Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Probleme der Solidarität in der modernen Gesellschaft

20.09.2004


Erstmals erschienen: Vortrag anlässlich des gemeinsamen wissenschaftlichen Symposiums von Universität und Theologischer Fakultät Trier.


Seit drei Jahrzehnten vereinigt das gemeinsame wissenschaftliche Symposium von Universität und Theologischer Fakultät Trier Forschung, Wissenschaftsdisput und Geselligkeit miteinander. Der Trierer Soziologe Prof. Dr. Hans Braun hatte den Symposiumsvortrag zum Thema "Zwischen Spontaneität und Organisation. Probleme der Solidarität in der modernen Gesellschaft" (Januar 2004) gehalten und anschließend viele Fragen und Standpunkte zum Thema "Solidarität" mit dem Plenum diskutiert. Erstmals wurde in diesem Jahr auf Wunsch des Präsidenten Prof. Dr. Peter Schwenkmezger der Festvortrag publiziert. Er erschien jetzt in der Reihe "Reden an der Universität".

In seinem Beitrag behandelt der Soziologe die unterschiedlichen Bedeutungen des Solidaritätsbegriffes, ausgehend von dem Buch von Horst-Eberhard Richter "Lernziel Solidarität", das im Jahr 1974 erschienen war und eine verbreitete gesellschaftliche Aufbruchstimmung gleichsam zu einer Vision verdichtete.


Zum Inhalt

An den Anfang seiner Ausführungen stellt Braun die Frage "Wie verhält es sich nun aber mit der Solidarität in unserer Gesellschaft?" In fünf Schritten versucht er aus Sicht des Sozialwissenschaftlers den Begriff Solidarität in unserer Gesellschaft zu analysieren. Dabei geht es zunächst um die Annäherung an den Solidaritätsbegriff, sodann um die implizite Solidarität in elementaren Sozialbeziehungen und um freiwillig geleistete Solidarität jenseits des sozialen Nahraums und schließlich um die eingeforderte Solidarität des Sozialstaats. Zum Abschluss legt Braun verschiedene Entwicklungsperspektiven der Solidarität in unserer Gesellschaft dar.

Braun belegt seine Ausführungen mit zahlreichen Beispielen: Unterstützung und Betreuung von Angehörigen, Engagement in Bürgerinitiativen oder ehrenamtliche Betätigung im Sozialbereich und schließlich das Spenden. Der Sozialstaat mit seiner organisierten Solidarität und den damit verbundenen Problemen bis hin zum "Staatsversagen", wenn es etwa um Steuerprobleme geht, ist ein Aspekt, den Braun am Ende seiner Überlegungen aufzeigt: "Problematisch ist allerdings der Status der sozialstaatlich organisierten Solidarität."

Vielen sei nicht bewusst, dass auch der Sozialstaat der Solidarität bedarf, nämlich der Solidarität der Bürger in ihrer Rolle als Beitrags- und Steuerzahler einerseits und als Leistungsempfänger andererseits: "Es ist dies eine abstrakte Solidarität. Auf die Fähigkeit und Bereitschaft, solche abstrakte Solidarität zu zeigen ist die moderne Gesellschaft aber angewiesen. Dies gilt auch für den notwendigerweise verschlankten Sozialstaat der Zukunft." Seine Schlussfolgerung lautet: "Persönliche Nähe, Vertrauen und eben auch Spontaneität sind zentrale Faktoren für die Qualität des Lebens in dieser Gesellschaft. Ohne Bereitschaft zur abstrakten Solidarität werden diese Faktoren aber nur eingeschränkt zur Entfaltung kommen können."

Zur Vita von Prof. Braun

Seit 24 Jahren lehrt und forscht Prof. Dr. Hans Braun an der Universität Trier. Zunächst Professor an der Universität Tübingen, übernahm er nach Ablehnung von Rufen an die Katholische Universität Eichstätt und an die Universität der Bundeswehr München 1980 eine Professur für Soziologie an der Universität Trier. Ihr blieb er auch trotz eines Rufes an die Universität Fribourg/Schweiz treu. Brauns Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind Sozialpolitik, Gesundheitsverhalten und Gesundheitssysteme, historische Sozialstrukturanalyse, Wohlfahrtsanalyse verbunden mit Glücksforschung, interkulturelle Beziehungen sowie Alterssoziologie, von der Braun sagt: "Allmählich wachse ich in mein eigenes Thema hinein!". Diese Forschungsinteressen schlugen sich in bislang über 270 Publikationen nieder, darunter 13 Monographien und 17 Sammelwerke.

An der Universität Trier war Braun von 1985 bis 1988 Vizepräsident. Als Mitglied der Versammlung der Universität wurde er 1994 deren amtierender Vorsitzender. Nach der Wahl zum Vorsitzenden der Versammlung 1995 wurde er weitere vier Male in Folge wieder gewählt. Sein Interesse an der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses kam nicht zuletzt in der Mitarbeit in der Graduiertenförderungskommission zum Ausdruck. Als besonders interessant empfindet er die Arbeit in der Forschungskommission des Senats, der er seit vielen Jahren angehört. ney

Die Publikation ist kostenlos über die Pressestelle der Universität Trier zu beziehen per E-Mail: presse@uni-trier.de oder Tel.: 0651/201 4239. Bibliographische Angabe: Hans Braun, Zwischen Spontaneität und Organisation. Probleme der Solidarität in der modernen Gesellschaft, Vortrag anlässlich des gemeinsamen wissenschaftlichen Symposiums von Universität Trier und Theologischer Fakultät Trier, in: Reden an der Universität Trier, ISSN 1611-9754

Heidi Neyses | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-trier.de

Weitere Berichte zu: Solidaritätsbegriff Sozialstaat Soziologe Spontaneität

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

ASEAN Member States discuss the future role of renewable energy

17.10.2017 | Event News

World Health Summit 2017: International experts set the course for the future of Global Health

10.10.2017 | Event News

Climate Engineering Conference 2017 Opens in Berlin

10.10.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise