Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Sicherheits-Forscher als Hacker im Internet: Attacken gegen IT-Systeme von Kunden

11.07.2002


Eigentlich erforschen und entwickeln sie Hightech-Lösungen für mehr Internet-Sicherheit, die jungen Wissenschaftler des Trierer Instituts für Telematik. Doch einige wechseln jetzt die Fronten: Als Hacker werden sie künftig versuchen, durch Schlupflöcher in Computer-Netzwerke von Firmen einzudringen - allerdings nur, wenn die Unternehmen sie dazu beauftragen. Ein sogenanntes "Tiger Team" soll mit den gleichen Werkzeugen und Tricks, wie Hacker sie anwenden, Schwachstellen in der elektronischen Abwehr der Auftraggeber aufdecken. Dadurch können die Unternehmen ihre Schutzmaßnahmen verbessern. Derzeit tüftelt ein Trierer Tiger-Team an elektronischen Attacken auf eine renommierte Bank.


"Unser Tiger-Team kann beim Kunden unabhängig und zuverlässig ermitteln, wie sicher dessen eigene Abwehr wirklich ist. Zudem sind wir nicht betriebsblind, sondern gehen sehr unbefangen an unsere Aufgaben heran", beschreibt der Direktor des gemeinnützigen Instituts für Telematik e.V., Professor Christoph Meinel (48), die Vorteile der Vorgehensweise seiner Institution. Mit gängigen Routinen, aber auch mit selbst entwickelten Verfahren klopfen die Trierer Wissenschaftler EDV-Systeme auf Schlupflöcher ab.

Manche Auftraggeber favorisieren nach Meinels Worten kostengünstige Basis-Prüfungen. Mit Sicherheitsscannern lassen die Trierer "Anti-Hacker" dann automatisierte Tests ablaufen und prüfen mit rund 1000 Einzelattacken, ob das IT-System einer Firma gegenüber Angriffen aus dem Internet anfällig ist. "Manchmal wird ein Angriff konkret durchgespielt. In anderen Fällen wird lediglich nach bestimmten Softwarepaketen und deren Versionen gesucht, von denen man weiß, dass sie Sicherheitslücken aufweisen", verrät der Trierer Institutsleiter. Seine Telematik-"Tiger" sind aber auch für das "Social Engineering" gerüstet, bei dem man versucht, über die Schwachstelle Mensch in das System einzudringen.


"Nicht immer kommt man mit automatisierten Basis-Checks genügend weit", betont Meinel, der auch Lehrstuhlinhaber (C4) für Informatik an der Uni Trier ist. Sein gemeinnützig, unabhängig und wirtschaftsnah arbeitendes Institut für Telematik stellt sich deshalb auch auf die außergewöhnlich hohen Sicherheits-Ansprüche von Firmen und Behörden mit komplexeren IT-Infrastrukturen und -Anwendungen ein: "Hier sind sehr spezifische Tests erforderlich, die jeweils den Gegebenheiten angepasst werden müssen". Alle Aktivitäten der angeheuerten Trierer Eindringlinge werden protokolliert und in einer Präsentation den zuständigen Fachabteilungen der Kunden vorgelegt. Nach einer Analyse der Sicherheits-Mängelliste schlägt das Institut für Telematik dann Konzepte zur Behebung der Schwachstellen vor. "Mit Hilfe von Schulungsmaßnahmen fördern wir zudem vorsorglich das Sicherheitsbewusstsein der Abteilungen - vom Vorgesetzten bis zu den Anwendern", ergänzt Prof. Meinel. Sein Institut hat übrigens Anfang des Jahres einen Erfinderpreis bekommen für ein patentiertes Sicherheitsschleusen-System, das Online-Hackern wirksam das Handwerk legt.


Hans-Joachim Allgaier | idw
Weitere Informationen:
http://www.ti.fhg.de

Weitere Berichte zu: Attacke IT-System Schlupflöcher Schwachstelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Living: VDE-Institut entwickelt Cloud-basierte interoperable Testplattform
15.02.2017 | VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

nachricht Saarbrücker Informatiker machen „Augmented Reality“ fotorealistisch
15.02.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

Booth and panel discussion – The Lindau Nobel Laureate Meetings at the AAAS 2017 Annual Meeting

13.02.2017 | Event News

Complex Loading versus Hidden Reserves

10.02.2017 | Event News

International Conference on Crystal Growth in Freiburg

09.02.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie