ergebnis des Projektes stimmt optimistisch. Es wurden drei Abrechnungsverfahren in das System integriert: Die Geldkarte, die Bezahlung per Handy und die Bezahlung per Gutschein.

Die Geldkarte ist besonders für Bibliotheken geeignet, die ihren Lesern den elektronischen Leserservice bieten wollen. Der Nutzer muss dafür ein Lesegerät kaufen, das an den PC angeschlossen wird (Dieses Lesegerät wird ca. 50-100 Euro kosten). Geldkarten mit einer individuellen Pin-Nummer sind in Banken erhältlich und können dort aufgeladen werden. Häufig sind auch die EC-Karten schon mit einer Geldkartenfunktion ausgestattet. Der Nutzer kann sich mit einer Geldkarte über das Internet in das Bibliotheksportal einwählen, die gewünschte Literatur aufrufen und dann durch Eingabe der Pin-Nummer mit Geldkarte und Lesegerät bezahlen.

Bei der Bezahlung per Handy müssen Nutzer sich und ihre Bankverbindung für 5,- Euro registrieren lassen. Sobald sie registriert sind, geben sie im Internetportal ihre Handynummer ein. Wenige Sekunden später werden sie vom System angerufen und hören eine Ansage. Dann brauchen sie nur noch ihre individuelle Pin-Nummer eingeben und haben damit den Kauf bestätigt. Der verbrauchte Betrag wird dann vom Konto abgebucht.

Beim Gutschein handelt es sich um ein Prepaid-Verfahren, das heißt es können im Voraus Gutscheine mit vorbestimmten Werten bei eVerlage erworben werden. Mit einem darauf angegebenen Codeschlüssel kann dann Literatur gekauft werden.

Leihbibliotheken können elektronische Bücher genauso wie Papierbücher ihren Lesern kostenlos zur Verfügung stellen, wenn sie entsprechende Lizenzen kaufen. Je nachdem wie viel Geld sie für Lizenzen investieren, können sie dann entweder wie beim Papierbuch eine begrenzte Anzahl von Büchern zur Verfügung stellen, oder - was mit deutlich höheren Lizenzkosten verbunden ist - beliebig viele Exemplare zur Verfügung stellen. Die höheren Lizenzkosten bei unbegrenzter Anzahl sind notwendig, da Verlage ansonsten elektronische Bücher nicht wirtschaftlich vertreiben könnten.

An den Universitätsbibliotheken in Göttingen, Jena und Bielefeld wird das System eVerlage derzeit erprobt. Erfasst wurde dafür wissenschaftliche Fachliteratur aus den Bereichen Informatik, Physik, Chemie und Sozialwissenschaften.

Wer sich für das Projekt "eVerlage" interessiert, kann sich im Internet unter www.everlage.de informieren.

Ansprechpartner für Rückfragen der Redaktion: Udo Brandes OFFIS - Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Escherweg 2 - 26121 Oldenburg Tel. (04 41) 97 22-107 Fax (04 41) 97 22 - 102

Udo Brandes | idw
Weitere Informationen:
http://www.offis.de/
http://www.offis.de udo.brandes@offis.de
http://www.everlage.de/

Weitere Berichte zu: Bezahlung GeldKarte Gutschein Lesegerät Pin-Nummer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Ergonomie am Arbeitsplatz: Kamera erkennt ungesunde Bewegungen
24.04.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht TU Ilmenau entwickelt Chiptechnologie von morgen
20.04.2017 | Technische Universität Ilmenau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neuer Blue e+ Chiller von Rittal - Exakt regeln und effizient kühlen

25.04.2017 | HANNOVER MESSE

RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Kräftiger Anstieg setzt sich fort

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen

Pharmacoscopy: Mikroskopie der nächsten Generation

25.04.2017 | Medizintechnik