Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Befragungsinstrument: Wie Mitarbeiter ihre Arbeitsbedingungen wirklich einschätzen

05.04.2004


Wie es den Beschäftigten eines Unternehmens geht und was sie bedrückt, hat großen Einfluss auf die Qualität der (Zusammen-)Arbeit. Seit einigen Jahren nutzen Personalabteilungen daher Befragungen, um die Befindlichkeiten der Belegschaft auszuloten. Doch die Sache war bisher einseitig, die Rücklaufquoten waren schlecht, alle Fragen schienen gleich wichtig - welche Aussage nun ein Einschreiten erforderte, war unklar. RUB-Arbeitswissenschaftler um Prof. Dr. Heiner Minssen und Dr. Rüdiger Piorr haben eine neue Fragemethode entwickelt, bei der die Mitarbeiter in mehreren Schritten selbst bestimmen, welche Themen ihnen besonders am Herzen liegen. So kann die Unternehmensleistung gezielt Missstände beseitigen und das Arbeitsklima verbessern.


Frustrierende Ausgangslage

Zu Anfang sahen sich die Arbeitswissenschaftler mit einem frustrierenden Stand der Dinge konfrontiert: Die klassische Mitarbeiterbefragung wurde top down, also z. B von der Geschäftsleitung konzipiert und durchgeführt. Die Beteiligung der MitarbeiterInnen bestand lediglich im Ankreuzen der Antwortalternativen. Kommunikation konnte so als wechselseitiger Prozess nicht entstehen. Daraus resultierte eine Rücklaufquote der Fragebögen von meist unter 40 Prozent. Hinzu kam, dass die Fragesteller nun zwar Antworten hatten, aber nicht wussten, was zu unternehmen war: Welche Frage war so wichtig, dass eine unzufriedene Antwort schnelles Handeln erforderte? Mit welchen Missständen dagegen konnten die Mitarbeiter ganz gut leben?


Mitarbeiter bestimmen selbst, wozu sie etwas sagen wollen

Im Rahmen des tranet-ruhr-Projekts (gefördert aus Mitteln der EU und des Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit des Landes NRW) entwickelten Wissenschaftler des Lehrstuhls für Arbeitsorganisation und Arbeitsgestaltung am Institut für Arbeitswissenschaft ein neues Befragungsinstrument, das diese Nachteile weitgehend überwindet. Ganz zu Anfang legen Geschäftsleitung und Betriebsrat gemeinsam die Schwerpunkte des späteren Fragebogens fest. Dann schon sind die Mitarbeiter an der Reihe: In Gruppen von sechs bis acht Personen bestimmen sie die Themen näher. So ergibt sich, welche Konflikte existieren und zu welcher Frage sie gern etwas sagen möchten. Unter dem Punkt "Kommunikation" könnte so z. B. stehen: "Aktuelle Informationen von der Geschäftsführung" oder auch: Information über Projekte aus anderen Abteilungen: So kommt die Struktur von "oben", die genauere inhaltliche Bestimmung aber von "unten".

Welche Fragen sind wirklich wichtig?

Im nächsten Schritt bestimmen die Mitarbeiter selbst die Wichtigkeit der einzelnen Fragen. So können sie auf einer fünfstufigen Skala ankreuzen, wie wichtig ihnen aktuelle Informationen der Geschäftsführung über Projekte tatsächlich sind. Erst im folgenden Schritt wird dann die Zufriedenheit mit den einzelnen Punkten abgefragt. "Durch diese Trennung wird die Bedeutsamkeit und damit die Handlungsrelevanz der Merkmale herausgearbeitet", erläutert Dr. Piorr. "Erst, wenn ein Merkmal über die Maßen bedeutsam ist, und die MitarbeiterInnen bzgl. dieses Merkmals große Unzufriedenheiten äußern, besteht ein Handlungsbedarf. Es ist ein Trugschluss anzunehmen, dass eine hohe Unzufriedenheit bereits ausreicht, um umfangreiche Handlungen zu rechtfertigen!"

Lösungsvorschläge für die wichtigsten Probleme

Im Tranet-Ruhr-Projekt arbeiteten die Forscher mit dem Lünener Bergbauzulieferunternehmen DBT Automation zusammen. "Die hohe Rücklaufquote von über 60 Prozent zeigte uns, dass wir ein erfolgreiches, dialogorientiertes Instrument entwickelt haben", so Piorr. Die Ergebnisse konnten die Forscher den MitarbeiterInnen bei einer Betriebsversammlung präsentieren - und dazu auch gleich anstehende oder schon gestartete Maßnahmen, mit denen das Unternehmen auf die Befragungsergebnisse reagiert hat. So sollen z. B. klarere Zuständigkeiten in Projekten und die Vereinbarung von Zielen und Meilensteinen helfen, Projekte erfolgreicher zu handhaben. Eine systematischere Personalentwicklung soll die Weiterbildung langfristig planbarer machen und stärker an strategischen Erfordernissen ausrichten, ein Wissensmanagementsystem wird die Informationsflüsse innerhalb des Unternehmens verbessern.

Weitere Informationen

Dr. Rüdiger Piorr, Institut für Arbeitswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-27735/-27730, Fax: 0234/32-14118, E-Mail: ruediger.piorr@ruhr-uni-bochum.de

Jens Hanke, Technologieberatungsstelle TBS Regionalstelle Ruhrgebiet, tranet-ruhr, Lothringer Str. 62, 46045 Oberhausen, Tel. 0208/82076-27, Fax: 0208/82076-41, E-Mail: jens.hanke@tbs-nrw.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.tranet-ruhr.de

Weitere Berichte zu: Befragungsinstrument Fragebogen Mitarbeiter Rücklaufquote

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht Sterblichkeit durch Rauchen für ostdeutsche Frauen bald höher als für westdeutsche
10.05.2017 | Max-Planck-Institut für demografische Forschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

WHZ erhält hochmodernen Prüfkomplex für Schraubenverbindungen

23.05.2017 | Maschinenbau

«Schwangere» Stubenfliegenmännchen zeigen Evolution der Geschlechtsbestimmung

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Tumult im trägen Elektronen-Dasein

23.05.2017 | Physik Astronomie