Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Projekt analysiert die Beziehung zwischen nationaler und europäischer Identität

09.10.2003


Um die Beziehungen der Europäer zu ihren eigenen Ländern und zur EU besser zu verstehen, fördert die Kommission eine Studie über europäische und nationale Identitäten in neun EU-Mitgliedstaaten und Beitrittsländern.


Das Projekt EURONAT (Darstellung Europas und der Nation in derzeitigen und zukünftigen Mitgliedstaaten) wird unter dem Abschnitt "Ausbau des Potenzials an Humanressourcen" des Fünften Rahmenprogramms gefördert. Ziele des Projekts sind, das derzeitige Verständnis nationaler und europäischer Identitäten in Europa zu prüfen, zu untersuchen, inwieweit diese beiden Identitäten sich gegenseitig ausschließen oder aber kompatibel sind, die Rolle der Medien und nationalen Eliten bei der Schaffung dieser Identitäten zu untersuchen sowie Informationen über europäische Integration und Erweiterung für die EU-Medienpolitik zu liefern.

Das EURONAT-Konsortium umfasst Partner aus dem Vereinigten Königreich, Deutschland, Ungarn, Griechenland, Polen, Spanien und der Tschechischen Republik. Die Projektkoordinatoren sind Mitarbeiter des Europäischen Hochschulinstituts in Florenz, Italien. Die Studie konzentriert sich auf die nationale und europäische Identität in jedem der Konsortiumsländer sowie Österreich.


Die Forschung wird in mehreren Phasen durchgeführt und vereint eine Reihe von Disziplinen, darunter Politikwissenschaft, Soziologie, Sozialpsychologie, Kulturwissenschaft, Geschichte und internationale Beziehungen. Die Ergebnisse der ersten Phase der Studie wurden in eimen Bericht veröffentlicht und bilden den historischen, geopolitischen und theoretischen Hintergrund für die nachfolgenden Phasen des Projekts.

Das erste in der Studie behandelte Beitrittsland ist die Tschechische Republik. Das Forschungsteam von der Tschechischen Technischen Universität in Prag stellt zunächst fest, dass die Ansicht des Landes über die EU-Mitgliedstaaten traditionell von den globalen Beziehungen zwischen Ost und West bestimmt wurde. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks änderten sich jedoch die Meinungen. Einen weiteren Einfluss hatte das Auseinanderbrechen der Tschechoslowakei, das die Debatte über eine tschechische nationale Identität neu belebte.

Laut dem Bericht intensivierte sich gegen Ende der 90er Jahre die Diskussion über die Zugehörigkeit der Tschechen zu Europa. "Wahlslogans wie ’Zurück zu Europa!’ sollten klar das Ende der kommunistischen Vergangenheit zum Ausdruck bringen. Dies entwickelte sich zu einer spezifischen Debatte über den EU-Beitritt." Jedoch sei die Diskussion durch eine gewisse Skepsis gegenüber Europa gekennzeichnet gewesen und "der Schwerpunkt wurde auf die Inspiration durch die britische (Thatcher’sche) Haltung gegenüber der EU gelegt".

Dies, so die Forscher, habe zu der aktuellen Situation geführt, in der es in der Tschechischen Republik die geringste öffentliche Unterstützung für die EU unter allen mittel- und osteuropäischen Ländern gibt. Diese Haltung werde durch die Zurückhaltung der benachbarten EU-Länder bei der Öffnung ihrer Arbeitsmärkte verschärft und führe zu dem Verdacht, dass die Begeisterung der westeuropäischen Länder für die Erweiterung nur durch Eigeninteressen motiviert sei.

"Großbritanniens Beziehung zur EU wird am besten als ’halbe Distanziertheit’ beschrieben, die nicht durch eine klare Feindseligkeit charakterisiert ist, aber durch eine noch immer weit verbreitete Gleichgültigkeit und Unwissenheit", so die Einschätzung eines Teams der London School of Economics. Es erwartet jedoch, dass die öffentliche Wahrnehmung Europas in der nahen Zukunft eine sehr viel deutlichere Form annehmen wird, in dem Maße wie die Menschen in Großbritannien sich der immer wichtigeren Rolle der EU in ihrem täglichen Leben bewusst werden.

Professor Willfried Spohn von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) ist der Meinung, dass in Deutschland die nationale Wahrnehmung nicht nur intern in west- und ostdeutsche Identitäten aufgeteilt ist, sondern auch extern in Bezug auf die Wahrnehmung Europas. In seiner Analyse kommt er zu dem Schluss, dass die westdeutsche Identität europäischer ist als die ostdeutsche, während jedoch die Unterstützung für die EU-Erweiterung in der ehemaligen DDR etwas größer ist.

Professor Spohns Hypothese ist, dass dieser Unterschied den höheren Wert zum Ausdruck bringt, den die Ostdeutschen auf eine Friedensordnung mit Osteuropa legen. Im Vergleich dazu bestehe unter vielen Westdeutschen ein gewisser Grad an Angst vor dem, was die Erweiterung mit sich bringt, so Spohn.

Nachdem mit dieser Studie die historische und geopolitische Basis für das Projekt geschaffen wurde, haben die verschiedenen Teams nun zum Ziel, die Auswirkungen der Diskussionen in den Medien, unter den politischen und gesellschaftlichen Eliten und in der Zivilgesellschaft als Ganzes auf die Bildung der Vorstellungen von der Nation, Europa und der EU unter den Bürgern zu analysieren.

Aris Apollonatos, Mitarbeiter der Kommission, erklärt in einem Vorwort zu dem Bericht: "Indem wir unser Verständnis des soziopolitischen Gepäcks, das wir mit uns tragen, erweitern, erlangen wir einen besseren Einblick in das Profil und die Psyche der Passagiere, die die Europäische Union als ihr endgültiges Ziel gewählt haben."

| cn
Weitere Informationen:
http://www.iue.it/RSCAS/Research/EURONAT/Index.shtml

Weitere Berichte zu: Beitrittsland EU-Projekt Wahrnehmung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Daseinsvorsorge in Stadt und Land sichern
08.11.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften