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Horoskope und "neue Hexen" - Faszination Esoterik

04.06.2004


FG-Forschergruppe an der Universität Halle untersucht "Die Aufklärung im Bezugsfeld neuzeitlicher Esoterik"



Die moderne Gesellschaft ist voll von esoterischen Anspielungen und Denkweisen. Das fängt bei Phänomenen wie Esoterikläden oder "neuen Hexen" an und hört bei alternativen Heilmethoden und dem Horoskop in der Zeitung noch lange nicht auf. Sieht man näher hin, erweisen sich auch wesentliche Strömungen in Kunst, Literatur und Wissenschaft der Moderne als esoterische Denkmuster, oder sind zumindest von solchen beeinflusst.

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Woher kommt diese Faszination für die Esoterik? Steht die Moderne nicht fest auf dem Boden rationalen Denkens, wie es sich seit der Aufklärung durchgesetzt hat? Vollzog sich nicht im 18. Jahrhundert eine kulturelle und geistige Revolution, die Schluss machen wollte mit allem "Aberglauben"? Oder gelangt die Esoterik gar auch mit der Aufklärung in die Moderne? Diesen Fragen geht eine Gruppe von 9 Wissenschaftlern am Interdisziplinären Zentrum für die Erforschung der europäischen Aufklärung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg nach, die seit Mai 2004 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird.

Das Forscherteam geht von der Beobachtung aus, dass die Aufklärungsforschung in den vergangenen zwei Jahrzehnten Vorstellungen über das "Andere der Vernunft" und das "Dunkle in der Aufklärung" entwickelt hat, die in der gegenwärtigen wissenschaftlichen Diskussion zum 18. Jahrhundert einen bedeutenden Stellenwert haben. Zugleich aber fehlt es an einem übergreifenden, systematisierenden Konzept historischer Einordnung und Erklärung. Das Projekt beabsichtigt, dieses Defizit durch eine Verbindung von Aufklärungs- und Esoterikforschung zu überwinden. "Esoterik" wird dabei als ein Integrationsbegriff älterer abendländischer Glaubens- und Wissenstraditionen verstanden, die in das 18. Jahrhundert hineinreichen und mit der Aufklärung eine Wechselbeziehung eingehen. Somit können die inneren Widersprüche dieser Epoche zwischen Tradition und Moderne in ein innovatives Gesamtverständnis eingebunden und damit neu beleuchtet werden.

Die Einzelthemen befassen sich mit dem für Stadt und Universität Halle spezifischen Verhältnis von Esoterik, Pietismus und Frühaufklärung, mit der Esoterik im Wolffianismus, mit Emanuel Swedenborgs Stellung innerhalb der aufklärerischen und esoterischen Diskurse des 18. Jahrhunderts, mit Johann Georg Hamanns Ästhetik im Bezugsfeld von Aufklärung, Christentum und Esoterik und schließlich mit dem "Vernünftigen Christentum" im Spannungsfeld esoterisch-masonischer Entwicklung.

Ansprechpartner: Dr. Markus Meumann, 0345-5521785, E-Mail: gruppe@izea.uni-halle.de

Ingrid Godenrath | idw
Weitere Informationen:
http://www.izea.uni-halle.de

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