Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Von Abtreibung bis zur Sterbehilfe: Was bedeutet Selbstbestimmung für die Gesellschaft?

26.04.2007
Chemnitzer Soziologe Dr. Uwe Krähnke zeigt, was Selbstbestimmung für die Gesellschaft bedeutet und wie sie genutzt wird

Debatten über Abtreibung, Behinderung, Sterbehilfe oder Völkerrecht rückten in den letzten Jahren vermehrt in den Mittelpunkt der Gesellschaft. Charakteristisch für diese Problemfelder ist, dass die Betroffenen selbst bestimmen wollen, was konkret zu geschehen hat.

Das vermehrte Streben nach Eigenständigkeit führte seit den 1990er Jahren zu einer Konjunktur der Selbstbestimmungsidee. In seinem Buch "Selbstbestimmung. Zur gesellschaftlichen Konstruktion einer normativen Leitidee" versucht der Soziologe Dr. Uwe Krähnke von der TU Chemnitz dem interessierten Bürger, Soziologiestudierenden oder Politikwissenschaftler darzulegen, wie sich die Bedeutung von Selbstbestimmung in den letzten 300 Jahren entwickelt hat. In dem beim Velbrück-Verlag erschienenen Buch wird der These nachgegangen, dass Akteure in der heutigen Gesellschaft (z.B. Abtreibungsbefürworter und Vertreter der Behindertenbewegung) mit dieser normativen Leitidee operieren, um die eigenen Ziele besser öffentlich zu machen und Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen.

Es geht Krähnke weniger um eine Definition, was Selbstbestimmung an und für sich bedeutet. Vielmehr fragt der an der Professur für Allgemeine Soziologie II lehrenden Wissenschaftler, wie der Selbstbestimmungsbegriff in öffentlichen Diskussionen zum Tragen kommt und welche Rückschlüsse sich daraus für das Normen- und Werteverständnis unserer Gesellschaft ziehen lassen. Hat diese Idee heute einen ähnlichen Stellenwert wie die traditionellen Werte der Moderne "Freiheit", Gleichheit" oder "Demokratie"?

Um die Konjunktur der Selbstbestimmungsidee zu analysieren, kombiniert Krähnke in seinem Buch Methoden der Ideengeschichte, der Sprachanalyse, der Mediensoziologie und der Diskursanalyse. Dabei bietet das erste Kapitel einen Abriss der Geschichte der Selbstbestimmungsidee, in dem zunächst auf die philosophischen und völkerrechtlich-politischen Einflüsse dieser Idee eingegangen werden. Dieses Kapitel endet mit einem Überblick zu den aktuellen Diskursfeldern. Das zweite Kapitel befasst sich mit einer sprachanalytischen und sprachpragmatischen Zwischenbetrachtung über den leerformelhaften Charakter von Selbstbestimmung. Unter mediensoziologischen Gesichtspunkten wird im dritten Kapitel hinterfragt, wie aus der seit Immanuel Kant diskursiv eingeredeten Selbstbestimmung heute eine symbolisch umkämpfte werden konnte. Zum Abschluss seines Buches stellt Krähnke in einer Fallstudie die bundesdeutsche Debatte um die Selbstbestimmung der Schwangeren im Abtreibungsdiskurs vor.

Weitere Informationen zum Buch erhalten Interessenten unter http://www.velbrueck-wissenschaft.de bzw. von Dr. Uwe Krähnke, E-Mail uwe.kraehnke@phil.tu-chemnitz.de, Telefon (03 71) 5 31 - 32 488.

Mario Steinebach | idw
Weitere Informationen:
http://www.velbrueck-wissenschaft.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Daseinsvorsorge in Stadt und Land sichern
08.11.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Simulation: Neuartiger zweidimensionaler Schaltkreis funktioniert mit magnetischen Quantenteilchen

22.01.2018 | Physik Astronomie

Vogelmonitoring leicht gemacht: Erfassung der Brutvögel wird digitalisiert

22.01.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

22.01.2018 | Physik Astronomie