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Kann man informelle Kooperation in Unternehmen organisieren, und wie geht das?

18.07.2006
Im Zeichen von Dezentralisierung, Flexibilisierung und höheren Anforderungen an die Selbstabstimmung der Beschäftigten hat der Begriff der informellen Kooperation Konjunktur - nicht nur in den Unternehmen selbst, sondern auch in der arbeitssoziologischen Debatte. In einer neuen Studie zeigen Dr. Annegret Bolte und Stephanie Porschen vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung in München, dass informelle Kooperation zwar nicht "organisiert", wohl aber organisatorisch unterstützt werden kann. Dafür haben sie gemeinsam mit Unternehmen Möglichkeiten entwickelt und empirisch geprüft: vom Netzmodell über das Hospitations- und Rotationsmodell bis hin zum Beauftragten- und Wanderermodell. Sie zeigen, dass das (scheinbare) Paradox der "Organisation des Informellen" in der Praxis fruchtbar gemacht werden kann.

"Modelle zur Organisation von Kooperation im Arbeitsalltag" stellen Dr. Annegret Bolte und Stephanie Porschen in ihrem jüngst beim Verlag für Sozialwissenschaften (VS) erschienenen Buch "Die Organisation des Informellen" vor. In einer Reihe von Forschungsprojekten, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms "Innovative Arbeitsgestaltung - Zukunft der Arbeit" gefördert wurden, haben sie die informelle Kooperation in Unternehmen untersucht. Sie stellen fest, dass diese Form der Zusammenarbeit entgegen vielen Erwartungen an Bedeutung zugenommen hat, denn Dezentralisierung und Flexibilisierung haben zu erhöhten Anforderungen an die Selbstabstimmung und Kooperation der Beschäftigten geführt. Doch häufig wird diesem gestiegenen Koordinationsbedarf hauptsächlich mit der Installierung neuer formeller Gremien und Meetings begegnet. Bolte und Porschen zeigen anhand eigener empirischer Forschungen, dass auf diese Weise nicht selten der besondere Wert der informellen Kooperation im Arbeitsalltag gefährdet wird - Meetings sind mittlerweile für viele Beteiligte geradezu zum Schreckgespenst geworden.

Die Arbeitsforscherinnen bleiben jedoch nicht bei dieser Kritik stehen - sie zeigen Wege aus dem Dilemma. Anhand im betrieblichen Alltag erprobter und von ihnen wissenschaftlich begleiteter Modelle machen sie deutlich, wie informelle Kooperation organisatorisch unterstützt und gestaltet werden kann, ohne den besonderen Charakter des Informellen zu zerstören. Dabei beziehen sie sich auf das Konzept der erfahrungsgeleiteten Kooperation, das bereits in früheren Publikationen aus dem ISF München (vor allem: Fritz Böhle/Annegret Bolte: Die Entdeckung des Informellen, Campus Verlag) vorgestellt wurde. Ob Einführungsseminar für Auszubildende, Hospitationen und Job Rotation oder Tandems und "Wanderer zwischen den Welten" - eine Vielzahl praktischer Beispiele bietet Anregungen für die organisatorische Phantasie.

In großem Umfang kommen in der Studie die Beschäftigten selbst zu Wort. Das ist von besonderer Bedeutung, damit ihnen nicht unvermittelt formale Modelle übergestülpt und neue Belastungen auferlegt werden, die die Bedingungen für Selbstabstimmung und selbstgesteuerte Kooperation verschlechtern statt verbessern - mit negativen Konsequenzen für den Unternehmenserfolg. Informelle Kooperation benötigt Freiräume, aber auch Berücksichtigung, Unterstützung und Anerkennung seitens der Unternehmensleitung und der Vorgesetzten.

Das ISF München ist ein unabhängiges, seit 1965 bestehendes Sozialforschungsinstitut mit gut 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und spielt eine führende Rolle auf den Gebieten der Arbeits- und Industriesoziologie.

Rückfragen können Sie gern jederzeit richten an Frank Seiß, 089/272921-78, frank.seiss@isf-muenchen.de

Frank Seiß | idw
Weitere Informationen:
http://www.isf-muenchen.de
http://pt-ad.pt-dlr.de/438_DEU_Live.htm

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