Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tarifvereinbarungen bieten Chancen zur Verbesserung der Lehrstellensituation

06.04.2004


Tarifliche Vereinbarungen zur Ausbildungsförderung werden in der aktuellen Auseinandersetzung um die Einführung einer Ausbildungsplatzabgabe oft als die "bessere" Alternative zur Gewinnung zusätzlicher Ausbildungsplätze diskutiert. Eine vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) gemeinsam mit dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut in der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) durchgeführte Studie hat die in den letzten Jahren bestandenen Vereinbarungen der Tarifparteien zur Ausbildungsförderung und ihre bisherige Wirksamkeit untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen: Tarifvereinbarungen können ein wirksames Instrument zur Erhöhung des Lehrstellenangebots sein. Voraussetzung ist allerdings, dass beide Tarifparteien die Ausbildungs- und Übernahmepraxis der Betriebe als problematisch ansehen und sie den Tarifvereinbarungen hohe Verbindlichkeit einräumen. Zudem sollten folgende Bedingungen erfüllt sein:



Die Vereinbarung muss präzise definierte Ziele enthalten, deren Erreichung überprüfbar bzw. von Arbeitnehmerseite einklagbar sind.



Beide Tarifparteien müssen bei den Betrieben Überzeugungsarbeit leisten, um diese für die Erreichung der angestrebten Ziele zu gewinnen.

Die Gewerkschaft muss Sanktionen durchsetzen können, falls die vereinbarten Ziele nicht erreicht bzw. Zusagen nicht eingehalten werden.

Wie die BIBB/WSI-Untersuchung der Tarifvereinbarungen zeigt, gab es in den letzten Jahren in allen Wirtschaftsbereichen eine deutliche Tendenz zur Abnahme der Verbindlichkeit der Vereinbarungen. Insbesondere bei den tariflichen Regelungen zur Erhöhung bzw. Sicherung des Ausbildungsplatzangebots wurden die o.g. Bedingungen vielfach in wesentlichen Teilen nicht erfüllt: Die angestrebte Steigerung der Ausbildungsplatzzahl war meist nicht genau festgelegt und eine Überprüfung der Einhaltung der Regelung nur selten vereinbart. Sanktionen bei Nichteinhaltung waren fast nie vorgesehen. Bei vielen Vereinbarungen schienen die Tarifparteien eher auf deren symbolische Wirkung zu setzen.

Die mit Abstand meisten tariflichen Vereinbarungen zur Ausbildungsförderung gab es bisher im Wirtschaftsbereich Industrie und Handel. Das Handwerk konnte dagegen nur relativ wenige Vereinbarungen vorweisen. Auch in sonstigen Wirtschaftsbereichen gab es nur eine kleine Zahl von Regelungen, die allerdings in großen Tarifbereichen wie dem Öffentlichen Dienst sowie bei den Sozialversicherungsträgern abgeschlossen worden waren.

Im letzten Jahr setzte eine neue Entwicklung ein: In einer gemeinsamen Erklärung zur Ausbildungsoffensive 2003 appellierten Bundesregierung, Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften an die Tarifvertragsparteien, in Tarifverträgen vermehrt ausbildungsfördernde Vereinbarungen zu treffen. Danach kam es in wichtigen Tarifbereichen, wie z.B. der Chemischen Industrie sowie der Metallindustrie in Niedersachsen, zu neuen Vereinbarungen zur Erhöhung des Ausbildungsplatzangebots. Sie unterscheiden sich gegenüber den bisherigen tariflichen Regelungen zur Ausbildungsförderung durch ihren besonderen Verbindlichkeitsgrad und neue Regelungselemente.

In der vom BIBB und dem WSI erarbeiteten Studie sind die Strukturen und Regelungsschwerpunkte der tariflichen Ausbildungsförderung von 1996 bis 2001 detailliert dargestellt. Die Wirksamkeit der tariflichen Vereinbarungen zur Ausbildungsförderung wird anhand von Fallstudien in ausgewählten Tarifbereichen aufgezeigt. Ergänzend wird auf die Ergebnisse einer Befragung von Ausbildungsbetrieben zu deren Einschätzung der tariflichen Ausbildungsförderung eingegangen. In der Studie werden wichtige Hinweise gegeben, wie tarifliche Ausbildungsförderung die Ausbildungs- und Übernahmechancen der jungen Leute verbessern kann. Gleichzeitig werden jedoch auch die Grenzen dieses nicht staatlichen Förderinstruments verdeutlicht.

Die Studie von Ursula Beicht, Klaus Berger, Reinhard Bispinck und Johannes Kirsch, "Tarifliche Ausbildungsförderung - Entwicklung der Regelungen von 1996 bis 2001 und Einschätzung ihrer Wirksamkeit" ist zum Preis von Euro 17,90 zu beziehen beim W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG, Postfach 10 06 33, 33506 Bielefeld, Tel. 0521/911 01-11, Fax: 0521/911 01-19, Email: service@wbv.de

Informationen zu der Untersuchung erteilen im BIBB Ursula Beicht (Tel.: 0228/107-1314, E-Mail: beicht@bibb.de) und Klaus Berger (Tel.: 0228/107-1320, E-Mail: berger@bibb.de)

Dr. Ilona Zeuch-Wiese | idw
Weitere Informationen:
http://www.bibb.de/dokumente/pdf/pr_telegramm_2004_april.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie