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Den Teufelskreis der "Drehtür-Psychatrie" durchbrechen

26.10.2006
Soziologen der Universität Jena wollen Therapiemöglichkeiten von Suchtkranken verbessern

Auf die Behandlung von Menschen mit Suchtproblemen und einer gleichzeitigen psychischen Erkrankung trifft in besonderem Maße das zu, was als "Drehtür-Mechanismus" der Psychiatrie bezeichnet wird: Wer sie einmal passiert hat, kehrt vielfach immer wieder. Dieser Kreislauf - Experten sprechen von einer Rückfallquote von bis zu 95 Prozent - lässt sich nur durch eine nachhaltige soziale Integration durchbrechen.

"Dabei geht es darum, den Patientinnen und Patienten gezielte Angebote zur medizinischen, sozialen und beruflichen Rehabilitation zu machen und diese von Anfang an miteinander zu verknüpfen", erläutert Prof. Dr. Bruno Hildenbrand vom Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Wie sich die Koordination therapeutischer Maßnahmen verbessern und so die Chancen der Patienten auf eine - tatsächliche - soziale und berufliche Integration erhöhen lassen, untersucht ein aktuelles Forschungsprojekt der Soziologen um Prof. Hildenbrand. Es ist Teilprojekt des EQUAL-Programms der Europäischen Union mit bundesweit insgesamt 129 Entwicklungspartnerschaften. Dieses aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanzierte Programm hat zum Ziel, die Integrationschancen benachteiligter Gruppen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

"Am Ende soll ein EDV-gestütztes Dokumentationssystem stehen, das die komplexen Abläufe während der Therapie überschaubar und planbar macht, aber gleichzeitig gerade diejenigen Faktoren berücksichtigt, die im Grunde nicht standardisierbar sind", erklärt Hildenbrand. " Etwa die individuellen Lebens- und Familiengeschichten und die damit verbundenen Lebenskrisen", so der Soziologe weiter. Zu diesem Zweck analysieren Hildenbrand und seine Mitarbeiterinnen Christiane Sachse und Anja Elstner die Therapieverläufe psychisch kranker und/oder drogenabhängiger Patienten in zwei therapeutischen Einrichtungen und entwickeln mit dem therapeutischen Personal auf dieser Grundlage das Dokumentationssystem. Die gezielte Vernetzung rehabilitierender Maßnahmen in den verschiedenen Arbeitsbereichen soll schließlich zu einer verbesserten berufsfördernden Integration beitragen.

"Uns geht es vor allem darum, Biographien zu verstehen und Ressourcen für Entwicklungen in den unterschiedlichen Bereichen aufzuspüren", so Hildenbrand. Der Schwierigkeit des "Spagats" zwischen Standardisierung einerseits und fallbezogener Betreuung im Rehabilitationsprozess soll durch die Entwicklung eines generalisierbaren Konzepts zur Qualifizierung der Mitarbeiter im Umgang mit dem Dokumentationssystem begegnet werden.

Träger der Entwicklungspartnerschaft ist das Suchtklinische Kompetenzzentrum für soziale Rehabilitation (SKR) e. V. im hessischen Vogelsbergkreis. In der dort beheimateten Fachklinik Melchiorsgrund leben rund 60 Patientinnen und Patienten, die dort medizinisch betreut werden, zusammen wohnen und arbeiten, etwa auf dem dortigen Bauernhof.

Ob sich diese Ergebnisse auch auf andere psychiatrische Rehabilitationseinrichtungen übertragen lassen, testen die Soziologen der Jenaer Universität in einer anderen sozialtherapeutischen Einrichtung, der Holzmühle Kämmeritz unweit von Jena. Die so gewonnenen Erkenntnisse fließen derzeit in das geplante Handbuch "EDV-gestütztes Dokumentationssystem in der beruflichen Rehabilitation von KlientInnen mit Abhängigkeitserkrankungen und/oder psychischen Erkrankungen" ein, das bis Ende 2007 vorliegen soll.

Kontakt:
Prof. Dr. Bruno Hildenbrand
Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Straße 2, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945550
Fax: 03641 / 945552
E-Mail: bruno.hildenbrand[at]uni-jena.de

Uschi Lenk | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

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