Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entwicklungen und Probleme der Nicht-EU-Bevölkerung auf dem deutschen Arbeitsmarkt

25.08.2003


Institut Arbeit und Technik untersuchte Entwicklungen und Probleme der Nicht-EU-Bevölkerung auf dem deutschen Arbeitsmarkt


Die Lage der ausländischen Bevölkerung auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren der Wirtschaftskrise drastisch verschlechtert. "Die Eingliederungsprobleme nehmen zu, während gleichzeitig die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt immer härter wird", stellt der Arbeitsmarktforscher Prof. Dr. Gerhard Bosch, Vizepräsident des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen), fest. Sprachliche Defizite, schlechte Schulabschlüsse und niedrige Qualifikationen behindern den Eintritt in den Arbeitsmarkt und existenzsichernde Beschäftigung. Die Armutsquote der Nicht-Deutschen ist von 1985 noch 15 Prozent auf rd. 21 Prozent angestiegen, während sie bei den Westdeutschen unverändert bei ca. 11 Prozent liegt. Die politische Blockade des Zuwanderungsgesetzes, das die Immigration - nicht zuletzt wegen des für die Zukunft absehbaren Fachkräftemangels auf dem deutschen Arbeitsmarkt - regeln und die sprachliche und kulturelle Integration verbessern soll, verkennt die Sachlage völlig und behindert mögliche Lösungen.

Eine Studie, die das IAT für die Europäische Union erstellt hat, zeigt, dass Deutschland unter den großen europäischen Ländern bei weitem den höchsten Anteil ausländischer Bevölkerung hat. Im Jahre 2002 lebten 7,34 Millionen Nichtdeutsche in der Bundesrepublik Deutschland, das sind 8,9 % der Wohnbevölkerung. 1999 kamen 25,3% der registrierten Ausländer in Deutschland aus der EU, 55,5% aus dem Resteuropa und der Rest aus anderen Teilen der Welt. Die größte Gruppe der Ausländer von außerhalb der EU stellten die Türken mit 28% und die Jugoslawen mit 10%. Stark gestiegen ist der Anteil der Asiaten, der 1971 noch bei 2,6% lag und mittlerweile 11,2% beträgt. Auch der Anteil der Ausländer aus den EU-Beitrittsländern ist gestiegen. Die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind markant. Nur knapp 300 000 (also rund 4%) der registrierten Ausländer lebten im Jahre 2000 in Ostdeutschland. Die Ausländerquote lag hier zwischen 1,7% (Sachsen-Anhalt und Thüringen) und 2,4% in Brandenburg und Sachsen. Im früheren Bundesgebiet schwankt die Quote zwischen 9,2% in Bayern und 15,4% in Hamburg.


Nur noch weniger als die Hälfte der Türken im erwerbsfähigen Alter sind derzeit abhängig oder selbständig beschäftigt. Die Beschäftigungsquote der Ausländer hat in den letzten 20 Jahren drastisch um fast 10 % abgenommen, bei den Türken am stärksten um 13 Prozentpunkte. Dass die Beschäftigungsverhältnisse von Migranten instabiler sind als die der deutschen Bevölkerung, belegen auch Analysen, die das IAT mit der IAB-Beschäftigtenstichprobe vorgenommen hat: Nichtdeutsche weisen höhere Fluktuationsraten auf - das gilt sowohl für Unqualifizierte wie für Facharbeiter, Fachangestellte und Akademiker. Bei den Migranten aus den seinerzeitigen Hauptanwerbeländern - mit Ausnahme der Türken - lässt sich ein kontinuierlicher Ausgliederungsprozess aus dem deutschen System sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung beobachten.

Der Anteil der Selbständigen hat sich bei den Ausländern in den letzten 15 Jahren fast verdoppelt. Viele haben sich wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage selbständig gemacht. Die Zahl der Gaststätten und der kleinen Gemüseläden überwiegt bei den Ausländern immer noch. Häufig helfen hier die Kinder mit, was kurzfristig hilft, die Existenz zu sichern, langfristig aber die Bildungschancen der Kinder beeinträchtigt.

In den letzten 20 Jahren hat sich bei den meisten Nationalitäten das Bildungsniveau zwar erhöht, neue Einwanderungsgruppen vor allem aus Mittel- und Osteuropa, Lateinamerika und Asien weisen aber eine wesentlich schlechtere Bildung auf. Diese neuen Immigrant/innen gehen meist in einfache Dienstleistungstätigkeiten, auch der expandierende Sex- und Heiratsmarkt schlägt sich in diesen Zahlen nieder.

Bei den Männern weisen vor allem die Türken einen außerordentlich hohen Anteil von Personen ohne Berufsabschluss auf. Die Ausbildungsquoten ausländischer Jugendlicher sind nach einem starken Anstieg auf 41,1 Prozent seit 1995 wieder rückläufig. Die Folgen dieser niedrigen Ausbildungsquoten auf dem Arbeitsmarkt sind unverkennbar: 1998 waren 8,1 Prozent der Deutschen zwischen 20 und 29 Jahren ohne berufliche Ausbildung geblieben, bei den Ausländern waren es 32,7 Prozent. Eine Gestaltung der Zuwanderung und bessere kulturelle und sprachliche Integration der Nichtdeutschen ist deshalb dringend erforderlich, um dramatischen sozialen Entwicklungen entgegenzuwirken und durch bessere Qualifikation den Migranten in Deutschland existenzsichernde Beschäftigung und der Wirtschaft qualifizierte Arbeitskräfte anbieten zu können.

Für weitere Fragen stehen Ihnen zur Verfügung:

Prof. Dr. Gerhard Bosch, Tel. 0209 - 1707-147
Dr. Matthias Knuth, Tel. 0209 - 1707-186
Marcel Erlinghagen, Tel.: 0209 - 1707-342

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.iatge.de

Weitere Berichte zu: Ausbildungsquote Ausländer IAT Migrant Nicht-EU-Bevölkerung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der schärfste Laserstrahl der Welt

Physikalisch-Technische Bundesanstalt entwickelt einen Laser mit nur 10 mHz Linienbreite

So nah an den idealen Laser kam bisher noch keiner: In der Theorie hat ein Laser zwar genau eine einzige Farbe (Frequenz bzw. Wellenlänge). In Wirklichkeit...

Im Focus: Wellen schlagen

Computerwissenschaftler verwenden die Theorie von Wellenpaketen, um realistische und detaillierte Simulationen von Wasserwellen in Echtzeit zu erstellen. Ihre Ergebnisse werden auf der diesjährigen SIGGRAPH Konferenz vorgestellt.

Denkt man an einen See, einen Fluss oder an das Meer, so sieht man vor sich, wie sich das Wasser kräuselt, wie Wellen gegen die Felsen schlagen, wie Bugwellen...

Im Focus: Making Waves

Computer scientists use wave packet theory to develop realistic, detailed water wave simulations in real time. Their results will be presented at this year’s SIGGRAPH conference.

Think about the last time you were at a lake, river, or the ocean. Remember the ripples of the water, the waves crashing against the rocks, the wake following...

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der schärfste Laserstrahl der Welt

29.06.2017 | Physik Astronomie

Maßgeschneiderte Nanopartikel gegen Krebs gesucht

29.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wolken über der Wetterküche: Die Azoren im Fokus eines internationalen Forschungsteams

29.06.2017 | Geowissenschaften