Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Intelligenz ist mehr als der Intelligenztest misst

21.09.2005


Intelligenz wird oft durch eine oder mehrere Zahlen eines Intelligenzquotienten repräsentiert. Der Kognitionspsychologe Prof. Dr. Dr. Markus Raab von der Universität Flensburg zeigt in seiner aktuellen Veröffentlichung "Intelligence as smart heuristics"*, dass Intelligenz mehr ist: Nämlich geeignete Strategien auszuwählen und in vielfältigen alltäglichen Situationen sinnvoll anzuwenden. Beispielsweise wird die Strategie "Hilfst du mir, helf ich dir" (Tit-for-tat-Heuristik) in Situationen, in denen viele Menschen nach diesem Prinzip handeln, effektiv sein. Sie wird dagegen weniger effektiv sein, wenn keine Gegenleistung erwartet werden kann. Intelligent ist demnach, wer kooperatives Verhalten den Handlungen anderer Menschen anpasst.

... mehr zu:
»Intelligenz »Intelligenztest

Für den Kognitionsexperten Raab ist Intelligenz etwas bereichsspezifisches, das durch viele Erfahrungen und Wissen genährt wird. Dementsprechend sind Intelligenztests, die am Ende einen Intelligenzkoeffizienten berechnen, nur unzureichend in der Lage, Intelligenz im Umgang mit vielfältigen Situationen zu erfassen. Als Alternativkonzept entwirft Raab zusammen mit Prof. Gerd Gigerenzer, Direktor der Arbeitsgruppe Adaptives Verhalten und Kognition am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, eine ganze Werkzeugkiste von einfachen Strategien. Diese Strategien oder Heuristiken sind in der Lage, beispielsweise Entscheidungen zu erklären, wenn Menschen sich bei einer "Wer wird Millionär-Frage" für diejenige Antwort entscheiden, die ihnen bekannt vorkommt.

Diese sogenannte Wiedererkennungsheuristik funktioniert in vielen Situationen wie etwa Aktienkäufen, Alltagsentscheidungen oder dem aktuellen Forschungsgebiet von Prof. Raab im Sport: wenn Zuschauer wetten, Trainer Auswechselentscheidungen treffen oder Athleten den wichtigen "Pass in die Lücke" spielen. Intelligenz ist mehr, als der Intelligenztest misst, sie ist nur in geringem Maße angeboren und bereichsspezifische Erfahrungen helfen, intelligent zu handeln.


Robert Sternberg (Director of the PACE center an der Yale University und vierfacher Ehrendoktor) schreibt: "An alternative to traditional methods of estimating intelligent behavior is Raab’s und Gigerenzer’s study of intelligent heuristics. Raab and Gigerenzer have suggested we seek the biological underpinnings of intelligent heuristics."

Prof. Raab ist seit April 2003 Juniorprofessor am Institut für Bewegungswissenschaften und Sport an der Universität Flensburg. Er ist begeisterter Volleyballspieler und forscht zu Themen der Sportpsychologie und der Entscheidungsfindung unter Zeitdruck.

  • Der Artikel von Markus Raab und Gerd Gigerenzer "Intelligence as smart heuristics" ist in R. J. Sternberg, J. Davidson & J. Pretz (Eds.), Cognition and intelligence (p. 188-207), Cambridge: Cambridge University Press, erschienen.

  • Pretz, J.E. & Sternberg, R.J. (2005). Unifying the field: Cognition and Intelligence. In: R. J. Sternberg, J. Davidson & J. Pretz (Eds.), Cognition and intelligence (p. 306-318). Cambridge: Cambridge University Press.

Kontakt:
Prof. Dr. Dr. Markus Raab,
Tel. 0461 - 805 2709,
Email: raab@uni-flensburg.de

Julia Boecker,
Tel. 0461 - 14 44 916,
Email: presse@uni-flensburg.de

Julia Boecker | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-flensburg.de

Weitere Berichte zu: Intelligenz Intelligenztest

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise