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Bemerkenswerte Feldstudie belegt: Über 50 Prozent der Freiburger Studentinnen kennen sexuelle Belästigung aus eigener Erfahrung
Bislang gibt es in Deutschland im Bereich der Sexualstraftaten noch kaum verlässliche Zahlen, wie groß die Dunkelziffer tatsächlich ist. Vor dem Hintergrund bisheriger Studien, wird sie teilweise auf über 90 Prozent geschätzt. Diese Forschungslücke wird nun von einer am Psychologischen Institut der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität erstellten Diplomarbeit zumindest ansatzweise geschlossen.
Die Arbeit, die von Silvia Chouaf vorgelegt und von Prof. Dr. Helmut Kury betreut wurde, basiert auf einer umfassenden Befragung unter den Freiburger Studentinnen. Im Rahmen dieser Befragung gaben 58,1 Prozent der Freiburger Studentinnen an, schon einmal von einem Mann verfolgt beziehungsweise auf eine Art und Weise beobachtet worden zu sein, die ihnen Angst gemacht hat. Weiterhin ergab die empirische Studie, dass immerhin 40,7 Prozent der Studentinnen mindestens einmal gegen ihren Willen an den Brüsten oder den Genitalien berührt wurden. Und fast jede vierte Frau, so die Studie, hat schon einmal mit einem Mann geschlafen, weil es ihr unmöglich schien, sich gegen die Annäherungsversuche zur Wehr zu setzen. Bei all diesen alarmierenden Zahlen scheint es immerhin beruhigend, dass die sexuellen Belästigungen der Studentinnen am Arbeitsplatz im Vergleich relativ selten vorkommen. So hatten lediglich ein Prozent der Studentinnen schon einmal mit einem Mann sexuellen Kontakt, weil ihnen mit Bestrafung gedroht worden war oder ihnen eine Belohnung versprochen wurde.
Außerdem untersucht die Diplomarbeit den Zusammenhang zwischen geschlechtlichem Selbstverständnis und der Häufigkeit sexueller Übergriffe. Hierzu mussten sich die Probanden den Gender-Gruppen "maskulin", "feminin", "androgyn" und "undifferenziert" zuordnen. Zwar waren die statistischen Ergebnisse bei den vier Gruppen uneinheitlich, insgesamt ließ sich jedoch kein systematischer Zusammenhang zwischen Geschlechterorientierung und sexueller Belästigung nachweisen.
In weiterer Zukunft hofft Professor Kury, ein breiteres Publikum für diese Thematik zu interessieren. Denn, auch wenn diese Resultate, so der Psychologe, nicht ohne weiteres verallgemeinerbar sind, bringen sie doch ein wenig Licht in das bestehende Dunkel.
Kontakt:
Arbeitsgruppe Forensische Psychologie
Psychologisches Institut der Universität Freiburg
Prof. Dr. Helmut Kury, MPI für Strafrecht, Günterstalstraße 73, D-79100 Freiburg i.Brsg.
Tel: 0761/7081-238, Fax: 0761/7081-294, E-Mail: h.kury@iuscrim.mpg.de
Rudolf-Werner Dreier | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
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