Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Wachstum durch bevölkerungsorienterte Familienpolitik

08.11.2004


BDI, IW Köln und Bundesministerium legen gemeinsames Strategiepapier vor


Der demographische Wandel stellt die Familienpolitik in Deutschland vor neue Herausforderungen. Aufgabe einer nachhaltigen Familienpolitik ist es, auch bevölkerungspolitische Aspekte aufzunehmen. Langfristige Erfolge sind nur mit einem ’’Politik-Mix’’ aus Wirtschafts-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik und betrieblicher Personalpolitik zu erwarten. Das sind die zentralen Ergebnisse des gemeinsamen Symposiums ’’Wachstumsfaktor bevölkerungsorientierte Familienpolitik’’ des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) heute in Berlin.

Bundesministerium, BDI und IW Köln legten ein gemeinsames Strategiepapier vor. Darin werden die positiven Auswirkungen einer höheren Geburtenrate auf den wirtschaftlichen und sozialen Wohlstand Deutschlands beschrieben und konkrete Handlungsfelder benannt, die aus der demographischen Krise herausführen können. Als zentrales Problem wird in dem Papier der absehbare Rückgang des Arbeitskräfteangebotes hervorgehoben, der sich negativ auf das Wirtschaftswachstum in Deutschland auswirkt.


Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Renate Schmidt, hob hervor: ’’Mit einer nachhaltigen, bevölkerungsorientierten Familienpolitik wollen wir einen Trend zu mehr Kindern anstoßen. Bevölkerungsorientierung bedeutet nicht, dass Menschen Kinder bekommen sollen, die sie sich nicht wünschen - sondern sie dient dazu, dass Menschen ihre vorhandenen Kinderwünsche verwirklichen können. Das Beispiel Deutschland hat gezeigt, dass reine Transferleistungen ohne eine generelle Verbesserung der Infrastruktur hinsichtlich der Geburtenentwicklung wirkungsschwach sind. Deshalb haben wir einen Strategiewechsel eingeleitet: Weg von der Fixierung auf immer mehr Geldleistungen hin zu einer Familienpolitik besserer Infrastrukturen, begleitet von einer neu zentrierten finanziellen Förderung und einer familienfreundlichen Unternehmenskultur.’’

Nach Ansicht von BDI-Präsident Michael Rogowski müsse das heutige Erwerbspotenzial besser ausgeschöpft werden. ’’Die Unternehmen sind auf die sehr gute Qualifikation der Frauen angewiesen. Berufstätige Frauen müssen sich häufig nach der Geburt eines Kindes für längere Zeit aus dem Berufsleben verabschieden oder aber sie verzichten ganz auf Nachwuchs, weil eine Kombination von Kind und Beruf nicht möglich erscheint. Hier ist auch die Wirtschaft aufgefordert, flankierende Maßnahmen zu ergreifen, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Flexible Arbeitszeitmodelle, Wiedereinstiegsprogramme nach der Elternzeit und Betriebskindergärten können hier helfen und werden bereits schon in der betrieblichen Praxis angeboten.’’

Der IW-Direktor Prof. Hüther betonte, dass durch einen Ausbau der Kinderbetreuung die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefördert werden könne. ’’Dadurch werden zwei Ziele gleichzeitig erreicht: Müttern wird die Möglichkeit gegeben, trotz der Kindererziehung einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Gleichzeitig werden durch den Besuch einer Kinderbetreuungseinrichtung familiär bedingte Bildungsunterschiede der Kinder verringert und die Chancengerechtigkeit verbessert. Damit wird die Wissensbasis für die Zukunft verbreitert und der Zugang von Akademikerinnen zum Arbeitsmarkt trotz Familiengründung verbessert.’’

BDI, IW Köln und Bundesministerium sehen fünf zentrale Handlungsfelder, an denen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam ansetzen müssen:

1) Kinderbetreuung ausbauen

Der Ausbau der Kinderbetreuung hilft, das Spannungsverhältnis zwischen Beruf und Familie aufzulösen und könnte Frauen und Männer dazu motivieren, nach der Elternzeit wieder schneller in den Beruf zurückzukehren. Eine gut ausgebaute Kinderbetreuung auch für die unter Dreijährigen ist ein wichtiger Standortfaktor.

2) Kinder früh fördern

Die frühe Förderung von Kindern ist eine entscheidende Wachstumsgröße. Neben dem quantitativen Ausbau der Kinderbetreuung gewinnt deshalb auch der qualitative Ausbau eine große Bedeutung. Die Lehrinhalte müssen stärker als bisher in den Focus des öffentlichen Interesses rücken.

3) Finanzielle Förderung effizienter einsetzen

Aus wirtschaftspolitischer sowie aus bevölkerungsorientierter Sicht ist eine schnelle Rückkehr von Müttern und Vätern in den Beruf wünschenswert. Denn in Ländern mit guten Kinderbetreuungsangeboten und einer hohen Erwerbstätigkeit von Müttern liegt auch die Geburtenrate höher. Ein Elterngeld nach skandinavischem Vorbild trägt dazu bei, den Verdienstausfall abzufedern und die Entscheidung für Kinder zu erleichtern.

4) Unternehmenspolitik familienorientiert gestalten

Eine zukunftsorientierte Personalpolitik ist familienfreundlich und bringt für Unternehmen betriebswirtschaftliche Vorteile, Wettbewerbs- und Standortvorteile. Eine familienorientierte Unternehmenspolitik leistet einen wichtigen Beitrag für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und damit auch für eine weitere Erhöhung der Frauenerwerbsquote.

5) Familienfreundliche Initiativen vor Ort unterstützen

Die Aktivitäten kommunaler Akteure vor Ort tragen entscheidend dazu bei, Deutschland familienfreundlicher zu gestalten. Die Initiative ’’Lokale Bündnisse für Familie’’ zeigt, welche Potenziale hier aktiviert werden können.

Kontakt:

Thomas Hüne, Bundesverband der Deutschen Industrie, Tel.: (030) 2028 1449

| BMFSFJ - Pressereferat
Weitere Informationen:
http://www.bmfsfj.de
http://www.bdi.de

Weitere Berichte zu: BDI Familienpolitik Kinderbetreuung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise