Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wahrnehmung und Handlung sind nicht voneinander isoliert

04.10.2005


Magdeburger Wissenschaftler veröffentlichen in Nature Neuroscience


Objekte zu erkennen lernen, wird zunächst nur mit Wahrnehmungsleistungen assoziiert. Oft ist die Wahrnehmung eines bestimmten Objekts aber auch mit einer bestimmten Handlung verknüpft. Die Wahrnehmung einer roten Ampel bedeutet für Autofahrer in der Regel das Betätigen der Bremse. Die neuronalen Prozesse, die dieser Verknüpfung von Wahrnehmung und Handlung zugrunde liegen, haben Prof. Dr. Stefan Pollmann und Diplompsychologin Marianne Maertens vom Institut für Psychologie II an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg mittels eines bildgebenden Verfahrens, der ereigniskorrelierten Magnetresonanztomographie, untersucht. Die Ergebnisse dieser Forschungen werden in der renommierten Zeitschrift Nature Neuroscience veröffentlicht (Shift of activity from attention to motor-related brain areas during perceptual learning, im Internet unter http://www.nature.com/neuro/index.html).

Die Probanden erlernten in einer Reihe von fünf Experimentalsitzungen eine schwierige visuelle Musterunterscheidung. Durch eine manuelle Reaktion mussten sie die Gleichheit oder Verschiedenheit zweier Muster anzeigen. Im Laufe des Experiments beobachteten die Wissenschaftler eine Abnahme der Aktivierung in einem Areal des posterioren Parietalkortex, das aufmerksamkeitsfordernde visuelle Prozesse unterstützt. Umgekehrt war eine Zunahme der Aktivierung in motorischen Arealen, die die Planung und Ausführung von Handbewegungen möglich machen, erkennbar. Je weniger Aufmerksamkeit die Mustererkennung im Laufe des Lernens forderte, umso mehr stieg die motorische Aktivierung. Dieses gegenläufige Aktivierungsmuster zeigt, dass neuronale Prozesse der Wahrnehmung und Handlung nicht voneinander isoliert sind, sondern in einer Weise miteinander interagieren, die es erleichtert, angemessen auf die Wahrnehmung eines Objektes zu reagieren.


Die Forschungen von Prof. Dr. Stefan Pollmann, seit November 2004 Professor für Allgemeine Psychologie an der Universität Magdeburg, richten sich darauf, zu verstehen wie Menschen ihre Umwelt wahrnehmen, wie aus einer Flut von Sinneseindrücken jene Informationen herausgefiltert werden, die gerade von Belang sind, wie Regelhaftigkeiten in der Umwelt entdeckt und für die Orientierung genutzt werden. Nach seinem Studium in Göttingen war Stefan Pollmann für ein Jahr an der University of California, Los Angeles. An der Universität München promovierte er zu semantischen Gedächtnisstörungen bei Alzheimer-Demenz. Arbeiten zur räumlichen Orientierung bei hirngesunden Probanden und "split brain"-Patienten führten zur Habilitation an der FU Berlin für das Fach Psychologie. Am Leipziger Max-Planck-Institut für neuropsychologische Forschung half er, die funktionelle Magnetresonanztomographie zu etablieren.

Dipl.-Psych. Marianne Maertens erforscht als Doktorandin in der Arbeitsgruppe von Professor Pollmann neuronale Korrelate perzeptueller Lernprozesse, zur Zeit ist sie für einen Forschungsaufenthalt am Center for Neural Science der New York University beurlaubt.

Für weitere Fragen steht gern zur Verfügung:
Prof. Dr. Stefan Pollmann,
Institut für Psychologie II,
Fakultät für Naturwissenschaften,
Tel.: 0391 67-18474,
E-Mail: stefan.pollmann@nat.uni-magdeburg.de

Waltraud Riess | idw
Weitere Informationen:
http://www.nature.com/neuro/index.html
http://www.uni-magdeburg.de

Weitere Berichte zu: Aktivierung Orientierung Psychologie Wahrnehmung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise