Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum Männer früher sterben

24.01.2006


Genetik, Risiken und Unvernunft im Fokus der Wissenschaft

... mehr zu:
»Lebenserwartung »Rauchen

"Warum Männer früher sterben" - Dieses Thema der nächsten Veranstaltung in der jedermann zugänglichen Fortbildungsreihe am Institut für Ethik in der Medizin klingt eindeutig. Eine eindeutige oder gar knappe Antwort auf diese Frage gibt es jedoch nicht. Ein paar Aspekte seines Vortrages erläutert Prof. Elmar Brähler, Leiter der Selbständigen Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig.

Wie viel früher sterben die Männer denn?


In Deutschland werden Frauen derzeit durchschnittlich 81 Jahre alt, die Männer hingegen nur knapp 75. In den meisten Industrienationen mit einem entwickelten Gesundheitswesen ist das ähnlich. In der dritten Welt, wo insbesondere die medizinische Versorgung von Mädchen und Frauen schlecht ist, sterben Männer und Frauen etwa gleich jung. Der dramatischste Unterschied ist jedoch seit rund 15 Jahren in Russland und Weißrussland zu registrieren. Dort werden Frauen im Durchschnitt 68 bis 69 Jahre alt, während die Männer schon zehn Jahre früher sterben und damit beispielsweise noch vor ihren Geschlechtsgenossen in Indien. Neugierig machen sollte uns Japan, wo die Menschen nicht nur generell sehr alt werden und prozentual die meiste Zeit behinderungsfrei genießen, sondern die Männer fast ebenso lange leben wie die Frauen.

Hierzulande haben Frauen sechs Prozent mehr Lebenszeit. Sind die ein Geschenk der Natur oder haben sie sich die verdient?

Beides. Das Leben eines Mannes ist riskanter. Und das schon von Anbeginn an. Gleichzeitig mit 100 weiblichen Embryos werden 120 bis 130 männliche gezeugt; gleichzeitig mit 100 Mädchen erblicken 105 Knaben das Licht der Welt. Aber schon bei den über 65-Jährigen - da klammere ich also bereits die Kriegsgeneration aus - machen die Frauen 60,5 Prozent der Bevölkerung aus. Welche rein biologischen Dinge da eine Ursache sind und was aus dem Rollenverhalten resultiert, konnte bislang noch niemand genau abgrenzen. Fest steht, dass Männer durch ihren Alltag häufiger Unfälle erleiden, durch den Beruf mehr Gefahren ausgesetzt sind und auch, dass sie in jedem Lebensabschnitt häufiger den Ausweg des Suizids suchen. Das potenziert sich durch die ungesündere, sorglosere Lebensweise des Durchschnittsmannes: Er trinkt mehr Alkohol, isst fettiger, raucht häufiger, geht seltener zum Arzt, nutzt deutlich weniger die Angebote zur Vorsorgeuntersuchung ?

Die Pluspunkte der Frauen andererseits sind ebenfalls noch relativ unklar. Zweifellos war die Entbindung eine der gefährlichsten Situationen in ihrem Leben. Allerdings ist nicht zu sagen, inwieweit Mutterschaft oder Menstruation im Gegenzug gesundheitsförderlich sind. Über protektive Faktoren wird derzeit viel spekuliert. Fest steht, dass sich die Frau mehr um ihre Gesundheit kümmert.

Wie aber kann man beweisen, dass die sorglose Lebensweise des Durchschnittsmannes Lebensjahre kostenden Auswirkungen hat?

Es gibt da eine Studie, die ich besonders liebe, die so genannte Klosterstudie. Mönche und Nonnen - also Menschen die in Sachen Alkohol, Rauchen, Stress, Ernährung, soziale Strukturen unter ähnlichen Umständen leben - erreichen fast das gleiche Alter.

Die Lebenserwartung beider Geschlechter steigt. Ein Mädchen, das heute in Deutschland geboren wird, hat gute Chancen, einhundert Jahre alt zu werden, ein Junge 95. Ist das ein beständiger Trend?

Die Hypothesen überschlagen sich. Manche Experten meinen, dass die Lebenserwartung mit jedem Jahr, das ein Kind später geboren wird um zwei Monate steigen könnte. Ich bin da sehr vorsichtig, denn es gibt auch gegenläufige Tendenzen. Hierzulande wuchs noch nie eine Kinder-Generation heran, die im Durchschnitt so übergewichtig und so träge war wie die heutige. Wir wissen nicht, wie es den Computer-Spielern und Chips-Vertilgern in 50, 60 oder 70 Jahren gehen wird. Es ist auch zu befürchten, dass Aspekte wie das Bildungsniveau sich künftig noch stärker aus Gesundheit und Lebenserwartung auswirken werden.

Was die Männer und die Frauen betrifft, deutet sich innerhalb der derzeit allgemeinen Erhöhung der Lebenserwartung eine Annäherung an. Die heute 70jährigen Männer sind ebenso fit wie ihre Frauen. Der Anteil der Pflegebedürftigen ist inzwischen etwa gleich. Möglicherweise fruchten die Bemühungen, auch die Männer zu gesundheitsbewusstem Leben anzuregen. Aber gleichzeitig müssen wir feststellen, dass sich die Frauen auch in einigen Dingen an den Männern ein Beispiel nehmen, in Sachen Rauchen zum Beispiel.

An der Universität Leipzig gibt es ein Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung, in dem auch Ihre Abteilung mitwirkt. Welche Forschungsschwerpunkte werden dort aktuell gesetzt?

Dadurch dass wir fachbereichsübergreifend arbeiten, sind es sehr viele. Wir arbeiten derzeit zum Beispiel an einer Studie, die solche Frage beantworten soll wie: Wann gehen Männer und wann gehen Frauen zum Arzt? Früher wurden Frauen häufiger krankgeschrieben als Männer, das hat sich ausgeglichen - warum? Eine andere Studie hinterfragt, ob es sinnvoll ist, Männern ab 40 das Hormon Testosteron zu verabreichen. Wir befinden uns hier auf einem Forschungsgebiet, in dem noch viele Fragen offen sind.

Die Veranstaltung "Warum Männer früher sterben" findet am Mittwoch, dem 25. Januar ab 17.15 Uhr im Hörsaal der Hautklinik (Leipzig, Liebigstraße 21) statt.

weitere Informationen :
Prof. Dr. Elmar Brähler
Telefon: 0341 97-18800
E-Mail: elmar.braehler@medizin.uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~medpsy
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Berichte zu: Lebenserwartung Rauchen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie

Vom Feld in die Schule: Aktuelle Forschung zu moderner Landwirtschaft für den Unterricht

23.01.2017 | Bildung Wissenschaft

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten