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Bevölkerungsschwund: leer stehende Häuser, verödende Innenstädte, kinderlose Gesellschaft

15.09.2003


Leere Kindergärten und Schulen, Wettbewerb um Einwoh­ner, leer stehende Häuser, Arbeitskräftemangel: Bei der Bevölkerungsentwicklung in den Städten und Kreisen ist noch längst keine Wende in Sicht. Rückläufige Geburtenzahlen und ein steigender Anteil älterer Menschen werden wohl ganze Städte und Landstriche gravierend verändern. Eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung in zwölf ausgewählten Kommunen zeigt, dass nur in einer Minderheit der Haushalte Kinder leben. Zwischen 24,5 Prozent (in Dortmund) und 48,9 Prozent (im Kreis Diepholz) beträgt der Anteil der Haushalte mit Kin­dern.

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Besonders in den Städten sinkt die Bevölkerung stetig. Der Anteil der 0 bis 6-Jährigen geht bis zum Jahr 2015 voraussichtlich um über 20 Prozent zurück, teilweise verlieren die Kom­munen ein Viertel der Kinder. "Das kann dazu führen, dass bald jede vierte Grundschule
ge­schlossen werden muss", sagt Kerstin Schmidt, Projektleiterin bei der Bertelsmann Stiftung. Bei den über 80-Jährigen dagegen steigt bis 2015 der Anteil an der Bevölkerung um 30 bis 60 Prozent. Damit werden auch etwa doppelt so viele Altenwohn- und Pflegeplätze gefragt sein. Im Vergleich zu den 2001 von der Stiftung erhobenen Daten haben sich diese Trends weiter verschärft.

Fragt man nach den Ursachen für den Bevölkerungsschwund, so fällt auf, dass viele Kommu­nen wenig kinderfreundlich sind. Beispielsweise gibt es nur wenige Ganztags-Betreuungsplätze: In den Kreisen sind dies im Schnitt 7,7 und in den Städten 18,7 Plätze auf 100 Kinder. "Die Verantwortlichen sollten Familienförderung stärker als Gesellschafts- und Beschäfti­gungspolitik begreifen", fordert Kerstin Schmidt, "die Kommunen müssen den demographi­schen Wandel aktiv gestalten." Hier können sie viel vom Ausland lernen, beispielsweise von Frankreich oder skandinavischen Ländern: Diese haben mehr in Kinderbetreuung investiert und verzeichnen gleichzeitig höhere Geburtenraten als Deutschland.

Die Stadt Dortmund zeigt an ihrem "Familienprojekt Dortmund", dass auch in Deutschland in relativ kurzer Zeit viel bewegt werden kann. Im "Familienprojekt" werden zu Beginn des kommenden Schuljahres bereits 1.600 Ganztagsbetreuungsplätze an 28 Grund- und Sonderschulen geschaffen. Eine familienfreundliche Stadt- und Wohnraumplanung soll Dortmund für junge Familien attraktiver machen. Darüber hinaus werden alleinerziehende Mütter und Väter unterstützt, Förder- und Bildungsangebote werden ausgebaut. Auch die Stadt Arnsberg hat einen umfassenden Maßnahmenkatalog beschlossen.

Die Untersuchung ist Teil des "Kompass"-Projektes der Bertelsmann Stiftung. Das Modell-Projekt misst seit drei Jahren die Lebensqualität in ausgesuchten Städten und Kreisen und versucht, diese in verschiedenen Politikfeldern zu verbessern.

Über die Bertelsmann Stiftung:
Die Bertelsmann Stiftung versteht sich als Förderin des Wandels für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Sie will Reformen in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Soziales, Gesundheit, Demokratie und Bürgergesellschaft sowie Internationale Verständigung voranbringen. Die 1977 von Reinhard Mohn gegründete, gemeinnützige Einrichtung hält die Mehrheit der Kapitalanteile der Bertelsmann AG. In ihrer Projektarbeit ist die Stiftung unabhängig vom Unternehmen und parteipolitisch neutral.

Julia Schormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompass-modellkommunen.de

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