Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf die Mischung in der Stadt kommt es an

09.09.2005


Welche Konzepte gibt es, das Wohnen in der Stadt attraktiver zu machen?



Etwa 50 Wissenschaftler und Praktiker aus acht Ländern beraten vom 14. bis 15. September in der Messestadt über Strategien der Reurbanisierung von innenstadtnahen Wohnquartieren. Reurbanisierung meint ein umfassendes Konzept, das erklärt, warum die Wohn- und Lebensbedingungen in innerstädtischen Wohngebieten für unterschiedliche Bewohnergruppen und Haushaltstypen wieder attraktiv werden. Dazu untersuchten die Wissenschaftler in den vergangenen drei Jahren neben Leipzig auch Ljubljana in Slowenien, León in Spanien und Bologna in Italien. Das von der Europäischen Union geförderte Forschungsprojekt "Re Urban Mobil" wird vom Leipziger Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW) koordiniert. Das Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ) ist für den wissenschaftlichen Ansatz verantwortlich.

... mehr zu:
»Haushaltstyp »Stadterneuerung »UFZ


Viele Städte in Europa stehen vor dem gleichen Problem: Die Industrie schrumpft, die Arbeitslosigkeit steigt und die Menschen ziehen weg. Dazu kommt noch, dass sich nicht nur die soziale und ethnische Struktur in ganzen Stadtteilen verschiebt. Auch das Alter der Bewohner und die Größe der Haushalte ändern sich. Soziologen nennen das den demographischen Wandel. Ein Wandel, der auch optisch Spuren hinterlässt: Besonders die zentrumsnahen Altbauquartiere sind von Entleerungsprozessen betroffen. Immer mehr Menschen verlassen diese Gebiete. Ganze Viertel verlieren ihre ursprüngliche Funktion. Die wertvolle historische Baussubstanz als kulturelles Erbe und als symbolische Verbindung zwischen Stadtzentrum und Peripherie ist in ihrer Existenz gefährdet. Welche Chancen gibt es, diesen Trend aufzuhalten?

Vor diesem Hintergrund suchen immer mehr Städte nach Konzepten, wie diese Stadtviertel attraktiver gemacht und damit Menschen zum Bleiben oder gar Herziehen motiviert werden können. Weil die Probleme sehr komplex sind, kooperieren in diesem Forschungsprojekt Soziologen, Demographen, Stadtplaner, Architekten, Juristen, Ökonomen und Stadtökologen. "Anstelle der traditionellen Familie leben immer mehr Menschen lediglich auf Zeit zusammen", erklärt Dr. Sigrun Kabisch vom UFZ. "Neue Haushaltsstrukturen verlangen auch neue Wohnungszuschnitte. Momentan gibt es einen Trend zu größeren Wohnungen, die Gemeinschaft, aber auch Rückzugsmöglichkeiten für die Einzelnen zulassen." Daneben sind auch moderate Preise und nahe Grünflächen ein wichtiger Grund bei der Wahl der Wohnung. Aus Sicht der UFZ-Wissenschaftler sind die neuen Haushaltstypen ein wichtiger Schlüssel, um die Probleme von Leipziger Stadtteilen wie Altlindenau oder Neustadt/Neuschönefeld in den Griff zu bekommen. Sigrun Kabisch dazu: "Bestimmte Bevölkerungsgruppen können als Stabilisatoren wirken, wenn das Wohnungsangebot und das Wohnumfeld stimmen - und dabei kommt es auf die Mischung an."

Die Abschlusskonferenz des EU-Projektes "Re Urban Mobil" ist eingebunden in die Aktionswoche "Leipzig: Stadt im Wandel - FreiRäume leben", die vom 10. bis zum 18. September 2005 stattfindet. Leipzig hat in kurzer Zeit einen grundlegenden Wandlungsprozess durchlaufen. Dabei sind neue Freiräume entstanden, die es so nur in der "entdichteten Stadt" gibt: Neue Parks, temporäres Grün und temporäre Nutzung alter Häuser, moderne Stadthäuser, Lofts oder großzügige Gründerzeitwohnungen. Diese neuen Stadtbausteine werden bei Exkursionen und Spaziergängen vorgestellt. Gleichzeitig finden eine ganze Reihe von Fachveranstaltungen zu den Themen Stadterneuerung und Stadtumbau statt. Leipzig ist eine Woche lang Treffpunkt der Fachöffentlichkeit aus dem In- und Ausland. Gleichzeitig bietet die Aktionswoche den Leipzigern einmal mehr die Gelegenheit, ihre Stadt neu zu entdecken. Tilo Arnhold

Weitere fachliche Informationen über:
Dr. Sigrun Kabisch
UFZ-Department Stadt- und Umweltsoziologie
Telefon: 0341-235-2366
Email: sigrun.kabisch@ufz.de

und

Doris Böhme
UFZ-Pressestelle
Telefon: 0341-235-2278
Email: presse@ufz.de

sowie

Ute Lennsen
Stadt Leipzig
Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung
Telefon: 0341-123-5496
Email: ulenssen@leipzig.de

Die Wissenschaftler des UFZ-Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) erforschen die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften. Sie entwickeln Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern.

Das UFZ ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2.2 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

Doris Böhme | idw
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=640
http://www.re-urban.com/index.htm
http://www.leipzig-freiraeume-leben.de/veranstaltungen.html

Weitere Berichte zu: Haushaltstyp Stadterneuerung UFZ

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik