Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Psychologisches Institut untersucht die Dunkelziffer bei Sexualstraftaten

05.12.2001


Bemerkenswerte Feldstudie belegt: Über 50 Prozent der Freiburger Studentinnen kennen sexuelle Belästigung aus eigener Erfahrung


Bislang gibt es in Deutschland im Bereich der Sexualstraftaten noch kaum verlässliche Zahlen, wie groß die Dunkelziffer tatsächlich ist. Vor dem Hintergrund bisheriger Studien, wird sie teilweise auf über 90 Prozent geschätzt. Diese Forschungslücke wird nun von einer am Psychologischen Institut der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität erstellten Diplomarbeit zumindest ansatzweise geschlossen.

Die Arbeit, die von Silvia Chouaf vorgelegt und von Prof. Dr. Helmut Kury betreut wurde, basiert auf einer umfassenden Befragung unter den Freiburger Studentinnen. Im Rahmen dieser Befragung gaben 58,1 Prozent der Freiburger Studentinnen an, schon einmal von einem Mann verfolgt beziehungsweise auf eine Art und Weise beobachtet worden zu sein, die ihnen Angst gemacht hat. Weiterhin ergab die empirische Studie, dass immerhin 40,7 Prozent der Studentinnen mindestens einmal gegen ihren Willen an den Brüsten oder den Genitalien berührt wurden. Und fast jede vierte Frau, so die Studie, hat schon einmal mit einem Mann geschlafen, weil es ihr unmöglich schien, sich gegen die Annäherungsversuche zur Wehr zu setzen. Bei all diesen alarmierenden Zahlen scheint es immerhin beruhigend, dass die sexuellen Belästigungen der Studentinnen am Arbeitsplatz im Vergleich relativ selten vorkommen. So hatten lediglich ein Prozent der Studentinnen schon einmal mit einem Mann sexuellen Kontakt, weil ihnen mit Bestrafung gedroht worden war oder ihnen eine Belohnung versprochen wurde.


Außerdem untersucht die Diplomarbeit den Zusammenhang zwischen geschlechtlichem Selbstverständnis und der Häufigkeit sexueller Übergriffe. Hierzu mussten sich die Probanden den Gender-Gruppen "maskulin", "feminin", "androgyn" und "undifferenziert" zuordnen. Zwar waren die statistischen Ergebnisse bei den vier Gruppen uneinheitlich, insgesamt ließ sich jedoch kein systematischer Zusammenhang zwischen Geschlechterorientierung und sexueller Belästigung nachweisen.

In weiterer Zukunft hofft Professor Kury, ein breiteres Publikum für diese Thematik zu interessieren. Denn, auch wenn diese Resultate, so der Psychologe, nicht ohne weiteres verallgemeinerbar sind, bringen sie doch ein wenig Licht in das bestehende Dunkel.

Kontakt:

Arbeitsgruppe Forensische Psychologie
Psychologisches Institut der Universität Freiburg
Prof. Dr. Helmut Kury, MPI für Strafrecht, Günterstalstraße 73, D-79100 Freiburg i.Brsg.
Tel: 0761/7081-238, Fax: 0761/7081-294, E-Mail: h.kury@iuscrim.mpg.de

Rudolf-Werner Dreier | idw

Weitere Berichte zu: Dunkelziffer Sexualstraftat Studentin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften