Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Wechsel zwischen den Geschlechtern

02.02.2006


Forschungsprojekt zur Transsexualität am Universitätsklinikum



Der Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden, wird in der Bundesrepublik den Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen zu-geordnet. Die Einstufung der Transsexualität als Krankheit erleichtert die Durchführung medizinischer Maßnahmen und deren Finanzierung durch die Krankenkassen. Was danach für die Betroffenen folgt, ist einerseits etablierte Medizin - Operation und zum Teil lebenslange Nachbehandlungen. Andererseits spielen die damit verbundenen ethischen Fragen in den betroffenen Fachdisziplinen bislang kaum eine Rolle. Wird das Persönlichkeitsrecht der Transsexuellen in der gegenwärtigen medizinischen und rechtlichen Praxis angemessen berücksichtigt? Führt eine Einordnung der Transsexualität als Krank-heit zu einer Stigmatisierung?



Diesen Problemen widmet sich nun ein Projekt der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen, das am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Dominik Groß angesiedelt ist. Das unter der Federführung von Jan Steinmetzer bearbeitete Forschungsvorhaben trägt den Titel "Medizinethische Aspekte in der Behandlung Transsexueller". Es ist zunächst auf die Dauer von zwei Jahren angelegt und mit 50.000 Euro ausgestattet. "Die Gesellschaft verlangt in der Regel eine klare Geschlechtszuordnung", führt Groß aus. Aus diesem Grund werde dem Phänomen Transidentität oftmals mit Ablehnung und Ausgrenzung begegnet. Ziel des Projekts ist es dementsprechend, konkrete Konfliktfelder zu definieren.

Die Wissenschaftler gehen dabei in zwei Schritten vor: Als erstes erfolgt eine systematische Untersuchung der einschlägigen internationalen Literatur. Auch Filme und weitere Medien werden einbezogen, um ein möglichst vollständiges Bild vom Umgang mit Transsexualität zu erhalten. Im zweiten Schritt wird in Kooperation mit der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie (Direktorin: Univ.-Prof. Christine Neuschäfer-Rube) in standardisierten und narrativen Interviews mit den Betroffenen der medizinethische Handlungsbedarf ausgelotet und dem bisherigen Behandlungsregime gegenübergestellt. "Um alle wesentlichen Teilaspekte zu berücksichtigen, setzen wir auf Kooperation", so Groß. Deshalb werden neben der Phoniatrie mittelfristig auch die Disziplinen Endokrinologie, Chirurgie, Soziologie und Psychologie einbezogen.

"Am Ende der interdisziplinären Zusammenarbeit sollen Leitlinien für den Umgang mit Transsexualität stehen", wünscht sich Prof. Groß. Außerdem erhofft sich der Mediziner und Ethiker eine gesellschaftliche Diskussion, die neben ethischen Fragen am Lebensanfang und Lebensende nunmehr ein Thema aus der Mitte des Daseins aufgreift. Zu diesem Zweck sind öffentlichkeitswirksame Initiativen wie Workshops und Tagungen vorgesehen."

Weitere Informationen erhalten Sie bei Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med.dent. Dr. phil. Dominik Groß, Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der RWTH Aachen, Wendlingweg 2, 52074 Aachen, Telefon 0241/80-88095, Fax 0241/80-82466, E-mail gte-med-sekr@ukaachen.de. Toni Wimmer

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizingeschichte.ukaachen.de

Weitere Berichte zu: Ethik Geschlecht Phoniatrie RWTH Transsexualität

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Studie für Patienten mit Prostatakrebs: Einteilung in genomische Gruppen soll Therapie präzisieren

21.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Forscher entwickeln zweidimensionalen Kristall mit hoher Leitfähigkeit

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index

21.08.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz