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Jeder zweite Deutsche ging nicht auf Sommer-Urlaubsreise

01.10.2003


52 Prozent der Deutschen haben in diesem Sommer keine Urlaubsreise unternommen. Das ergab eine erste Analyse des Ferienverhaltens durch das Europäische Tourismus Institut (ETI) aus Trier. Nach einer repräsentativen Umfrage des Instituts spannten 48 Prozent der Reise-Abstinenzler lieber in den eigenen vier Wänden aus oder nahmen in diesem Sommer gar keinen Urlaub. Ein Drittel (Mehrfachnennungen waren möglich) begründete den Ferienreise- Verzicht konkret mit finanziellen Überlegungen. Jeder vierte Nichtreisende verwies auf berufliche Hindernisse.

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Rund 30 Prozent der von den Trierer Tourismus-Forschern telefonisch befragten 1.500 Deutschen erklärten, sie wollten bis Jahresende noch eine Urlaubsreise unternehmen. "Damit werden wir 2003 in Deutschland wohl doch wieder auf dem Vorjahresniveau landen", vermutet Dr. Martin Fontanari, Geschäftsführer des Europäischen Tourismus Instituts. Für die deutschen "Reise-Weltmeister" sei der Urlaub ein solch gewohntes Gut, dass man darauf nur noch selten verzichten wolle. Nach Einschätzung des Trierer Tourismus-Forschers hatten der Irak-Krieg und die Lungenseuche SARS nicht den Einfluss auf das Reiseverhalten, der noch in der ersten Jahreshälfte prognostiziert wurde: "Tiefere Spuren hat vielmehr die Wirtschaftslage hinterlassen. Wer gereist ist, hat sich im Urlaub eingeschränkt, um Kosten zu sparen", berichtet der Wissenschaftler.

32 Prozent derer, die sich eine Sommerurlaubsreise leisteten, blieben in Deutschland. Die Hälfte dieses Personenkreises gab an, Deutschland bewusst einem ausländischen Reiseziel vorgezogen zu haben. Als Hauptgrund nannte jeder Zweite, dass es in Deutschland "attraktive Urlaubsangebote" gebe. Gut einem Drittel wäre ein Auslandsurlaub zu kostspielig gewesen.


Mecklenburg-Vorpommern übernimmt Spitzenreiter-Position

Von den deutschen Sommerurlaubern, die im Lande blieben, entschieden sich 22 Prozent für Mecklenburg-Vorpommern und 19 Prozent für Bayern. In der Rangliste der beliebtesten deutschen Urlaubsländer verdrängte Mecklenburg-Vorpommern damit Bayern auf Platz zwei und Schleswig-Holstein auf Platz drei (17 Prozent). Nach Baden-Württemberg reisten 13 Prozent der Inlandsurlauber, nach Niedersachsen elf Prozent. Bei den bevorzugten Auslands- Urlaubszielen lagen Spanien mit zwölf und Italien mit elf Prozent der deutschen Sommerurlauber deutlich vor Österreich mit ca. sechs Prozent. Mit lediglich drei Prozent konnte die Türkei in diesem Jahr nur verhaltene Akzeptanz bei den deutschen Sommerurlaubern finden.

Nach dem Preis-/Leistungs-Verhältnis ihres Sommerurlaubs gefragt, sprachen 37 Prozent der deutschen Reisenden von einem schlechteren und 18 Prozent von einem besseren als in den Vorjahren. 45 Prozent haben keine Veränderung gespürt. 76 Prozent der deutschen Auslandsurlauber erklärten, sie hätten den Eindruck, dass in Zusammenhang mit der Euro-Einführung die Preise für touristische Leistungen "mehr als nötig" angehoben worden seien, vor allem für Verpflegung, Unterkunft und Eintrittspreise. Sogar 79 Prozent der Deutschlandurlauber empfanden so.

"61 Prozent der deutschen Auslandsreisenden hätten sich grundsätzlich vorstellen können, ihren Sommerurlaub auch innerhalb Deutschlands zu verbringen", betont ETI-Geschäftsführer Dr. Martin Fontanari. Das grundsätzliche Wetterrisiko in der Heimat (51 Prozent), die höhere Gastfreundlichkeit im Ausland (41 Prozent) und höhere Kosten für einen Deutschlandurlaub (34 Prozent) waren die am häufigsten genannten Gründe, weshalb eine Auslandsreise dann doch vorgezogen wurde.

Negativ-Ereignisse beeinflussten Urlaubsentscheidungen wenig

Negative Ereignisse in der ersten Jahreshälfte wie der Irak-Krieg, die Lungenseuche SARS, Terror-Anschläge in Spanien und eine Serie von Busunfällen hatten nur bei 15 Prozent der Befragten Einfluss auf die Urlaubsentscheidung. Drei Viertel davon änderten das Reiseziel - am stärksten davon betroffen war die Türkei -, ein Fünftel verschob den Urlaub. Von denen, die auf Grund der Negativ- Ereignisse ein anderes Verkehrsmittel wählten (32 Prozent), hatten fast 80 Prozent ursprünglich mit dem Flugzeug und 12 Prozent zunächst mit dem Bus reisen wollen. Insgesamt haben sich 96 Prozent der Deutschen während des Sommerurlaubs "generell sicher" gefühlt.

"Viele Deutsche haben sich in diesem Jahr wieder sehr kurzfristig für eine Sommerurlaubs-Reise entschieden", berichtet Tourismus- Forscher Dr. Fontanari. Obwohl sich schon im März rund die Hälfte der Reisenden grundsätzlich für ein bestimmtes Urlaubsziel entschlossen hatte, wurden ca. 45 Prozent aller Reisen erst in den letzten drei Monaten vor den Schulferien fest gebucht. 62 Prozent der Befragten organisierten ihre Urlaubsreise völlig selbständig, also ohne ein Reisebüro oder eine Tourismus-Organisation einzuschalten. 43 Prozent nutzten dabei das Internet zur Reisevorbereitung - ein Wert, der seit Jahren kontinuierlich steigt.

Nur knapp 2 Prozent entschieden sich wie der Bundeskanzler gegen Italien-Urlaub

Wie das Europäische Tourismus Institut bei der Umfrage ermittelte, sind nur knapp zwei Prozent der deutschen Urlauber dem Beispiel von Bundeskanzler Gerhard Schröder gefolgt und haben das geplante Reiseziel Italien in Folge der zwischenzeitlichen Eintrübung des bilateralen Verhältnisses gemieden. "96 Prozent der Befragten hatten von der Aktion des Kanzlers gehört, aber ein ähnlich hoher Prozentsatz hat sich von den geplanten Ferien in Italien nicht abhalten lassen", berichtet ETI-Geschäftsführer Dr. Fontanari. Eine große Mehrheit der Italienurlauber habe keine verschlechterte Behandlung dort erlebt.

Insgesamt hohe Zufriedenheit mit dem Sommerurlaub

Insgesamt waren die Reisenden 2003 mit ihrem Urlaub sehr zufrieden: Auf einer Skala von 1 (sehr zufrieden) bis 5 (überhaupt nicht zufrieden) ergab sich ein Mittelwert von 1,4. Während sich fast drei von vier Auslandsreisenden mit ihrem Urlaub sehr zufrieden zeigten, waren dies bei den Deutschlandurlaubern nur 58 Prozent. "Beim Vergleich mit den wichtigsten übrigen Urlaubsdestinationen rangiert Deutschland hinsichtlich der Zufriedenheit der Urlauber auf dem letzten Platz. Vor allem Österreich und Frankreich können hier wesentlich bessere Ergebnisse vorweisen", erläutert ETI-Geschäftsführer Dr. Fontanari. Von den bedeutendsten deutschen Ferienregionen konnte Bayern die Sommerurlaubsgäste am stärksten zufrieden stellen, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg.

Das Wichtigste zum ETI in Kürze

Das Europäische Tourismus Institut (ETI) in Trier ist seit zwölf Jahren auf den Feldern Forschung, Beratung und Weiterbildung tätig. Die GmbH, bei der 25 Mitarbeiter beschäftig sind, hat in Deutschland, Europa und China bereits mehr als 200 Projekte abgewickelt. Mit seinen Gesellschaftern, der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, dem Großherzogtum Luxemburg sowie den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Saarland, ist das ETI (www.eti.de) Beispiel für umfassende grenzübergreifende Kooperation im europäischen Tourismus. Es hat sich zum Ziel gesetzt, den Wandel des Tourismusmarktes in Europa auf diese Weise mit zu gestalten.

Dipl.-Geogr. Bert Hallerbach | ETI
Weitere Informationen:
http://www.eti.de

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