Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Forschungsprojekt: Der Faktor Sterblichkeit und die Messung von Armut

21.12.2005


Volkswirte untersuchen Einfluss von Sterblichkeitsraten auf die Analyse der Wohlfahrtsentwicklung



(pug) Der Faktor "Sterblichkeit" und sein Einfluss auf die Messung von Armut, Ungleichheit und Wohlfahrt ist Thema eines neuen Forschungsprojektes, das Wissenschaftler der Universität Göttingen durchführen. Prof. Stephan Klasen, Ph.D., und Juniorprofessor Dr. Michael Grimm vom Volkswirtschaftlichen Seminar untersuchen, wie sich unterschiedliche Sterblichkeitsraten in reichen und armen Bevölkerungsgruppen auf die ökonomische Wohlfahrt in Entwicklungsländern und deren statistische Erfassung und Auswertung auf mikro- und makroökonomischer Ebene auswirken. Sie gehen zudem der Frage nach, wie Haushalte "Wohlfahrtsverluste" ausgleichen, wenn ein Mitglied stirbt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das auf zwei Jahre angelegte Projekt vom 1. Januar 2006 an mit rund 110.000 Euro für Mitarbeiterstellen und Sachmittel.



"Die meisten Wohlfahrtsindikatoren sind Größen, die sich auf die derzeit lebende Bevölkerung beziehen. Die Vernachlässigung von Sterblichkeit kann die Analyse von Wohlfahrtsveränderungen erheblich verzerren", so Prof. Klasen. "Ist etwa die Sterblichkeitsrate unter der armen Bevölkerung höher als in den reichen Bevölkerungsteilen, sinken allein aufgrund dieser differentiellen Sterblichkeit die üblicherweise verwendeten Armutsindikatoren. Real haben sich jedoch die Einkommen der armen Bevölkerungsgruppe nicht geändert", erläutert der Wissenschaftler. Weitere Aspekte betreffen die Aids-Epidemie in Afrika sowie geschlechtsspezifische Abtreibungen in Asien. Die Forscher untersuchen, inwiefern solche Phänomene Standard-Wohlfahrtsindikatoren verzerren. In einem zweiten Schritt suchen sie nach Möglichkeiten, diese Verzerrungen in der Wohlfahrtsmessung zu vermeiden. "Dies ist insbesondere notwendig, um wirksame Strategien der Armutsbekämpfung entwickeln zu können", sagt Prof. Grimm. Darüber hinaus setzen sich die Wissenschaftler theoretisch und empirisch mit der Frage auseinander, wie Haushalte mit Entscheidungen über Konsum, Sparen und Arbeitsangebot auf den Tod eines Mitglieds reagieren und damit die Auswirkungen eines Sterbefalls zu kompensieren versuchen.

Zu den Forschungsschwerpunkten von Prof. Klasen in der Volkswirtschaftstheorie und der Entwicklungsökonomik gehören die Messung von Armut und Ungleichheit, Unterernährung und Kindersterblichkeit in Entwicklungsländern sowie der Einfluss von geschlechtsspezifischer Ungleichheit auf das Wirtschaftswachstum und die Entwicklung der Bevölkerung. Prof. Grimm forscht unter anderem zu den ökonomischen Konsequenzen von Aids in Entwicklungsländern sowie zum Einfluss der Sterblichkeit auf Einkommen und Armut. Zudem evaluiert er die Wohlfahrtseffekte, die von Strategien zur Armutsbekämpfung und von makroökonomischen Schocks ausgehen.

Kontaktadresse:
Prof. Stephan Klasen, Ph.D.
Prof. Dr. Michael Grimm
Georg-August-Universität Göttingen
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Volkswirtschaftliches Seminar
Platz der Göttinger Sieben 3, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-7303, -8170
Fax (0551) 39-7302, -8173
e-mail: sklasen@uni-goettingen.de
e-mail: mgrimm@uni-goettingen.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de/
http://www.vwl.wiso.uni-goettingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten