Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf gute Zusammenarbeit mit dem Roboter: Einarmige "CoRA" interagiert mit Menschen

25.03.2008
RUB-Neuroinformatiker berichten in "Gehirn&Geist"

Der einarmige Roboter CoRA kann einem menschlichen Gegenüber nicht nur Dinge anreichen, er merkt auch, wenn der Mensch sie ihm abnehmen will, und lässt dann los. Oder er folgt einem zu greifenden Gegenstand, der ihm über die Arbeitsfläche weggezogen wird. Ganz schön flexibel für einen Roboter.

Wie es gelungen ist, CoRA so "menschlich" zu machen, beschreiben ihre "Väter" Prof. Dr. Gregor Schöner und Dr. Ioannis Iossifidis vom Institut für Neuroinformatik der Ruhr-Universität Bochum in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Gehirn&Geist".

Videos von CoRA finden Sie im Internet unter: http://www.neuroinformatik.rub.de/thbio/group/robotic/index_d.html#4

... mehr zu:
»CoRA »Roboter

Präzise, aber unflexibel

Roboter übertreffen Menschen in Sachen Präzision um ein Vielfaches, aber sie sind normalerweise ziemlich unflexibel. Unbekannte Objekte können sich nicht erkennen und greifen, schon gar nicht, wenn das Objekt halb verdeckt ist. Für Menschen ist das kein Problem. Dem Ziel, Roboter etwas menschlicher zu machen, sind Prof. Schöner und Dr. Iossifidis nun näher gekommen, ihr Roboter heißt CoRA (für Cooperative Robot Assistant). CoRA besteht vor allem aus einem Arm, der als Rechts- oder Linkshänder funktionieren kann, und einem drehbaren Kopf an einem ebenfalls drehbaren Rumpf. An einen Tisch montiert, kann sie mit einem Menschen interagieren.

Pistolenschützen als Vorbild

Dass sie das kann, verdanken die Forscher ihrer Analyse von Pistolenschützen: Selbst perfekte Schützen vollführen nicht immer den hundertprozentig gleichen Bewegungsablauf, sondern passen die Bewegungen ihres Arms immer noch ein klein wenig an die Umweltbedingungen an. Solche Prozesse lassen sich mit sog. neuronalen Feldern mathematisch beschreiben und simulieren. "Solche Felder sind stark vereinfachte Modelle des Nervensystems", erklärt Prof. Schöner, "sie sind dem Aufbau der Großhirnrinde nachempfunden, in der benachbarte Neurone ähnliche Aufgaben verrichten, so dass man sie sich als ein Kontinuum vorstellen kann." Ein neuronales Feld ordnet jeder Bewegung einen Wert zu, der die Wahrscheinlichkeit angibt, dass sie tatsächlich ausgeführt wird. Die Feldveränderungen hängen von sensorischen Eingangssignalen ab, vor allem von visuellen.

CoRA bittet um Klärung

Dank dieser Methode kann CoRA aus der eigenen Sensorik heraus Handlungen initiieren und aneinanderreihen, Objekte identifizieren und wiedererkennen, sie greifen, weglegen und übergeben. CoRA greift auch Gegenstände, auf die sein menschliches Gegenüber deutet und reicht sie ihm. CoRAs Arm ist mit einer berührungsempfindlichen Kunsthaut überzogen, so dass der Mensch eine begonnene Bewegung einfach korrigieren kann. Als neuesten Entwicklungsschritt kombinierten die Forscher die Kamerabilder der "Augen" mit Tastdaten aus Kraft- und Gelenkwinkelsensoren und einem Spracherkennungssystem. Der Roboter nimmt also zum Beispiel wahr, wenn der Benutzer einen Gegenstand ergreift, den CoRA gerade hält. CoRA kann dann den Greifer öffnen, um den Gegenstand loszulassen. Auch gesprochenene Anweisungen kann der Roboter inzwischen umsetzen - bei mehrdeutigen Situationen, in denen er nicht weiß, welchen Gegenstand sein Gegenüber haben möchte, bittet er via Sprachausgabe um Klärung.

Titelaufnahme

Gregor Schöner und Ioannis Iossifidis: Auf gute Zusammenarbeit. In: Gehirn und Geist 4/2008, S. 30ff

Weitere Informationen

Dr. Ioannis Iossifidis, Institut für Neuroinformatik der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25567, E-Mail: Ioannis.Iossifidis@neuroinformatik.rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.neuroinformatik.rub.de/thbio/group/robotic/index_d.html#4
http://www.gehirn-und-geist.de

Weitere Berichte zu: CoRA Roboter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Industrie 4.0: Fremde Eindringlinge im Unternehmensnetz erkennen
16.04.2018 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Die Thermodynamik des Rechnens
11.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics