Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kinder aus bildungsfernen Haushalten scheitern häufiger am Gymnasium

21.08.2006
Das zeigt Thorsten Schneider von der Universität Bamberg und ehemaliger Mitarbeiter des DIW Berlin, in seiner jüngsten Studie "Does the effect of social origins on educational participation change over the life course?" Die Datenbasis seiner Analysen ist die vom DIW Berlin in Zusammenarbeit mit Infratest Sozialforschung erhobene Längsschnittstudie "Sozio-oekonomisches Panel".

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind nach der Grundschule ein Gymnasium besucht, ist in Deutschland für Kinder aus bildungsfernen Haushalten gering. Nur 14% der Kinder von Eltern mit Hauptschulabschluss schaffen den Sprung auf das Gymnasium, bei Kindern von Abiturienten liegt die Quote bei 68%. Diesen Zusammenhang haben bereits mehrere Studien, z.B. PISA, belegt.

Doch nicht nur der Zugang, auch das vorzeitige 'Aus' auf dem Gymnasium ist durch soziale Auslese geprägt. Verfolgt man die Wege der Kinder, die nach der Grundschule auf das Gymnasium wechseln, dann zeigt sich, dass innerhalb von 6 Jahren 35% der Kinder aus bildungsfernen Haushalten die Ausbildung abbrechen. Hat mindestens ein Elternteil das Abitur liegt die Quote bei nur 20%.

Der starke Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungschancen zeigen sich auch dann, wenn nicht nur der formale Bildungsabschluss, sondern die kulturellen Freizeitaktivitäten der Mutter untersucht werden. Besucht die Mutter mindestens einmal im Monat die Oper, das Theater oder eine Kunstausstellung, hat ihr Kind eine Chance von 59% auf das Gymnasium zu wechseln. Hat sie kein Interesse an diesen Aktivitäten, beträgt die Wahrscheinlichkeit des Wechsels auf das Gymnasium nur 17%.

Bemerkenswert ist außerdem, dass Mädchen mittlerweile deutlich bessere Chancen haben, auf das Gymnasium zu wechseln und diesen Vorsprung in den folgenden Schuljahren weiter ausbauen. Nach 6 Jahren am Gymnasium ist die Erfolgswahrscheinlichkeit von Mädchen 10 Prozentpunkte größer als bei Jungen. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass in Deutschland Frauen die ganz großen Gewinner der Bildungsexpansion sind, Kinder aus Arbeiterfamilien aber nicht.

Schneider hat die Bildungsbiographien von 3003 Kindern rekonstruiert und im Hinblick auf die sozialen Stellung ihrer Eltern analysiert. Die Studie wurde auf der 7. Internationalen GSOEP-Konferenz 2006 in Berlin präsentiert und kann als PDF-Dokument unter folgender Adresse heruntergeladen werden:

http:////www.diw.de/deutsch/dasinstitut/abteilungen/ldm/archiv/ar2006/soep2006/schneider.pdf

Renate Bogdanovic | idw
Weitere Informationen:
http://www.diw.de

Weitere Berichte zu: Grundschule Gymnasium Haushalt Wahrscheinlichkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie