Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Suchthilfe für jugendliche Aussiedler - Neue Ansätze mit Streetwork und Case Management

19.05.2005


Die Einwanderung nach Deutschland bringt für jugendliche AussiedlerInnen grundlegende Einschnitte in vielen Lebensbereichen mit sich. Der Verlust des vertrauten sozialen Umfelds und die Anforderungen des Bildungs- und Ausbildungssystems stellen ebenso Probleme dar wie die unzureichenden sozialen und sprachlichen Integrationsangebote. So ist es kein Zufall, dass überproportional viele männliche Aussiedler zu harten Drogen greifen, um Misserfolge zu kompensieren.



Dass Streetwork und Case Management - also eine aufsuchende Arbeit und eine umfassende Behandlungsbegleitung - geeignete Methoden sind, die Suchthilfe für AussiedlerInnen zu verbessern und Hemmschwellen bei der Nutzung von Suchthilfeangeboten abzubauen, zeigt der Abschlussbericht einer Studie der Universität Oldenburg, der jetzt vorgelegt wurde.

... mehr zu:
»Aussiedler »Suchthilfe


WissenschaftlerInnen des Interdisziplinären Zentrums für Bildung und Kommunikation in Migrationsprozessen (IBKM) und der Arbeitsgruppe Devianz untersuchten am Beispiel eines Bundesmodellprojekts, das vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanziell gefördert und durch die Cloppenburger Drogenberatungsstelle realisiert wurde, neue Ansätze in der Suchthilfe für AussiedlerInnen. Der Landkreis Cloppenburg weist in den letzten 15 Jahren einen Zuzug von ca. 20.000 AussiedlerInnen auf. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von knapp 14 Prozent, in einigen Gemeinden sogar bis zu 21 Prozent.

Auf Grundlage der Befragung von fast 300 Aussiedlerjugendlichen und deren Angehörigen geben die WissenschaftlerInnen zur Konzipierung zukünftiger aussiedlerInnenspezifischer Präventionsarbeit u. a. folgende Empfehlungen:

  • Sowohl die Migrationserfahrung als auch der kulturelle Hintergrund sollen bei der Arbeit mit jugendlichen AussiedlerInnen stärker als bisher berücksichtigt werden. Ein wichtiger Schritt hin zu einer effektiveren Präventions- und Beratungsarbeit ist die Einstellung von interkulturell qualifizierten MitarbeiterInnen möglichst mit eigenem Migrationshintergrund.

  • Neue Konzepte sollen grundsätzlich muttersprachliches Fachpersonal einbeziehen, um durch bilinguale Angebote Sprachbarrieren abzubauen.

  • Durch Case Management sollen die Ziele und Zukunftsvorstellungen der KlientInnen (speziell im beruflichen und sozialen Bereich) aktiv eingebunden werden, um Jugendliche stärker für die Teilnahme an Suchthilfe-Angeboten zu motivieren.

  • AussiedlerInnenspezifische Aspekte sollen nicht nur in der Suchthilfe, sondern bei allen Integrationsmaßnahmen stärker berücksichtigt werden. Migrationsstressoren und Risikofaktoren müssen verhindert bzw. reduziert werden und mit dem Abbau von strukturellen Benachteiligungen und Rassismen einhergehen.

  • Für die Suchthilfearbeit mit Aussiedlerjugendlichen sind langfristige und nachhaltige Beratungs- und Behandlungsangebote notwendig.

Die Studie bietet neben den Ergebnissen und Empfehlungen anhand der empirischen Daten Einblicke in die Lebenssituation jugendlicher AussiedlerInnen mit Drogenproblemen und ihrer Familien.

Gerhard Harms | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-oldenburg.de

Weitere Berichte zu: Aussiedler Suchthilfe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Daseinsvorsorge in Stadt und Land sichern
08.11.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics