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DJI Online Thema 2007/03: Gleichstellungspolitik beginnt im Kindergarten

02.03.2007
Die Jugendpolitik in Deutschland ist am Grundsatz der Gleichstellung orientiert. Dennoch sind vielerorts noch geschlechtsspezifische Benachteiligungen oder Gefährdungen auszumachen.

So lautet das Ergebnis eines aktuellen Reports, den das DJI mit Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) erstellt hat.

Er gliedert sich in einen Mädchen- und einen Jungenbericht und stellt geschlechtervergleichend die besonderen Lebenssituationen von jungen Frauen und Männern gegenüber, nennt erprobte Maßnahmen zum Abbau von Diskriminierung und zeigt auf, wo noch dringender Handlungsbedarf besteht.

Noch sind Frauen wie Angela Merkel oder Condoleezza Rice Ausnahmen in der politischen Landschaft. Ebenso selten schaffen es Frauen in der Wirtschaft an die oberste Spitze. In den 100 umsatzstärksten deutschen Unternehmen ist nur einer der 533 Vorstandsposten von einer Frau besetzt. Damit sind wir in Europa nur Durchschnitt.

Aber Frauen drängen nach vorn. Weltweit wächst der Widerstand gegen Diskriminierung - vor allem im Beruf. Mit Sammelklagen in Millionenhöhe ihrer weiblichen Angestellten sehen sich nicht nur eine Bank in Amerika, sondern auch eine große Supermarktkette in Deutschland konfrontiert.

Und es gibt noch genügend andere Gründe, warum die Frauenrechtskommission der Vereinten Nationen die "Beseitigung aller Formen der Diskriminierung und Gewalt gegen Mädchen" 2007zu ihrem Hauptthema gewählt hat.

Eine Gleichstellungspolitik, die es ernst meint, darf aber nicht erst auf dem Arbeitsmarkt beginnen. Die Weichen werden schon viel früher gestellt. Aus diesem Grund hat das Deutsche Jugendinstitut (DJI) mit Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) einen Mädchen-Bericht erstellt. Er zeigt, dass Mädchen in Deutschland in einigen Bereichen nicht schlechter gestellt sind als Jungen. In anderen jedoch sind weiterhin Maßnahmen speziell für Mädchen erforderlich, um ihnen die Möglichkeit zu bieten, ihr Leben selbstbestimmt und frei von Diskriminierung zu gestalten.

Die wesentlichen Ergebnisse des Berichts zu den Themen Schule, Berufswunsch und Ausbildung, Gesundheit, Gewalt und Prostitution sowie Geschlechterrollen, Lebensentwürfe, Medienkompetenz und politische Partizipation sind in "Auf einen Blick" zusammengestellt.

Auffällig ist, dass Mädchen im Schnitt die besseren Schulabschlüsse und Noten haben und dennoch ihre Berufsmöglichkeiten nicht voll ausschöpfen. Überproportional häufig entscheiden sie sich im Rahmen ihrer Ausbildungs- und Studienwahl noch immer für "typisch weibliche" Berufsfelder oder Studienfächer - die häufig schlechter bezahlt sind und geringere Aufstiegschancen bieten.

In Deutschland gibt es bereits viele Maßnahmen und Projekte, die helfen sollen, diese Probleme zu bewältigen. Ein Projekt ist der jährlich stattfindende Girls'Day. Von der fünften Klasse an können Mädchen an diesem Tag Berufe kennen lernen, die immer noch überwiegend von Männern ausgeübt werden. Sie können experimentieren und programmieren, das Innenleben von Computern entdecken, Internetseiten erstellen, Lichtschranken bauen, Technik verstehen und selbst ausprobieren. Weit mehr als 500.000 Schülerinnen haben bisher am Girls'Day teilgenommen. Über Zielsetzung und Erfolg des Mädchen-Zukunftstag berichtet Doro-Thea Chwalek vom Organisationsteam im "Blick von außen I".

Während Maßnahmen zur Förderung von Mädchen in Schule und Jugendarbeit positive Effekte aufweisen und dazu beigetragen haben, dass diese immer seltener die klassisch weibliche Rolle der Hausfrau und Mutter anstreben, orientieren sich die meisten männlichen Jugendlichen weiterhin an traditionellen Geschlechtervorstellungen und zeigen kaum flexible Lebensvorstellungen. Aus diesem Berufswahlverhalten resultiert eine starke Unterrepräsentanz von Männern im Erziehungs-, Bildungs- und Pflegebereich. Dies ist einer der Gründe, warum es seit 2005 quasi auch einen "Girls'Day" für Jungen gibt, erklärt Miguel Diaz vom Pilotprojekt "Neue Wege für Jungs" im "Blick von außen II".

Auch im Hinblick auf die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine stärkere Beteiligung der (jungen) Männer an der Familien- und Hausarbeit eine der Voraussetzungen für eine wirkliche Gleichstellung Frauen und Männern in Beruf und Gesellschaft.

Über die Emanzipation von starren Männlichkeitsmodellen, fehlende Vorbilder und heimliche Lehrpläne haben wir mit Dr. Inken Tremel im "Interview" gesprochen. Sie hat gemeinsam mit PD Dr. Waltraud Cornelißen, Leiterin der Forschungsgruppe Gender und Lebensplanung am DJI, den Mädchen- und Jungenbericht erstellt.

Andrea Macion | idw
Weitere Informationen:
http://www.dji.de/thema/0703

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