Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ältere Menschen sind gut zu Fuß: Studie untersucht Freizeitmobilität

25.11.2004


Für Gesprächsstoff sorgt seit längerem die demographische Entwicklung. Der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung wird sich deutlich vergrößern. Doch wie werden Senioren in den nächsten Jahrzehnten leben? Medizinische Fortschritte und die dadurch steigende Lebenserwartung beeinflussen das Lebensgefühl dieser Generation. Ins stille Kämmerlein möchte sich so schnell niemand zurückziehen. Mit der Freizeitmobilität älterer Menschen befassen sich Forscher der Universitäten Dortmund und Bonn.


Um herauszufinden, wie sich die Mobilität in den nächsten Jahrzehnten entwickeln könnte, untersuchten die Forscher zuerst den Ist-Zustand. In der Region Bonn-Eifel befragten sie deshalb 4.500 Personen zwischen 60 und 101 Jahren. Von Interesse war das jeweilige Freizeit- und Mobilitätsverhalten, der Gesundheitszustand, persönliche Einstellungen etc. "Überraschend war, wie wenig der Pkw genutzt wird und dass die eigenen Füße nach wie vor das wichtigste Verkehrsmittel Älterer sind", berichtet Birgit Kasper, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Prof. Dr.-Ing. Christian Holz-Rau an der Fakultät Raumplanung der Universität Dortmund.

Alt zu sein, heißt aber noch lange nicht, zum alten Eisen zu gehören: "Alte Menschen sind in hohem Maße freizeitaktiv und flexibel in der Art ihrer Freizeitgestaltung", lautet eines der zentralen Ergebnisse. Am häufigsten sind die Befragten sozial aktiv: 98 Prozent gaben Tätigkeiten an wie das Besuchen von Verwandten oder auswärts Essen gehen. Für 92 Prozent gehören sportliche Aktivitäten wie auch Spaziergänge regelmäßig zum Tagesablauf; Ausflüge unternehmen 83 Prozent. Einfluss auf die Häufigkeit derartiger Unternehmungen haben gesundheitliche Einschränkungen, aber auch das Alter und Geschlecht.


Besonderes Augenmerk lag auf den räumlichen Unterschiede bezüglich der Mobilität in der Stadt, im suburbanen und im ländlichen Raum. Auffallend hoch ist der Fußwegeanteil im ländlichen Raum (Eifel), dort werden sieben von zehn Wegen (69 Prozent) per pedes zurückgelegt. Nur für jeden vierten Weg (26 Prozent) wird allgemein das Auto genutzt. Am höchsten ist der Anteil des Pkw mit 34 Prozent im suburbanen Raum. Der ÖPNV nimmt in Bonn einen Anteil von elf Prozent an den Freizeitwegen ein. Im suburbanen und ländlichen Raum ist er mit zwei bzw. einem Prozent verschwindend gering. Bei weitem nicht alle älteren Menschen verfügen über einen Pkw. In Bonn leben fast 40 Prozent der Älteren in Haushalten ohne Auto, im suburbanen Raum 20 Prozent, im ländlichen Raum knapp 30 Prozent. Fast zwei Drittel der Unternehmungen werden lokal im eigenen Ortsteil (Bonn: Stadtteil) durchgeführt, und sogar 85 Prozent in der eigenen Gemeinde. Besonders stark ist die lokale Orientierung am eigenen Ortsteil wiederum in der Eifel.

Wie wirken sich diese Aktivitäten auf die Lebenszufriedenheit aus? Die Forscherinnen und Forscher ermittelten, dass häufige Unternehmungen außer Haus das Lebensgefühl positiv beeinflussen - dabei spielen jedoch die dabei zurückgelegten Distanzen, die Stärke der Pkw-Nutzung und die Pkw-Verfügbarkeit keine Rolle. Personen ohne Auto sind genauso zufrieden wie Personen mit Pkw; und Senioren, die ihre Freizeitaktivitäten im Wohnviertel unternehmen, sind genauso zufrieden wie solche, die erst einmal lange Strecken zurücklegen. Wichtige Faktoren sind hingegen eine gute Gesundheit, ein dichtes soziales Netz (insbesondere Partnerschaft) und ein hohes Einkommen.

Aus den Ergebnissen leiteten die Forscher Handlungsempfehlungen ab, die auf der Erkenntnis basieren, dass ältere Menschen eine heterogene Bevölkerungsgruppe mit differenzierten Lebensstilen und Interessen sind, die sich im Alter mitunter sogar schneller ändern als bei jüngeren Menschen. Ein Fazit der Experten lautet: Die Sicherung der wohnortnahen Erreichbarkeit ist wichtiger als der Ausbau für hohe Geschwindigkeiten. Organisatorische Maßnahmen wie der Aufbau von Nachbarschaftsnetzen oder an Planungen beteiligte Seniorenvertreter sind ebenso wichtig wie bauliche Maßnahmen. Attraktive, gut erreichbare und finanzierbare Freizeitangebote bedürfen der Kooperation von Kommunen mit Freizeit- und Verkehrsanbietern. Und oft stecken die Fehler im Detail: eine fehlende Bank zum Ausruhen, eine zu hohe Stufe oder ein zu klein gedruckter Fahrplan können schnell zur unüberwindlichen Barriere werden.

Anfang 2005 werden die Ergebnisse in einem Buch veröffentlicht. Das Projekt "FRAME: Freizeitmobilität älterer Menschen - Bedingungen, Formen und Entscheidungen" ist eine Kooperation des Fachgebiets Verkehrswesen und Verkehrsplanung an der Universität Dortmund mit dem Psychologischen Institut und dem Geographischen Institut der Universität Bonn.

Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. Christian Holz-Rau
Ruf: 0231 / 755 - 22 70

Ole Lünnemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.freizeitverkehr.de
http://www.uni-dortmund.de/

Weitere Berichte zu: Freizeitmobilität Lebensgefühl Ältere

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz