Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gesundheit im Betrieb: Vorsorge durch Teilhabe stärken

17.10.2006
Soziologisches Forschungsprojekt zum Gesundheitsmanagement an Universität Jena gestartet

Das deutsche Gesundheitswesen krankt: es ist zu bürokratisch, zu unflexibel und - vor allem - viel zu teuer. Dieses Problem beschäftigt jedoch nicht nur Mediziner und Gesundheitspolitiker. Am Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist gerade ein Forschungsprojekt zur betrieblichen Gesundheitsvorsorge gestartet, das sich mit vorbeugenden Maßnahmen zu physischen und psychischen Belastungen im Arbeitsleben befasst und so langfristig helfen kann, Behandlungskosten einzusparen.

"Aus vielen Industriebetrieben wissen wir, dass das Thema Gesundheit ganz oben auf der Agenda steht", sagt Prof. Dr. Klaus Dörre. Der Inhaber des Lehrstuhls für Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie an der Jenaer Universität leitet das Projekt. "Die Beschäftigten arbeiten unter immer stärkerem Zeit- und Leistungsdruck und riskieren dabei ihre körperliche Gesundheit." Zwar habe das auch das Management erkannt, dennoch gebe es eine Reihe von Verbesserungsmöglichkeiten im betrieblichen Gesundheitsschutz. Das gelte vor allem für vorsorgende Maßnahmen. "Hier gibt es ein großes ungenutztes Potential für Kostensenkungen im Gesundheitssystem", ist der Soziologe der Universität Jena überzeugt.

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis 2009 geförderten Forschungsprojekts wird in drei Unternehmen aus Thüringen und Sachsen zunächst der Bedarf an konkreten Gesundheitsschutzmaßnahmen ermittelt. Anschließend soll die betriebliche Gesundheitsvorsorge verbessert und wissenschaftlich begleitet werden. Dabei setze man ganz gezielt auf die Zusammenarbeit mit den Interessenvertretern der Arbeitnehmer, etwa den Betriebsräten. "Unser Interesse ist es, im Projektverbund auch neue Möglichkeiten der Teilhabe von Beschäftigten auszuloten", macht Prof. Dörre deutlich. So stelle die Verknüpfung des betrieblichen Gesundheitsschutzes mit den Partizipationsmöglichkeiten der Beschäftigten eine Neuerung dar, was sich auch im Projekttitel "PARGEMA - Partizipatives Gesundheitsmanagement" niederschlage.

Das neue Forschungsprojekt fügt sich in die künftige Schwerpunktsetzung der Friedrich-Schiller-Universität ein, sich interdisziplinär mit den Folgen alternder Gesellschaften zu beschäftigen. Nach Einschätzung der Jenaer Soziologen werden sich die Anforderungen an die Arbeitsgestaltung in den kommenden Jahren in starkem Maße ändern. Vor allem gesundheitliche Belange älterer Beschäftigter rücken dabei in den Vordergrund. "In Ostdeutschland werden die Arbeitgeber mit diesem Phänomen übrigens viel früher konfrontiert sein als im Westteil des Landes", so Prof. Dörre. "Aus eigenen Studien wissen wir, hier hat die massive Deindustrialisierung und Schrumpfung bei den heutigen Industrieunternehmen in der Regel für eine Konzentration der Beschäftigten im mittleren und höheren Alter gesorgt."

Kontakt:
Prof. Dr. Klaus Dörre
Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Straße 2, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945521
Fax: 03641 / 945522
E-Mail: Klaus.Doerre[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Gesundheitsschutz Gesundheitsvorsorge Soziologie Teilhabe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie