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Analyse in aktuellen WSI-Mitteilungen - Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Gleitzeit und Co. helfen oft nicht

05.10.2006
Flexible Arbeitszeitformen wie Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit oder Arbeitszeitkonten machen es Beschäftigten durchaus nicht immer einfacher, Berufstätigkeit und Privatleben miteinander zu vereinbaren.

Ob Arbeitnehmer ohne feste Vorgaben für Arbeitsbeginn und -ende wirklich mehr Zeitsouveränität haben, hängt davon ab, wie ihre Arbeit konkret organisiert ist. Das zeigt eine Analyse der Arbeitszeitforscherin Dr. Eva Munz in der aktuellen Ausgabe der WSI-Mitteilungen.*

Insgesamt arbeiten 31 Prozent der abhängig Beschäftigten in Deutschland mit einem so genannten "selbst gesteuerten" Zeitmodell. Eigentlich sollten sie gute Chancen haben, eine Balance zwischen Erwerbstätigkeit und Privatleben, Job und Familie zu finden. Doch die Praxis sieht oft anders aus, erst recht "im Kontext steigender Leistungsanforderungen und schrumpfender Belegschaften", so die Expertin. Munz stützt sich auf eine repräsentative Beschäftigtenbefragung des Kölner ISO-Instituts aus dem Jahre 2003. Die Forscherin hat die Umfrage unter mehr als 4000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern vertieft ausgewertet. Zentrale Ergebnisse:

- Selbst gesteuerte Arbeitszeiten kommen besonders häufig vor auf Arbeitsplätzen mit regelmäßigem Zeit- und Leistungsdruck. Ob die Beschäftigten auf diesen Arbeitsplätzen betreuungsbedürftige Kinder im Haushalt haben, wirkt sich hingegen nicht signifikant aus.

- Die Beschäftigten variieren ihre Arbeitszeiten viel häufiger aus betrieblichen (60 Prozent) als aus privaten Gründen (19 Prozent).

- Arbeitnehmer mit flexiblen Arbeitszeiten leisten öfter Mehrarbeit als ihre Kollegen mit vorgegebenen Anfangs- und Endzeiten - und sie bekommen häufiger keinen Ausgleich dafür.

Die Chancen auf einen fairen Interessenausgleich lassen sich aber vergrößern, zeigen die Daten: Hat ein Unternehmen Arbeitszeitkonten, eine verbindliche Arbeitszeiterfassung und klare Ausgleichsregelungen, steigt die Zeitsouveränität der Beschäftigten, unbezahlte Überstunden fallen seltener an. Dieser Effekt ist besonders stark, wenn ein Betriebsrat existiert, der Ausgleichsregelungen überwachen und den Beschäftigten Rückendeckung bieten kann.

*Eva Munz: Mehr Balance durch selbst gesteuerte Arbeitszeiten?, in: WSI-Mitteilungen 9/2006

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/119.html
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/32014_84216.html

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