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Sprachförderung im Kindergarten unter Berücksichtigung des Migrationshintergrunds

05.04.2007
Sprache bietet einen Schlüssel zur Welt. Sie dient zur Deutung von Erfahrungen, zur Aneignung von Kenntnissen über die umgebende Wirklichkeit und zur Beteiligung am gesellschaftlichen Geschehen. Sprachprobleme werden allerdings schnell zur Barriere, die schon im Kindesalter isoliert, humane Entwicklungen stört und Chancen verhindert.

Daher entwickelt und erprobt Prof. Dr. Sigrid von den Steinen, an der Universität in Koblenz, Institut für Grundschulpädagogik, ein Förderprogramm zur elementaren deutschen Sprachbildung. Die Ausführung leitet Dr. Sigrid Paul-Hoffmann. Beteiligt sind Studierende der Studiengänge Grundschulpädagogik und Erziehungswissenschaft. Kinder mit problematischen Lernvoraussetzungen, deren Sprech- und Sprachleistungen nicht altersgemäß entwickelt sind und Kinder nicht deutscher Muttersprache, erhalten die Möglichkeit, ihre sprachlichen Fähigkeiten auf das Deutsche hin auszubilden oder umzugestalten und zu erweitern.

Die pädagogischen Angebote zielen auf den frühzeitigen Erwerb grundlegender Kompetenzen der deutschen Sprache. Auf der Basis der Trias von Sprechen, Denken, Handeln soll die Lust der Kinder am Sprechen geweckt werden, sollen sie Freude an der deutschen Sprache gewinnen. Die Sprachförderung erfolgt zugleich spielerisch und systematisch, kind- und fachbezogen. Sie setzt bei typischen Erlebnissen und Erfahrungen der Kinder an und bezieht ihre individuellen Interessen, Neigungen und Fähigkeiten ein. Die fachlich-linguistischen Aspekte des Programms zielen auf:

- die Verbesserung des Sprachhörverstehens durch Rituale, Bewegungsspiele;
- die Sprechfähigkeit und eine lautgetreue Aussprache durch Lautübungen, Lieder, Reime;
- die Wortformung, den Wortschatzaufbau und den Gebrauch einfacher regelgetreuer Sätze durch Gespräche, Rollen- und Sprachspiele;
- die entsprechende Bedeutungserschließung durch Erzählungen und sprachliche Vorbilder in Gesprächssituationen und Spielhandlungen unterstützt durch geeignete Spielmaterialien und kindgerechte Medien;

- die Weckung des Sprachbewusstseins durch Nachdenken und Sprechen über die gemeinsamen und eigenen Sprachlernprozesse.

Einmal wöchentlich besuchen vierzehn Kinder, begleitet von zwei Fachkräften eines Kindergartens, die Lernwerkstatt des Instituts in Koblenz. Das Angebot für sie besteht aus acht Spiel- bzw. Lerneinheiten, die jeweils 45 Minuten dauern. Die Kinder agieren im Kreis wie auch in Kleingruppen. Die Gemeinschaft der Kinder spielt für die angestrebten Lernprozesse eine zentrale Rolle. Gerade der Austausch im Kreisgespräch und die sprachlich begleiteten Spielhandlungen in Kleingruppen ermöglichen ihnen wahrnehmbare Lernfortschritte. Im Vorfeld zu jeder thematischen Einheit bereiten die mitwirkenden Studierenden ein spezifisches Lernumfeld vor, das die Kinder unmittelbar herausfordert und das die Kinder schon freudig erwarten, wenn sie eintreffen, wie der ersten Erfahrungen zeigen. Während der Spiel- und Lernhandlungen sprechen sie die Kinder individuell an, beobachten sie, lernen dabei, wie die Kinder lernen, und was ihnen zur begleitenden Unterstützung hilft. Im Nachhinein reflektieren die Studierenden gemeinsam ihre Beobachtungen und Erfahrungen. Die Ergebnisse werden dokumentiert und in die Weiterentwicklung des Förderprogramms einbezogen.

Kontakt:
Prof. Dr. Sigrid von den Steinen
Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz
Institut für Grundschulpädagogik
E-Mail: vdSteinen@web.de

Bernd Hegen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koblenz-landau.de

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