Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bremer Studie zur "Lust des wollüstigen Küssens"

19.11.2001


Uns treibt die Wollust zum Küssen. Das jedenfalls behauptet die Bremer Kulturwissenschaftlerin Dr. Ingelore Ebberfeld, in ihrer Studie zur Kulturgeschichte des Kusses. Der Zungenkuss sei nichts anderes als ein symbolischer Geschlechtsverkehr. Mit diesen Thesen steht die Wissenschaftlerin im Widerspruch zu Sigmund Freud, der das Küssen vom Saugen an der Mutterbrust ableitet.

Küsse haben es in sich. Sie versprechen alles. Das jedenfalls behauptet Dr. Ingelore Ebberfeld, Kulturwissenschaftlerin an der Universität Bremen. Ihrer Meinung nach treibt uns die Wollust zum Küssen. Der Zungenkuss sei nichts anderes als ein symbolischer Geschlechtsverkehr. Nach Ansicht der Bremer Wissenschaftlerin ist das Küssen aus dem ehemaligen Beschnüffeln und Belecken unserer Vorfahren am Hinterteil hervorgegangen. Erst als sich der Mensch von der Erde erhob, hat er die sexuelle Kontaktaufnahme "von unten nach oben verlegt". Zum Kuss selbst werden wir durch die angeborene Berührungs- und Schnüffellust getrieben.

Mit ihren Thesen steht Ingelore Ebberfeld im Widerspruch zu Sigmund Freud und Irenaüs Eibl-Ebesfeldt, die das Küssen vom Saugen an der Mutterbrust, von der Mund-zu-Mund-Fütterung oder dem Brutpflegeverhalten ableiten. Diesen Theorien kann Ebberfeld nichts abgewinnen, "weil man damit nicht alle Kussarten unter einen Hut bringen kann". So lassen sich etwa der Nasenkuss und die Küsse unterhalb der Gürtellinie damit nicht erklären.

Der Ursprung des Küssens ist keineswegs harmlos und unschuldig, sondern sexueller Natur, weißt die Forscherin nach. Deshalb galt und gilt in vielen Gesellschaft noch immer: kein Kuss vor der Ehe oder in der Öffentlichkeit. Nicht selten kam es in früheren Epochen zu drakonischen Strafen, wie Ebberfeld in ihrer Kulturgeschichte des Kusses zeigt. So wurde zum Beispiel im 13. Jahrhundert ein Bischof des Landes verwiesen, weil er ohne zu fragen, die Wangen der Gemahlin von Rudolph I. von Habsburg geküsst hatte. In Frankreich enthauptete man kurzerhand einen Mann, weil er der Ehefrau eines Nachbarn einen Kuss geraubt hatte. Ähnlich erging es einem Römer, der für seine Missetat auf eine Galeere geschmiedet wurde. Selbst heutzutage muss mancherorts mit 99 Peitschenhieben gerechnet werden, wenn man die Geliebte öffentlich küsst.

Derart drastisch geht es bei uns nicht zu. Ganz im Gegenteil: Geküsst wird allerorts und überall hin. Längst zählt sogar der Oralverkehr zum festen Bestandteil der meisten Kinofilme. Dennoch messen selbst Sexualwissenschaftler Küssen wenig Bedeutung zu. Zu unrecht meint Ingelore Ebberfeld, "weil sie zum Dreh- und Angelpunkt unserer Sexualität geworden sind". Aus dem sexuellen Kuss sind alle anderen Küsse, wie der Hand-, Fuß- oder Friedenskuss hervorgegangen. In ihrer Studie hat die Bremer Kulturwissenschaftler sich mit einer Forschungslücke beschäftigt und widmete sich ausschließlich den wollüstigen Küssen.

Die Studie ist auch als Buch erhältlich: Ingelore Ebberfeld: Küss mich - Eine unterhaltsame Geschichte der wollüstigen Küsse. Ulrike Helmer Verlag.

Weitere Informationen:
Universität Bremen - Fachbereich Kulturwissenschaften

... mehr zu:
»Geschlechtsverkehr »Kuss

PD Dr. Ingelore Ebberfeld - Tel. 0421 / 493390

Angelika Rockel | idw

Weitere Berichte zu: Geschlechtsverkehr Kuss

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht Sterblichkeit durch Rauchen für ostdeutsche Frauen bald höher als für westdeutsche
10.05.2017 | Max-Planck-Institut für demografische Forschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie