Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erosion der Privatsphäre

15.11.2006
"Intelligente Umgebungen" mit allgegenwärtigen Computern bergen Chancen und Risiken. Das Fraunhofer ISI hat Empfehlungen erarbeitet, wie Politik, Wissenschaft und Wirtschaft den Datenschutz gewährleisten können.

Sensoren in Kühlschrank, die automatisch Milch nachbestellen, oder im Auto, wo sie bei Müdigkeit des Fahrers Alarm schlagen - intelligente Umgebungen (Ambient Intelligence) sind die nächste Revolution der Computertechnologie. Doch die mit Intelligenz ausgestatteten und vernetzten Gegenstände werden sich nur durchsetzen, wenn den Bedenken der Nutzer, insbesondere beim Datenschutz, Rechnung getragen wird. Zu diesem Schluss kommt das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe, das gemeinsam mit vier internationalen Instituten für die Europäische Union Schutzmaßnahmen in einer Welt mit intelligenten Umgebungen untersucht hat.

Um den sozialen, ökonomischen, rechtlichen und technischen Hindernissen auf die Spur zu kommen, hat das Institut existierende Projekte und Studien bewertet. Weil es sich um eine Technik handelt, zu der es bisher kaum praktische Erfahrungen gibt, entwickelten die Forscher so genannte "dunkle Szenarien". "Dabei geht es nicht um Schwarzmalerei", betont Projektkoordinator Dr. Michael Friedewald. Ziel sei vielmehr ein realistisches Bild der Gefahren und Risiken zu zeichnen, mit denen beim alltäglichen Einsatz von Ambient Intelligence zu rechnen ist. In den Was-wäre-wenn-Szenarien wurden beispielsweise die Auswir-kungen von Hacker-Angriffen auf Verkehrsleittechnik bewertet oder der Diebstahl von Kundendaten bei einem Unternehmen.

Neben technischen Risiken durch den Ausfall immer komplexerer Systeme und die Gängelung durch vorgefertigte Angebote, ist der Datenschutz in allen Szenarien das wichtigste Kriterium, das über Erfolg und Misserfolg von Ambient Intelligence entscheidet. Die Vernetzung unsichtbarer und allgegenwärtiger Computer erleichtert das Sammeln und Verknüpfen von Daten zu persönlichen Profilen und kann zu einer Erosion der Privatsphäre führen.

Als Quintessenz des Projekts haben die Projektpartner Handlungsempfehlungen für Politik, Wissenschaft und Wirtschaft erarbeitet, insbesondere zum Schutz der Privatsphäre. Auch wenn die Datenschutzgesetze schon Jahrzehnte alt sind und auf die heutigen technischen Möglichkeiten angepasst werden sollten, empfiehlt das Fraunhofer ISI der Politik dennoch, zunächst keine Regulierung des noch jungen Marktes vorzunehmen, sondern erst bei Bedarf mit Gesetzen nachzusteuern

Kontakt:
Dr. Michael Friedewald
Telefon: (0721) 6809 - 146
E-Mail: michael.friedewald@isi.fraunhofer.de
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI untersucht Marktpotenziale technischer Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinären Forschungsgruppen konzentrieren sich auf neue Technologien, Industrie- und Serviceinnovationen, Energiepolitik und nachhaltiges Wirtschaften sowie auf die Dynamik regionaler Märkte und die Innovationspolitik.

Bernd Müller | idw
Weitere Informationen:
http://swami.jrc.es
http://www.isi.fraunhofer.de/pr/presse.htm.

Weitere Berichte zu: Ambient Datenschutz Erosion Privatsphäre

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie