Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

UN-Millenniumsgipfel 2005: Der Teufelskreis zwischen Armut und Gewalt muss durchbrochen werden

13.09.2005


Vom 14. bis zum 16. September 2005 treffen sich die Staats- und Regierungschefs zum Weltgipfel 2005 in New York. Es soll erste Bilanz zu den Millenniums-Entwicklungszielen gezogen werden. Experten des BICC (Internationales Konversionszentrum Bonn) verweisen dringend auf den Zusammenhang von Armut und Konflikten. Sie fordern entschiedenere Maßnahmen zur Konfliktprävention als Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklungspolitik und zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele.



Etwa ein Viertel der ärmsten Länder der Welt befindet sich zur Zeit entweder im Krieg bzw. kriegsähnlichem Zustand oder hat noch die unmittelbaren Auswirkungen vergangener Kriege zu bewältigen. Krisenprävention und Maßnahmen zur friedlichen Konfliktbeilegung sind vor diesem Hintergrund ein unerlässliches Instrument zur Beseitigung von Armut.



"Die Millenniumserklärung von 2000 hat die Zusammenhänge zwischen Konflikten und Entwicklung nicht genügend berücksichtigt. Der bevorstehende Weltgipfel muss konkrete Maßnahmen im Bereich Konfliktprävention und -beseitigung beschließen, um die Millenniumsentwicklungsziele erreichbar zu machen," formuliert Peter Croll, Direktor des BICC, seine Erwartungen an das Staatentreffen in New York.

Das BICC unterstützt deshalb eine Reihe von Vorschlägen, die u.a. von der Hochrangigen Expertengruppe des UN-Generalsekretärs zu neuen Bedrohungen (High Level Panel on Threats, Challenges and Change) und im "Bericht über die menschliche Entwicklung 2005" des United Nations Development Programmes (UNDP) erhoben werden:

* Einrichtung einer UN-Kommission für Friedenskonsolidierung und Schaffung eines globalen Fonds, der die Hilfe, die unmittelbar nach einem Konflikt geleistet wird, sowie den Übergang zu einem auf lange Sicht angelegten Wiederaufbau in berechenbarer Weise finanzieren soll. Über den Vorschlag des UN-Generalsekretärs hinausgehend sollte sich diese Kommission auch mit Krisenprävention befassen, wie es im Bericht der Expertengruppe vorgeschlagen worden ist.

* Mehr Hilfe für konfliktträchtige Länder. Entwicklungshilfe benötigen auch Länder, die nach einem Konflikt instabil sind. Die oft zu beobachtende Tendenz, in der unmittelbaren Nachkriegsphase Konfliktländer mit Hilfe zu überschütten, diese aber nach einiger Zeit wieder stark zu vermindern, ist kontraproduktiv. Denn die Fähigkeit, Hilfe sinnvoll aufzunehmen, ist in der ersten Aufbauphase häufig begrenzt. Die Geber sollten ihre Aufwendungen vielmehr langfristig zur Verfügung stellen. Gleichzeitig sollten die Kriterien, welches Land Mittel zugewiesen bekommt bzw. warum reduziert wird, offen gelegt werden.

* Stärkung legitimierter staatlicher Strukturen. Konflikte und Staatsversagen gehen häufig Hand in Hand. Die internationale Gemeinschaft muss deshalb neue Instrumente zur Stärkung legitimierter staatlicher Strukturen entwickeln. Vorrangige Ziele müssen Demokratisierung, Verwaltungsreformen und Verbesserung der finanziellen Grundlagen staatlicher Tätigkeit sein. Von diesen Reformen dürfen Militär und Polizei nicht ausgenommen werden.

* Engere Verzahnung von Entwicklungspolitik und Friedenspolitik - international wie national. Was eine UN-Kommission für Friedenskonsolidierung auf internationaler Ebene leisten soll, muss auch auf nationaler Ebene verbessert werden. In Deutschland wurde mit dem Aktionsplan Zivile Krisenprävention, Konfliktlösung und Friedenskonsolidierung ein guter Anfang gemacht, den es auszubauen gilt.

* Stärkung regionaler Konfliktlösungskapazitäten. Vorrang hat hierbei der Aufbau solcher Kapazitäten in Afrika, bei der Afrikanischen Union und bei subregionalen Organisationen. Ein Element ist die finanzielle, technische und logistische Unterstützung von Einsatztruppen afrikanischer Organisationen.

* Eindämmung der Kleinwaffenflut. Kleinwaffen sind die modernen Massenvernichtungsmittel, mit denen die meisten Kriege und Konflikte ausgefochten werden. Die UN-Kleinwaffenkonferenz 2006 muss ein verbindliches Abkommen zum Waffenhandel verabschieden, um die Märkte zu regulieren und Lieferungen in Gebiete, in denen gewaltsame Konflikte stattfinden, zu unterbinden.

* Internationale Rahmenregelung für das Management natürlicher Ressourcen. "Blutdiamanten" und "Konfliktöl" - auf internationalen Märkten gehandelte natürliche Ressourcen spielen auch bei der Finanzierung von Gewaltkonflikten eine Rolle. Transnationale Konzerne, die Bodenschätze exportieren, müssen ihre Geschäftstätigkeit transparenter machen, um nicht zu diesen Konflikten beizutragen. Eine von Großbritannien eingesetzte Kommission für Afrika hat eine internationale Rahmenregelung vorgeschlagen, um sicherzustellen, dass korrupte Praktiken transnationaler Unternehmen im Ausland am Unternehmenssitz strafrechtlich verfolgt werden können. Dies könnte Vorbild für eine international gültige Regelung sein.

Susanne Heinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.bicc.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten