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"Reading Mind in the Eyes" - Test oder Auftrag?

24.11.2006
Die Fähigkeit aus einem Gesichtsausdruck den mentalen Zustand des Gegenübers abzuleiten zu können, ist eine grundlegende Voraussetzung zum Aufbau einer beständigen Bindung. So die Hypothese, mit der die Studierenden (N=120) des Baltic College in Güstrow und Schwerin den "Reading Mind in the Eyes Test" durchführten.

Dieser Test wurde von Simon Baron-Cohen, Leiter des Autism Research Centre (ARC) der Cambridge University, entwickelt und erprobt. Mit der Übersetzung von Sven Bölte, Psychologe an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der J. W. Goethe-Universität Frankfurt/M., liegt eine Version vor, die das Anliegen und den Test von Baron-Cohen für den deutschen Sprachraum erschließt.

Im Rahmen der Lehrveranstaltung "Motivation" haben die Studierenden der Bachelor Studiengänge: "Hotel- und Tourismusmanagement"; "Unternehmensmanagement" sowie "Management im Gesundheitstourismus" den Test absolviert und das Ergebnis interpretiert. Die Ergebnisse waren für jeden Studiengang normal verteilt und lagen im Durchschnitt bei 27 Punkten.

Zur Durchführung: Der Test wurde als PDF-Dokument auf eine Videoleinwand projiziert und die 36 Gesichter im 30 Sekundentakt zur Beurteilung angeboten. Jeder Studierende füllte einen Beurteilungsbogen aus und vermerkte am Ende die Zahl der Übereinstimmungen mit der Lösungsskizze auf einem Zettel (1/3 DIN A4), auf dem zusätzlich ein selbst gewählter "Nickname" notiert war. Die Ergebnisse wurden an der Tafel auf einer Skala von 0 bis 36 kommentiert (Nickname und Anzahl der Übereinstimmung) zur Anzeige gebracht, wobei eine Gauß'sche Glockenkurve offensichtlich wurde.

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»Mind »ToM

Studierende, die mit der eigenen erreichten Punktzahl unzufrieden waren, verstehen den Test nunmehr als Auftrag. "Es gibt keinen Grund wegzuschauen!" So kann der Test neben seinem Einsatz in der Diagnostik auch als provokatives, didaktisches Instrument zur Sensibilisierung Studierender im Kontext der so genannten sozialen "Softskills" Verwendung finden.

Der Test von Baron-Cohen hat seinen Ursprung in der sozialen Kognitionspsychologie, genauer gesagt der sog. Theory of Mind (ToM) Forschung. Die ToM ist keine Theorie sondern vielmehr eine Fähigkeit. Man versteht darunter eine Vielzahl psychischer Prozesse, die es einer Person ermöglichen, fremdes und eigenes Verhalten und Erleben (z.B. Absichten, Vorstellungen, Ideen, Gefühle, Gedanken, Wünsche) zu erkennen, zu verstehen, zu erklären, vorherzusagen und zu kommunizieren. Ein Mangel an ToM ist ein Kardinalmerkmal verschiedener psychiatrischer Störungen, vor allem des Autismus.

Download der deutschen Testversion:

http://www.kgu.de/zpsy/kinderpsychiatrie/Download/index.htm

Priv.-Doz. Dr. Sven Bölte, Dipl.-Psych.
Klinischer Neuropsychologe (GNP)
J. W. Goethe-Universitätsklinikum
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Deutschordenstr. 50, D-60528 Frankfurt/M.
GERMANY
Boelte@em.uni-frankfurt.de
Dipl.- Päd. Stefan Pforte
Lehrstuhl für Erwachsenenbildung und Wirtschaftspädagogik
Baltic College Güstrow
University of Applied Sciences
Plauer Str. 81
D - 18273 Güstrow
tel ++49 +(0)3843 / 4642-13
fax ++49 +(0)3843 / 4642-11
pforte@baltic-college.de

Stefan Pforte | idw
Weitere Informationen:
http://www.baltic-college.de
http://www.kgu.de/zpsy/kinderpsychiatrie/Download/index.htm

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