Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Privatsphäre und Überwachungstechnologie - Interkulturelle und interdisziplinäre Perspektive

07.02.2006


Unter Leitung von Karsten Weber, Axel Schulz und Ricarda Drüeke (alle Frankfurt/Oder) findet am 10. und 11. Februar am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld eine Tagung zum Thema "Privatsphäre und Überwachungstechnologie - Interkulturelle und interdisziplinäre Perspektiven" statt. Die Unterscheidung einer privaten und einer öffentlichen Sphäre des Lebens ist für westlich geprägte Gesellschaften konstituierend, vor allem für die Organisation des politischen Lebens sowie als Instrumentarium für juristische Entscheidungen - gleichzeitig stellen Öffentlichkeit und Privatsphäre wichtige Lebensbereiche aller Mitglieder einer Gesellschaft dar. Spätestens seit Louis D. Warren und Samuel D. Brandeis in ihrem Artikel A Right to Privacy 1890 eine konzise Definition des Privaten gegeben haben, ist die Unterscheidung von Öffentlichkeit und Privatsphäre Gegenstand der Rechtswissenschaften, Sozialwissenschaften oder auch der politischen Philosophie. Die technischen und sozialen Entwicklungen seit dem Erscheinen des Artikels erfordern nun eine neue Diskussion über das, was die Ausdrücke ’privat’ und ’öffentlich’ bezeichnen sollen, wie diese beiden Begriffe heute zueinander stehen und worin sie sich unterscheiden. Denn Informations- und Kommunikationstechnologie macht möglich, was bei Jeremy Bentham zwar bereits an- und später bei Michel Foucault weitergedacht wurde, aber doch erst jetzt tatsächlich realisierbar wird: die völlige und allgegenwärtige Überwachung und Kontrolle letztlich jeden Aspekts unseres Lebens.



Wie sich dies auf unsere Gesellschaften und insbesondere auf unser Verständnis der Privatsphäre auswirken wird, ist dabei beileibe nicht klar. Die liberale Auffassung, dass es einen Raum des Privaten geben müsse, damit sich Menschen zu autonomen, selbstbewussten, kritikfähigen und kreativen Persönlichkeiten entwickeln könnten, ist zunächst eine Idee, die eng mit der abendländischen Kultur verbunden zu sein scheint. In anderen Kulturen jedoch finden sich andere, aber funktional äquivalente soziale Umgangsformen, Normen oder Institutionen, die an die Stelle der Privatsphäre treten. Westlich geprägte Gesellschaften werden daher sicherlich bei Umgestaltungen im Raum des Privaten nicht zusammenbrechen, aber sie werden sich verändern.



Entscheidend wird jedoch mit Sicherheit einerseits sein, wie sich in Zukunft die Technologien entwickeln werden, die zur Überwachung und Kontrolle genutzt werden können, andererseits aber, wie sich die betroffenen Menschen und ihre Gesellschaften als Ganzes dazu verhalten werden. Die Verwendung entsprechender Technologien wird beileibe nicht mehr nur von staatlichen Institutionen vorangetrieben, wie dies beispielsweise in den 1980er Jahren in Deutschland befürchtet wurde, sondern Überwachung und Kontrolle wird zunehmend von privaten Akteuren ausgeübt - von Unternehmen, Arbeitgebern und nicht zuletzt von uns selbst. Insbesondere ökonomische Interessen befördern die Sammlung von Informationen über Konsumenten, Arbeitnehmer oder einfach andere Personen: wer etwa das bisherige Konsumverhalten seiner Kunden gut kennt, kann dieses Wissen möglicherweise zur Steuerung zukünftigen Konsums nutzen.

Diesen nur kurz skizzierten Fragen soll in diesem Workshop nachgespürt werden. In Vorträgen und Diskussionen wird versucht, sich dem Thema Privatsphäre sowohl aus einer interdisziplinären Perspektive zu nähern - es werden Sozial-, Politik- und Medienwissenschaftler sowie Juristen, Informatiker und Philosophen sprechen - als auch eine kulturübergreifende Position einzunehmen, um unter anderem eine Antwort darauf zu finden, ob Privatsphäre tatsächlich ausschließlich kulturspezifisch gegeben ist oder ob verschiedene Varianten davon existieren, die in unterschiedlichen sozialen Formen auftreten können.

Bei inhaltlichen Fragen: PD Dr. Karsten Weber, Tel. 0335/5534 2247; E-Mail: kweber@euv-frankfurt-o.de

Anfragen zur Tagungsorganisation: Tagungsbüro des ZiF, Tel. 0521/106 2769; Email: Trixi.Valentin@uni-bielefeld.de

Pressemitteilung Nr. 30/2006
Universität Bielefeld
Informations- und Pressestelle
Dr. Hans-Martin Kruckis
Telefon: 0521/106-4074 (Sekretariat: 4146)
Fax: 0521/106-2964
E-Mail: hans-martin.kruckis@uni-bielefeld.de

Dr. Hans-Martin Kruckis | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bielefeld.de/
http://www.uni-bielefeld.de/ZIF/AG/2006/02-10-Weber.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie